Bernhard Peter
Kyoto, Nijo-jo (5): Gärten und Nebengebäude


Auf dem Gelände der Burg Nijo gibt es heute drei verschiedene Gärten, einer aus der Edo-Zeit, einer aus der Meiji-Zeit und einer aus der Showa-Zeit. Neben diesen künstlerisch gestalteten Gärten gibt es noch einen Pflaumen-Hain auf der Südseite des Ninomaru westlich des Minami-naka-shikiri-mon, der 1954 angepflanzt wurde und über 130 Pflaumenbäume (Ume) enthält. Darunter sind die Sorten shira-ume, momoiro-ume, benichidori, shidare-ume etc. Vom späten Februar bis zum späten März blühen die Bäume.

Dann gibt es noch einen Kirschbaum-Hain (Sakura no en, sakura = Kirschblüte, mit ca. 400 Bäumen, ca. 50 Sorten, vor allem eine spätblühende Variante) auf der östlichen Seite des Minami-naka-shikiri-mon und sind im März und April ein Blütentraum. Diese Bäume wurden 1955-1965 angepflanzt. In der äußersten Nordostecke des Ninomaru ist noch ein Grüngarten (Midori no en, midori = Farbe Grün) angelegt. Das ganze Gelände innerhalb der Burg Nijo ist nicht nur im späten Winter (Pflaumenblüte) oder im Frühjahr (Kirschblüte) eine Augenweide, sondern auch im späten November sorgen die vielen Ahorne, die Ginkgos und andere Bäume für leuchtende Buntheit.

Ein weiterer saisonaler Höhepunkt sind die Kamelien (Tsubaki), von denen es ca. 400 Exemplare in ca. 90 Sorten auf dem Burggelände gibt. Sie wurden 1953 gepflanzt. Sie blühen von Dezember bis April je nach Sorte. Gleichzeitig mit den Pflaumen blüht die für Bonsai so beliebte Ährige Scheinhasel (Corylopsis spicata, jap. Tosamizuki).


Ninomaru-Garten
Schon 1603 wurde hier ein erster Garten angelegt, der aber 1626 umgestaltet wurde. Dieser Edo-zeitliche Ninomaru-Garten (Ninomaru teien) wurde von Kobori Enshu (Kobori Masakazu, 1579-1647) angelegt, einem berühmten Gartengestalter der Edo-Zeit, und ist als Ort besonderer landschaftlicher Schönheit gelistet. Kobori Enshu war der Beauftragte (Sakuji Bugyo) für die Herrichtung der Anlage aus Anlaß des offiziellen Kaiserbesuchs im Jahre 1626, und dieser Besuch war der konkrete Anlaß zur Anlage des Gartens. Vom Typ her ist es ein Chisen-kaiyu-shiki teien, ein Teich-und-Wandel-Garten. Der Garten wird auch Hachi-jin-no-niwa (Acht-Richtungen-Bezugspartikel-Garten) genannt, weil er so angelegt ist, daß man ihn von acht Positionen aus besonders gut betrachten kann, von den Räumen des O-hiroma (Blick nach Westen) und des Kuro-Shoin (Blick nach Süden) des Ninomaru-Palastes aus, also von den beiden wichtigsten offiziellen Gebäuden aus, und auch vom nicht mehr bestehenden Gyoko-Goten aus, der für den kaiserlichen Besuch am Südrand des Gartenteiches erbaut worden war. Für kurze Zeit war der Garten also auf allen Seiten von Gebäuden und Korridoren umgeben, erst der Abriß des Gyoko-Goten (Gyoko = offizieller Kaiserbesuch, Goten = Palast) öffnete den Garten nach Süden.

In diesem Garten finden wir viele klassische Elemente wieder, die große Insel Horai (Horai-jima) als Symbol des Paradieses für die Unsterblichen in der Mitte, die Kranichinsel (Tsuru-shima) im nördlichen Teichbereich und die Schildkröteninsel (Kame-jima) im südlichen Teichbereich als Symbole für Langlebigkeit. Vier Brücken erlauben das Betreten der Inseln. In der Meiji-Zeit wurde dieser Garten wiederhergestellt und nach altem Vorbild neu bepflanzt, inclusive der japanischen Palmfarne (Sotetsu), beispielsweise direkt am Nordrand des Teiches zu finden. Im Nordwesteck befindet sich ein Wasserfall (Takiguchi, Taki = Wasserfall, kuchi = Mund). Mehrere Steinbrücken (Ishibashi) verbinden Westufer, Kranichinsel und Insel Horai miteinander, eine weitere überspannt den schmalen südwestlichen Ausläufer des Teiches. Mehrere Steine tragen eigene Namen, wie der Enzan-seki (Toyama-seki) oder der Funa-ishi. Spuren (ato) vergangener Bebauung befinden sich südlich der Gebäude, wo sich früher zweitweise eine Noh-Bühne und ein weiterer Palast befanden. Die Spuren einstiger Paläste werden Gyoko goten ato, Nakamiya goten ato und Nyoin goten ato genannt (von Osten nach Westen, goten = Palast, ato = Fundament, Ruine).

Viele Burgschlösser besitzen ausgesucht schöne Gärten, und manchmal haben die Gärten überlebt, die Bauten nicht. Als Plätze besonderer landschaftlicher Schönheit gelten neben dem Ninomaru-Garten von Nijo-jo der Ninomaru-Garten von Nagoya-jo, der Nishinomaru-Garten von Wakayama-jo und der Omote-goten-Garten von Tokushima-jo. Von den genannten Gärten ist der im Nijo-jo der einzige historische Garten, der noch die zugehörigen Gebäude besitzt, diejenigen der anderen genannten Burgen wurden alle ein Raub der Flammen.


Seiryu-en
Auf der schmalen Nordseite des Ninomaru-Bereiches, etwa dort, wo sich der Turm der allerersten Burg Nijo befand, wurde 1965 der Garten Seiryu-en (Seiryuu-en, Garten des klaren Baches; der Name wurde durch den damaligen Bürgermeister von Kyoto gewählt, Yoshizo Takayama) angelegt, zwischen Kita naka shikiri-mon im Westen und dem Kita Ote-mon im Nordosten. Der 16500 m2 große Garten vereinigt traditionelle Elemente japanischer Gärten mit solchen europäischer Gärten (Rasenflächen). Die Hälfte des Gartens ist also traditionell gestaltet, die andere Hälfte wie ein europäischer Park. Zwei Gebäude befinden sich dort, im Westen das Teehaus Waraku-an und im Norden das Teehaus Koun-tei (Kou-un-tei, Teehaus der duftenden Wolke). Das Koun-tei wurde 1965 erbaut und stellt einen Teil der Residenz von Suminokura Ryoi (1554-1614) dar, der ein aus Kyoto stammender Kaufmann und Reeder war. "Suminokura" bedeutet einfach "Laden an der Ecke". Er betrieb mit offizieller Lizenz (Shuinjo) Überseehandel unter Toyotomi Hideyoshi und unter Tokugawa Ieyasu und hatte beträchtlichen Anteil am Ausbau der durch Kyoto führenden Flüsse für die Schiffbarkeit. Aus dem Garten der Stadtresidenz dieser Kaufmannsfamilie stammen auch einige Bäume und Felsen. Garten und Teehaus wurden angelegt, um hier offizielle Gäste der Stadt Kyoto empfangen zu können. Im Waraku-an wird ein Café betrieben. Der Teich ist von einem Meer aus Steinen umgeben, insgesamt sollen hier um die 1000 Steine und Felsen verbaut worden sein.

An Rande des Weges, vor dem Waraku-an und nur wenige Schritte vom Kita naka shikiri-mon, ist eine mit einem Seil-Zäunchen umspannte Steingruppe in drei Moosinseln in einem Kiesbett zu sehen. Dabei handelt es sich um die Kamo Nana-ishi (Kamo = Fluß Kamo, nana = 7, ishi = Stein), sieben verschiedene Steine, die entlang des durch Kyoto fließenden Kamo-Flusses geborgen wurden. Neben den Rasenflächen des Gartens gedeihen Kitayama-sugi genannte Zedern aus den Bergen nördlich der Stadt.


Honmaru-Garten
Der Honmaru-Garten (Hon-maru teien) war ursprünglich zuvor als Trockenlandschaftsgarten (Betrachtungsgarten) angelegt worden. Nachdem man den Honmaru Goten 1893-1894 geschaffen hatte, wurde ein zweiter Garten angelegt, der aber nicht lange Bestand hatte. Aus Anlaß des Besuches von Kaiser Meiji (1852-1912) im Jahre 1896 wurde der Garten umgestaltet und erhielt seine jetzige Form mit parkartiger Struktur und sich schlängelnden Wegen zum Promenieren, mit Rasenflächen und einem Hügel in der Südostecke. Er wurde nicht nur für den Kaiser angelegt, sondern nach seinen persönlichen Vorstellungen gestaltet: Es ist überliefert, daß er selbst die Anlage vom Obergeschoß des Honmaru Goten aus überwachte und Anweisungen gab, was wo gepflanzt werden solle.


Ninomaru-Garten: Photos im Regen


Seiryu-en: Photos im Regen


Honmaru-Garten: Photos im Regen

Honmaru-Garten

im Hintergrund der Honmaru-Goten

Honmaru-Garten

Steinlaterne im Honmaru-Garten


Literatur, Links und Quellen
Lokalisierung auf Google Maps:
https://www.google.com/maps/@35.0137637,135.7485974,17z?hl=en und https://www.google.com/maps/@35.0139769,135.7477408,298m/data=!3m1!1e3?hl=en
John H. Martin, Phyllis G. Martin: Kyoto - 29 Walks in Japan's Ancient Capital, 376 S., Verlag: Tuttle Pub. 2011, ISBN-10: 4805309180, ISBN-13: 978-4805309186, S. 122-131
John Dougill: Japan's World Heritage Sites - Unique Culture, Unique Nature, 192 S., Verlag: Tuttle Shokai Inc., 2014, ISBN-10: 4805312858, ISBN-13: 978-4805312858, S. 44-47
Judith Clancy, Ben Simmons: Kyoto Gardens - Masterworks of the Japanese Gardener's Art, 144 S., Verlag: Tuttle Shokai Inc. 2015, ISBN-10: 4805313218, ISBN-13: 978-4805313213, S. 18-21
Jennifer Mitchelhill, David Green: Castles of the Samurai - Power and Beauty, 112 S., Verlag: Kodansha International 2013, ISBN-10: 1568365128, ISBN-13: 978-1568365121, Abb. 69, 90-94, 129, S. 67, 88, 93
Miura Masayuki, Chris Glenn: Samurai Castles, Bilingual Guide to Japan, Uchida Kazuhiro/Shogakukan, 2017, ISBN 978-4-09-388543-0, S. 70-73
Jennifer Mitchelhill, David Green: Samurai Castles - History / Architecture / Visitors Guides, 128 S., Verlag: Tuttle Pub. 2018, ISBN-10: 4805313870, ISBN-13: 978-4805313879, S. 52-55
Kiyoshi Hirai: Feudal Architecture of Japan, Heibonsha Survey of Japanese Art Band 13, 168 S., Verlag: Weatherhill 1974, ISBN-10: 0834810158, ISBN-13: 978-0834810150, S. 123-134, einige Grundrisse des Ninomaru Goten nach der dortigen Ausfalttafel
Toshitaka Morita, Takahiro Miyamoto: Castles in Japan (Landscapes of the Japanese Heart), 304 S., Verlag: Mitsumura Suiko Shoin, 2018, ISBN-10: 4838105606, ISBN-13: 978-4838105601, S. 17-21
Yoshihiro Kawamura, Nijo-jo Castle - world heritage, hrsg. von Nijo Castle, Katsuaki Tanaka, 4. Auflage 2015, ISBN: 9784763806857
Seiten der Stadt Kyoto:
http://www2.city.kyoto.lg.jp/bunshi/nijojo/ - https://www2.city.kyoto.lg.jp/bunshi/nijojo/english/teien/honmaru_t.html - https://www2.city.kyoto.lg.jp/bunshi/nijojo/english/map/index.html - https://www2.city.kyoto.lg.jp/bunshi/nijojo/english/index.html
Besucherfaltblatt zum Download:
http://www2.city.kyoto.lg.jp/bunshi/nijojo/pdf/Deutsch.pdf
Gärten in der Burg Nijo:
http://www2.city.kyoto.lg.jp/bunshi/nijojo/english/teien/index.html
jahreszeitliche Blütenpflanzen in den Gärten der Burg Nijo:
http://www2.city.kyoto.lg.jp/bunshi/nijojo/english/shiki/index.html
Burg Nijo-jo auf Discover Kyoto:
https://www.discoverkyoto.com/places-go/nijo-jo/
Burg Nijo-jo auf Japan Travel Manual:
http://jpmanual.com/en/nijojo
Burg Nijo-jo auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Nij%C5%8D - https://en.wikipedia.org/wiki/Nij%C5%8D_Castle
Burg Nijo-jo auf Kyotofukoh:
https://kyotofukoh.jp/report118.html
Nationalschätze (Residenzen):
https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_National_Treasures_of_Japan_(residences)
Burg Nijo-jo auf traditional Kyoto:
http://traditionalkyoto.com/gardens/nijo-jo/
Burg Nijo-jo auf Samurai-Archives:
http://wiki.samurai-archives.com/index.php?title=Nijo_castle
Suminokura Ryoi:
https://en.wikipedia.org/wiki/Suminokura_Ry%C5%8Di
weitere Quellen auf der ersten Seite über die Geschichte des Burgschlosses, siehe dort


Nijo-jo, Teil (1): Geschichte und Wehranlagen - Nijo-jo, Teil (2): Toranlagen - Nijo-jo, Teil (3): Ninomaru und Ninomaru Goten - Nijo-jo, Teil (4): Honmaru und Honmaru Goten - Nijo-jo, Teil (6): Karamon, Details: Beschläge - Nijo-jo, Teil (7): Karamon, Details: Schnitzereien - Nijo-jo, Teil (8): Karamon, Details: Schnitzereien - Nijo-jo, Teil (9): Karamon, Details: Schnitzereien

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