Bernhard Peter
Kyoto, To-ji (1): Beschreibung und Tore


Lage und Erreichbarkeit
Der To-ji (Tou-ji) nimmt im Stadtteil Minami, Kujo-cho, einen ganzen Straßenblock ein, definiert durch die Hachijo Dori im Norden, die Mibu Dori im Westen, die Omiya Dori im Osten und die Kujo Dori im Süden, wobei die beiden letztgenannten große und mehrspurige Hauptverkehrsachsen der Stadt sind. Dadurch ergibt sich eine Gesamtausdehnung des Tempelbereiches von 540 m in Nord-Süd-Richtung und von 260 m in West-Ost-Richtung. Die Adresse lautet: 1 Kujo-cho, Minami-ku, Kyoto-shi, Kyoto, 601-8473, Japan. Zwei Wassergräben sind noch vorhanden, einer entlang der Südmauer an der Kujo Dori und einer parallel in der Mitte des Areals, nördlich des Museums. Der nördliche Anfang des Tempels wird zwar an der Hachijo Dori durch ein erstes Tor bestimmt, doch die ganze nördliche Hälfte bis zum ersten Wassergraben ist bis auf wenige Subtempel modern bebaut und heute im Stadtbild nicht mehr als sakraler Bereich wahrnehmbar. Die südliche Hälfte zwischen beiden Wassergräben ist das heutige Kerngebiet des Tempels, immerhin noch ein Rechteck von 310 m x 260 m Ausdehnung, 8 ha.

Der To-ji ist sehr gut zu erreichen, weil er in fußläufiger Entfernung vom Hauptbahnhof liegt, ca. 1 km Luftlinie vom Hachijo Exit bis zum Eingangstor in südwestlicher Richtung. Mit der Kintetsu Kyoto Line kann man in südlicher Richtung bis zum Bahnhof To-ji fahren, dann sind es nur ca. 400 m Luftlinie bis zum Tempeleingang. Da ist es eine Frage der Wartezeit und/oder Bequemlichkeit, ob man direkt läuft oder noch eine Bahn zwischenschaltet. Mit dem Bus kommt man noch näher an den Eingang; die Haltestelle auf der Omiya Dori heißt Toji Higashimon-mae (City Bus Nr. 42), von dort muß man nur über die Straße gehen zum Keiga-mon. Hier hält die City Bus-Linie 207, die ab Hankyu Kawaramachi Station, Keihan Gion-Shijo Station bzw. Shijo Kawaramachi verkehrt. Auch die Linien City Bus Nr. 18 und 71 halten hier. Alternativ kann man die Bushaltestelle auf der Mibu Dori nutzen, sie heißt Toji Nishimon-mae. Hier hält die City Bus-Linie 16, die ab Hauptbahnhof verkehrt. Im Süden der Anlage liegen die Bushaltestellen Toji Minamimon-mae (hier halten die Linien City Bus Nr. 78 oder 19) und Kujo Omiya.

Was den Eindruck etwas trübt, sind die unmittelbar an den Mauern entlangbrandenden Hauptverkehrsachsen. Auch der größte Teil des Tempelgeländes wirkt recht städtisch. Andererseits ist das weitläufige Gelände im Innern der Mauern sehr schön mit Gärten und Teichen gestaltet, so daß man die großstädtische Umgebung leicht wieder vergessen kann. Von der Anlage her und der streng achsialen Ausrichtung der Gebäude ist der Tempel mustergültig; von der Qualität der Bausubstanz hochkarätig. Die ausgestellten Skulpturen sind von musealer Qualität, so daß insgesamt der To-ji eine ganz klare Empfehlung darstellt und hochkarätigen Kunstgenuß verspricht. Gemessen an dem, was der To-ji bietet, ist er zudem schwach besucht und kein Touristen-Hotspot, was die Empfehlung noch unterstreicht. Für Photofreunde: Im Innern der Hallen kann nicht photographiert werden. Allgemein herrscht in den wirklich wertvollen Statuensammlungen Photoverbot und auch Zeichen-Verbot, falls jemand ersatzweise auf diese Idee kommen sollte, was angesichts der beengten Räumlichkeiten rings um die Schaustücke aber verständlich ist.

Das Gelände ist frei zugänglich. Man kann also Keiga-mon, Jiki-do, Nandai-mon, Hokudai-mon, Mie-do und vieles andere mehr ohne Eintritt sehen. Der eingefriedete Kernbereich mit Pagode, Kon-do und Ko-do hingegen kostet Eintritt. Der lohnt in jedem Fall, weil hier in den Hallen die wertvollen Skulpturen aufbewahrt werden. Ebenso eintrittspflichtig ist das Museum im Norden der Anlage. Die Öffnungszeiten der Substrukturen an der Westseite (Shoshi-bo) und der außerhalb gelegenen Subtempel hängt von der Jahreszeit ab, sie sind nicht ganzjährig geöffnet. Am 21. jeden Monats findet auf dem Tempelgelände der Mieku bzw. Kobo-ichi-Markt (Kobo-san-Markt, Flohmarkt) statt, zur Erinnerung an Kobo Daichi an seinem Todestag, dem 21. März, und am ersten Sonntag jeden Monats findet hier der Garakuta-ichi Antikmarkt statt.


Geschichte und Bedeutung
Der To-ji (Tou-ji) ist eine Heian-zeitliche Gründung unter Kaiser Kanmu und geht auf das Jahr 796 zurück, zwei Jahre nachdem die Hauptstadt nach Kyoto verlegt worden war. Für den Bau verantwortlich ernannt worden war der Hofadlige Fujiwara no Isendo. Mit einer mehr als 1200jährigen Geschichte ist der To-ji einer der ältesten Tempel der ehemaligen Hauptstadt Heian-kyo, und von der Lage und Funktion her ist er eng mit der Struktur der Heian-zeitlichen Hauptstadt verbunden. Deshalb hat die gesamte Anlage auch den Status einer national wichtigen historischen Stätte. Außerdem gehört der To-ji zum Weltkulturerbe der Unesco des historischen Kyoto.

Vom Namen her bedeutet To-ji Ost-Tempel. Das kommt daher, daß er in der alten Hauptstadt zusammen mit einem anderen Tempel, dem entsprechenden und zeitgleich gegründeten Sai-ji = Westtempel rechts bzw. links des Rashomon (Rashoumon, Rajoumon) standen, des Tores, das einst am südlichen Ende der Suzaku Oji stand, also derjenigen Straße, die als 84 m breite Hauptachse nordwärts auf den Kaiserpalast und das dortige Suzaku-mon zu lief. Die Suzaku Oji war die westliche Parallelstraße der Mibu Oji, die heute noch unter nur leicht verändertem Namen (Mibu Dori) auf der Westseite des To-ji entlang läuft. Nur noch eine umgitterte Stele auf dem Sand eines Kinderspielplatzes erinnert an die Stelle, wo sich früher einmal das Rashomon befand. Die beiden Tempel flankierten das Tor nicht direkt, sondern ließen symmetrisch jeweils eine Insula Abstand zum Tor, beim To-ji also den Abstand zwischen Mibu Oji und Suzaku Oji, beim Sai-ji den Abstand zwischen Kogamon Oji und Suzaku Oji. Beide Tempel waren vermutlich völlig symmetrisch angelegt. Der Sai-ji ging im 13. Jh. verloren und ist im Stadtbild fast völlig verschwunden; an seiner Stelle gibt es nur noch einen kleinen Park, den Karahashi Saiji Park nördlich der Kyoto Shiritsu Karahashi-Grundschule; auf dem Parkgelände steht der Kentatsu Inari-Schrein. Ursprünglich waren diese beiden Tempel die einzigen, die innerhalb der Stadtmauern erlaubt waren, abgesehen von dem dritten, dem Shingon-in auf dem Gelände des Kaiserpalastes. Diese Sonderstellung verdankten die beiden Tempel ihrer Rolle als Schutztempel für die alte Hauptstadt. Der Hintergrund dieser Beschränkung war der Grund, warum Kaiser Kanmu überhaupt die Hauptstadt verlegt hatte: Er war die endlosen Ränke, politischen Intrigen und das Gegeneinander der verschiedenen Tempel und Schulen in Nara leid, deshalb verbot er den ganzen Mönchen von Nara, mit umzuziehen, und deshalb beschränkte er die Tempel innerhalb der Stadtmauern seiner neuen Hauptstadt.

Übrigens: In der vorherigen Hauptstadt Nara war das ganz ähnlich anlegt, mit zwei Tempeln im Westen und im Osten des Kaiserpalastes, aber in anderer Anordnung; dort hat man übrigens das Suzaku-mon wiederaufgebaut. Allerdings ist bei beiden Tempelnamen das Wörtchen "dai" = groß eingefügt worden: To-dai-ji und Sai-dai-ji; ersterer die Hauptattraktion der Stadt; die Spuren des letzteren sind neben dem Bahnhof Yamato-Saidaiji zu finden, näher am Kaiserpalast als ersterer. Die Gebäude des Saidai-ji sind aber im wesentlichen Edo-zeitlich.

Zurück zu Kyoto und seinem Wächter-Tempelpaar am Südtor: Der Tempel steht in Zusammenhang mit Kobo Daishi Kukai, der im Jahre 804 zusammen mit einer japanischen Gesandtschaft ins Tang-zeitliche China reiste und dort esoterischen Buddhismus, Kunst und Technik studierte. Im Jahr 816 gründete er den Koya-san als erste esoterische Gemeinschaft.

Kaiser Saga (786-842) gab 823 den Osttempel an den Mönch Kukai (774-835, postumer Name: Kobo Daichi), den Westtempel aber an den Mönch Shubin. Kukai brachte 50 Shingon-Mönche mit. Es ist die erste ausschließliche Inanspruchnahme eines Tempels durch nur eine einzige Schule in der japanischen Geschichte. Und den beiden Äbten, die sich übrigens nicht besonders gut verstanden, ging es wie den Tempeln: Ersterer wurde zum berühmten Gründer einer eigenen Schule, letzterer versank in Bedeutungslosigkeit, nachdem er 824 während einer Dürre gegen ersteren beim Gebet um Regen im Wettstreit verlor. Der To-ji, der unter Kukai wesentlich ausgebaut wurde, wurde vom Kaiserhaus (z. VB. Go-Uda und Go-Daigo), von den Shogunen (z. B. Ashikaga Takauji) und vom Adel gefördert und blieb als Zentrum des Shingon-Buddhismus bestehen, neben dem Koya-san. Kukai gründete 828 im To-ji die Shugeishuchi-in, eine allgemein zugängliche Schule, die erste ihrer Art in Japan. Sie bestand aber nur bis 847 und wurde unter Kukais Nachfolger, Jitsue (786-847), wieder geschlossen. Kukai wurde nach seinem Tod nicht begraben, sondern in ewiger Meditation mumifiziert auf seinem Tempelberg bestattet. Eine große Bronzestatue zeigt den Mönch mit großem kegelförmigem Hut, mit Rosenkranz und Pilgerstab auf dem Gelände des To-ji, nahe der Südmauer neben dem Schrein zu finden. Nach Jitsue folgten als oberste Leiter des To-ji nacheinander Shinzei (800-860), Shinga, Shuei (809-884), Shinnen (Shinzen, 804-891), Yakushin (827-906), Shobo (832-909) und Kangen (853-925). Der To-ji war lange Zeit der Haupttempel des Shingon-Buddhismus (esoterischer oder tantrischer Buddhismus), dessen Lehre ist, daß ein Glaubender noch zu seinen Lebzeiten durch entsprechende Disziplin und durch entsprechende Vorbereitung Erleuchtung und Buddhaschaft erlangen kann. Die Daishi Shinko-Bewegung förderte den To-ji. Heute ist der To-mitsu (To-ji-Zweig) eine eigene Unterschule des Shingon-Buddhismus (Shingon-shu). Das hier verehrte Hauptbild ist Yakushi Nyorai, der Buddha der Heilung (Medizin-Buddha).

Ein alternativer Name des To-ji ist Kyo-o Gokoku-ji. Das bedeutet soviel wie "ein das Land beschützender Tempel des Königs", wobei Kyo-o (Kyou-ou) ein im Auftrag des Königs erbautes Gebäude bezeichnet, und das Wort Gokoku, uns von den Gokoku-Schreinen vertraut, die Assoziation zum Beschützen des Landes herstellt, und -ji den Tempel bezeichnet.

Der To-ji ist Bestandteil einer Pilgerroute, des Kyoto Ju-san Butsu, "die 13 Buddhas in Kyoto". Auf dieser Route werden insgesamt 13 Gottheiten des Shingon-Buddhismus besucht, in jedem Tempel eine andere, Buddhas und Bodhisattvas. Dainichi Nyorai wird hier im To-ji besucht, der zwölften Station der Route. Der Chishaku-in ist die erste Station dieser Pilgerroute; dort wird Fudo Myo-o besucht. Nach dem Chishaku-in geht es zum Seiryo-ji in Arashiyama, wo ein Shaka Nyorai verehrt wird. Danach werden Verehrungsstätten für Monju Bosatsu im Reiun-in, für Fugen Bosatsu im Daikomyo-ji, für Jizo Bosatsu im Daizen-ji, für Miroku Bosatsu im Sennyu-ji, für Yakushi Nyorai im Inabayakushi-ji (Byodo-ji), für Kannon Bosatsu im Senbon Shakado (Daiho onji), für Seishi Bosatsu im Ninna-ji, für Amida Nyorai im Hokongo-in und für Ashuku Nyorai im Hokan-ji (Yasaka-Pagode) besucht. Nach dem To-ji und seinem Dainichi Nyorai endet die Route am Horin-ji in Arashiyama mit dem Kokuzo Bosatsu.


Struktur der Anlage und Beschreibung
Die Tempelanlage ist quasi nach Idealplan aufgebaut: Rechteckiger Grundriß, nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet, mauerumgürtet, mit Wassergräben außen herum, von denen zwei erhalten sind; und alle wichtigen Gebäude sind entlang einer Süd-Nord-Achse aufgereiht. In einer Reihe stehen das südliche Tor Nan-dai-mon, die aufeinanderfolgenden freistehenden Hallen Kon-do, Ko-do und Jiki-do, das Tor Hoku-dai-mon und ganz im Norden das Tor Hokuso-mon. Seitlich stehen wichtige Gebäude wie die Pagode, das innerhalb eines eigenen Wassergrabenquadrates stehende Schatzhaus, mehrere Schutzschreine, die Hallen Bishamon-do, Mie-do und Dainichi-do sowie die Subtempel. Das Rechteck des Tempels hatte auf der West- und auf der Ostseite je zwei Tore, auf der Nord- und auf der Südseite je ein Haupttor, dazu symmetrisch zwei Nebentore. Die Anlage folgt dem Idealplan Shichido garan, dem Sieben-Bauten-Konzept einer Tempelanlage, bestehend aus Haupthalle, Lehrhalle, Pagode, Sutren-Speicher, Refektorium, Glockenturm und Mönchsquartier, wobei sich nur die ersten fünf erhalten haben und die letzten zwei nicht mehr vorhanden sind. Auch wenn viele Gebäude Edo-zeitlich sind, folgt das Layout der Anlage immer noch dem alten, Heian-zeitlichen Schema.

Bei der Beschreibung gehen wir zunächst entlang der Hauptachse von Süden nach Norden, dann im Uhrzeigersinn entlang der anderen Bauwerke an den Rändern. Das Nan-dai-mon (wichtiges Kulturgut) sieht Momoyama-zeitlich aus und ähnelt dem Nan-dai-mon des Sanjusangendo. Beides trifft im Prinzip zu, denn das alte Momoyama-zeitliche Westtor des Sanjusangendo wurde 1895 benutzt, um hier während der Meiji-Zeit das große Südtor zu rekonstruieren. Vom Typ her ist es ein achtbeiniges Tor, mit je vier Säulen innerhalb und außerhalb jenseits der Mittellinie mit den Torflügeln. Es besitzt ein ziegelgedecktes Satteldach. Ein alternativer Name ist Minami-mon oder Minami-dai-mon. Wie eine kleine Verbindung über den Wassergraben weiter westlich zeigt, gab es in der Südmauer früher symmetrisch noch zwei kleinere Tore, heute nur jeweils ein Mauerdurchlaß ohne Torbau, mit durchgehendem Mauerdach. Beim rechten Tor gibt es keine Brücke über den Wassergraben.

Der zweistöckige Kon-do (Nationalschatz) ist Momoyama-zeitlich und stammt aus dem Jahr 1603. Diese Haupthalle ist das größte Gebäude des To-ji und die architektonisch und künstlerisch wertvollste Bausubstanz. Der Vorgängerbau aus dem 8. Jh., Teil der baulichen Erstausstattung des Tempels, war 1486 im Tsuchi ikki vernichtet worden, einem Bauernaufstand der Muromachi-Zeit. Besonders interessant am Kon-do ist die Dachkonstruktion, weil hier ein doppeltes Dach übereinander im Irimoya-Stil (Wayo-Stil) mit dem Tenjiku-Stil kombiniert wird. Tenjiku-Stil bedeutet "indischer" Stil, und dieser Stil zeichnet sich durch Größe einerseits und durch aufwendige Verklammerungen mit Balken und Blöcken unter den Dachsparren aus, insbesondere durch die Lust an der Multiplizität einzelner Bauelemente. Auf der Südseite ist der mittlere Teil des unteren Daches nach oben versetzt.

Im Innern des Kon-do stehen drei vergoldete Statuen. Alle drei sind als wichtige Kulturgüter eingestuft. Die 2,90 m hohe Figur im Zentrum ist eine hölzerne Statue des Yakushi Nyorai (Buddha der Heilung, Medizin-Buddha). Mit seinem Mitgefühl und seiner Barmherzigkeit heilt dieser Buddha die Krankheiten an Körper und Seele der Menschen; deshalb wird er auch mit dem Medizintöpfchen in der Hand dargestellt. Die Aureole hinter der Hauptfigur ist mit insgesamt sieben kleinen Buddhas belegt; diese sind auch Abbilder des Yakushi Nyorai. Sie stehen für die verschiedenen Erscheinungsformen dieses Buddhas, die den Menschen erscheinen, um sie aus ihrem Leiden zu befreien. Unter dem Sitz des Buddha stehen 12 himmlische Generäle; sie beschützen den Buddha. Außerdem stehen sie für 12 Stunden des Tages und 12 der Nacht, für die 12 Monate des Jahres und die 12 Richtungen des chinesischen Tierkreises. Diese Zahl heißt, daß die Generäle alle Menschen, den Buddha und die Lehre unaufhörlich rund um die Uhr bewachen und beschützen. Die Figur stammt aus der Muromachi-Zeit und ersetzte eine Heian-zeitliche Figur, die im 15. Jh. beim Brand verloren ging. Rechts der Hauptfigur steht Nikko (Nikkou) Bosatsu, der Bodhisattva der Sonne. Linkerhand steht Gakko (Gakkou) Bosatsu, der Bodhisattva des Mondes. Als Boddhisattva ist es ihr Wesen, anstelle des eigenen Eingangs ins Nirwana zu den Menschen zu gehen und ihnen zu helfen, eine perfekte Ergänzung zum Medizin-Buddha. Beide sind Licht-Bodhisattvas, sie symbolisieren das Licht der Erleuchtung, das in die Dunkelheit des Leidens dringt. Insgesamt ergeben sich durch die Auswahl und Anordnung der Figuren ein Konzept der buddhistischen Kosmologie einerseits und ein eindringliches Konzept der Erlösung andererseits.

Der einstöckige Ko-do (wichtiges Kulturgut) ist Muromachi-zeitlich und stammt aus dem Jahr 1491. Im Gegensatz zu den anderen Gebäuden sind die Holzelemente zinnoberrot angestrichen. Diese Lehr- und Lesehalle steht ziemlich genau im Zentrum des To-ji. Auch hier war der 825/835 errichtete Vorgängerbau mehrfach zerstört worden, durch Taifune und Erdbeben und zuletzt 1486 beim Bauernaufstand, und jedesmal wiederaufgebaut worden. Die Konstruktion ist eine Mischtechnik aus japanischen und chinesischen Stilelementen.

Im Innern werden 21 wertvolle Statuen aufbewahrt, die hauptsächlich in Zusammenhang mit dem esoterischen Buddhismus stehen. Diese Gruppe ist eine der erstklassigsten und wertvollsten Sammlungen buddhistischer Statuen. Die Figuren sind wie ein dreidimensionales Mikkyo Mandala angeordnet. In der Mitte befindet sich eine 5er-Gruppe von Figuren, die alle als wichtige Kulturgüter eingestuft sind. Im Zentrum befindet sich die Figur des Dainichi Nyorai, umgeben von anderen Nyorai, Fukujoju Nyorai, Ashuka Nyorai, Amida Nyorai und Hosho Nyorai. Zusammen stellen sie die Formen Buddhas dar, die Erleuchtung erlangt haben (Tathagata). Rechts davon (also im Osten) ist eine zweite 5er-Gruppe von Figuren, die allesamt als Nationalschätze eingestuft sind und Bodhisattvas darstellen, Kongohara Bosatsu, Kongogyo Bosatsu, Kongosatta Bosatsu und 2x Kongoho Bosatsu. Links der Mittelgruppe (im Westen) sind weitere fünf Statuen, allesamt Nationalschätze, die die fünf Myo-o (Dharma-Könige) darstellen, in der Mitte Fudo Myo-o mit dem Schwert in der Hand, außen Daiitoku Myo-o auf dem Stier, Kongoyasha Myo-o, Gundari Myo-o und Gozanze Myo-o. Sie stammen aus der Zeit um 839. Beide Gruppen, sowohl die 5 Dharma-Könige als auch die 5 Bodhisattvas, waren zur damaligen Zeit neue Konzepte und wurden von Kukai aus dem Tang-zeitlichen China mitgebracht. Zu beiden Seiten dieser 15 Figuren stehen noch einmal je drei Figuren, das sind Tenbu, göttliche Wächter, die die Nyorai, Myo-o und Bodhisattvas beschützen. Links stehen Komoku-ten, Taishaku-ten auf einem weißen Elephanten und Zocho-ten, rechts stehen Tamon-ten, der vierköpfige und vierarmige Bon-ten, der auf vier Gänsen reitet, und Jikoku-ten. D. h. die vier äußeren Ecken werden von den vier Himmelskönigen eingenommen, die jeweils Taishaku-ten bzw. Bon-ten zwischen sich nehmen. Auch diese sechs Figuren sind als Nationalschätze klassifiziert.

Der Jiki-do ist die nördlichste Halle in der Hauptachse, etwas weiter von den beiden erstgenannten abgesetzt. Sie stammt aus der Showa-Zeit und wurde erst 1934 erbaut. Ursprünglich stand hier das Refektorium des Tempels. Dessen Gebäude brannten aber zweimal ab, und beim letzten Neubau entschied man sich für eine Kannon-Verehrungsstätte. Seine Bedeutung erfährt diese Halle durch die Lage auf dem Rakuyo-Kannon-Pilgerweg-Pilgerweg, der insgesamt 33 Kannon-Tempel in der Stadt Kyoto miteinander verbindet. Auf dieser Route ist der Jiki-do die 23. Station mit einer tausendarmigen Kannon (Senju Kannon) als Kultbild. Als die Figur 1961 restauriert wurde, fand man im Innern ein auf das Jahr 877 datiertes Plättchen. Daneben stehen Figuren eines Jizo-bosatsu und eines Bunju bosatsu. Alle drei Figuren sind Heian-zeitlich und als wichtige Kulturgüter eingestuft. Der Pilger-Weg führt vom Joko-ji im gleichen Stadtteil zum Jiki-do und von dort aus weiter zum Choen-ji im Stadtteil Shimogyo. Am Jiki-do erhält man die Goshuin, die Pilgerstempel. Das Sumigaki, also die in schwarzer Tinte geschriebenen Worte lauten "Kobo Daishi" und erinnern mit diesem postumen Namen an den Gründer Kukai. Zwischen Jiki-do und Ko-do steht asymmetrisch in Bezug auf die Hauptachse das moderne Ticketbüro mit angrenzendem überdachtem Rastplatz.

Dahinter gelangt man immer noch entlang der Hauptachse zum Hokudai-mon (wichtiges Kulturgut). Es stammt aus der frühen Kamakura-Zeit und ist damit eine der ältesten Strukturen des Tempels. Es wird auch Dai-kita-mon genannt, großes Nord-Tor. Wenn man vom Hokudai-mon auf der Hauptachse nach Norden geht bis zur Hachijo Dori, kommt man nach 240 m zum Hokuso-mon, das zwar als wichtiges Kulturgut klassifiziert ist, aber recht verloren inmitten moderner Bebauung steht. Es schließt den Tempelbezirk nach Norden ab und stammt aus der späten Kamakura-Periode.

Zurück zum Hauptbereich: Nun folgt die Beschreibung der außerhalb der Hauptachse befindlichen Strukturen. Sich an die westliche Umfassungsmauer des Gesamtareals anlehnend, befinden sich innerhalb eines eigenen ummauerten Rechtecks weitere Quartiere des Tempels. Es sind nicht die ehemaligen Abts- und Wohnquartiere, sondern neuere Strukturen. Insgesamt vier Tore führen in diesen Bereich: Von der Mibu Dori aus führt das große Renge-mon (Lotus-Tor) hinein, ein Nationalschatz. Es wurde in der Kamakura-Zeit erbaut. Dahinter liegt heute ein von Ogawa Jihei VII. (1860-1933) gestalteter Garten (Choshin-en = Garten des reinen Herzens) mit Teich, so daß das Renge-mon einen Besucher heute unerwartet auf verschlungene kleine Gartenpfade leiten würde. Von Osten her führt das schmucke Chokushi-mon, das Tor für die kaiserlichen Gesandten, in die Anlage. Es hat ein geschwungenes Dach im chinesischen Stil. Nördlich davon befinden sich zwei weitere, sukzessive kleiner und unbedeutend werdende Tore in der östlichen Begrenzungsmauer. Das südlichste Gebäude in diesem Areal ist der Shoshi-bo mit Irimoya-Dach, durch einen gedeckten Korridor an die nördlichen Gebäude angebunden. Dieses aus der Showa-Zeit stammende und 1934 erbaute Gebäude diente der kaiserlichen Familie bei ihren Tempelbesuchen als Unterkunft, fungierte also als Gosho, kaiserliches Palastgebäude. Nördlich davon befindet sich eine Empfangs- und Gästehalle (Kyaku-den). Bevor der Shoshi-bo erbaut wurde, endete der ummauerte Bereich so, daß das Renge-mon außerhalb mündete und den Besucher auf das Hauptareal leitete. Erst durch die Süderweiterung des ummauerten Bereiches und die Anlage des Gartens in den 1930er Jahren wurde das Renge-mon funktional nutzlos.

Weiter nördlich schließt sich direkt ein weiteres ummauertes Rechteck als weitere Binnenstruktur an. Zwei Tore auf der östlichen inneren Mauer geben Zugang zu dem Bereich; das nördlichere ist das To-mon (Ost-Tor). In der Südostecke steht der Bishamon-do, die Halle für die Gottheit Bishamonten (Vaisravana), aus der späten Edo-Zeit, 1823 erbaut. Nördlich davon, in der Mitte des Rechtecks, liegt die Halle Mie-do, ein Nationalschatz. Sie stammt aus der Nanboku-cho-Zeit (Zeit des nördlichen und südlichen Kaiserhofes) und wurde 1390 fertiggestellt. Die Halle wird auch Miei-do oder Daishi-do genannt. Gegenwärtig (2017) wird die Halle restauriert; sie wird voraussichtlich bis Dezember 2019 eingerüstet bleiben. Die Halle unterscheidet sich völlig von den anderen Bauten des Tempels, zum einen ist sie mit Zypressenrinde (Hinoki) gedeckt, zum andern ist sie im Residenz-Stil (Shinden-zukuri) erbaut worden. Der erste Bau an dieser Stelle war die Residenz von Kukai, dem Gründer des Shingon-Buddhismus. Diese erste Halle brannte 1379 ab. Der Daishido wurde schon 1380 neugebaut. Der elf Jahre später fertiggestellte Neubau mit Raido (Andachtshalle) enthält eine Statue von Kukai aus dem 13. Jh., ein Nationalschatz, die normalerweise nur während der Morgenandachten (6.00-7.30 Uhr) zu sehen ist, wenn der Statue rituell Opfergaben gebracht werden. Die Halle selbst ist immer am 21. eines Monats geöffnet. Nach Abschluß der Renovierungsarbeiten wird das wieder so sein. Weiterhin wird hier eine Figur des Fudo-Myo-o aufbewahrt.

Hier befand sich früher ein weiteres großes Tor in der Außenmauer, symmetrisch zum noch vorhandenen auf der Ostseite angelegt, das Westtor oder Nishi-mon. Heute ist hier nur ein Mauerdurchlaß unter durchgehendem Mauerdach ohne eigene Torbau-Struktur. Am nördlichen Ende des Bereiches steht die Halle Dainichi-do mit T-förmigem Grundriß, im Jahr 2000 erbaut. Sie birgt eine Statue des sitzenden Dainichi Nyorai (Vairocana oder Mahavairocana). Mit ihrer Nordseite grenzt die Halle an den nördlichen Wassergraben (Hasu-ike).

Geht man entlang der Nordseite nach Osten, kommt man zum Homotsu-kan, dem Museum, einem außergewöhnlich häßlichen Betongebäude, das eher an eine Fabrik als an ein Tempelgebäude erinnert. Hauptsache, es ist nach den Erfahrungen mit den Schatzhäusern in Blockhausbauweise feuerfest. Das 1963 erbaute Museum ist nur im Frühjahr (20.3.-25.5.) und im Herbst (20.9.-25.11.) geöffnet. Es liegt auch am nördlichen Wassergraben (Hasu-ike), links vom Nordtor, dem Hokudai-mon. Zwischen Hokudai-mon und Jiki-do befindet sich östlich der Hauptachse das Wasserbecken zum rituellen Reinigen von Händen und Mund.

Auf der anderen Seite der Hauptachse erschließt das Keiga-mon (wichtiges Kulturgut) die Tempelanlage von der Omiya Dori her; es liegt gegenüber der Einmündung der Toji Dori. Es wurde in der frühen Kamakura-Zeit erbaut und gehört zu den ältesten Gebäuden des To-ji. Dieses Tor benutzten die kaiserlichen Gesandten, weshalb es die Funktion eines äußeren Chokushi-mon hat (das eigentliche Chokushi-mon führt in den westlich abgemauerten inneren Bereich). Da es im ursprünglich symmetrisch angelegten Erschließungskonzept der Tempelanlage im Osten lag, nennt man es auch Higashi-mon, Osttor. Außen vor der Mauer ist ein kleiner moderner Polizeiposten angebaut. Die ganze Ostseite entlang zieht sich, ebenso wie im Süden und Westen, die starke Begrenzungsmauer um den Tempelbereich. Ein zweites Tor liegt weiter südlich in der Ostmauer zur Omiya-Dori, in Höhe des Gartenteiches, das ist das To-dai-mon oder Higashi-dai-mon, das große Osttor, das aber heute nicht mehr benutzt wird. Der südöstliche Bereich der Mauer ist aktuell (2017) zwecks Renovierung eingerüstet.

Das Schatzhaus (Hozo) ist als wichtiges Kulturgut klassifiziert und liegt innerhalb eines quadratischen, mit Lotus bewachsenen Wassergrabens mit Zugang von Westen. Es stammt noch aus der Heian-Zeit und ist das älteste Gebäude des ganzen To-ji. In der Regel kann es nicht besichtigt werden, und man kommt auch nicht auf die Insel drauf. Der Stil ist Blockbauweise aus horizontalen Stämmen (Azekura-Stil). Einst besaß der Tempel zwei solcher Schatzhäuser, die aber 1000 und 1127 brannten. Danach entstand dieses Schatzhaus für das, was die Brände überlebt hat. Heute befinden sich die Schätze im feuersicheren Betongebäude des Museums.

In der Südostecke des Tempelbezirks steht völlig frei auf einem Steinsockel die fünfstöckige Pagode (Goju no to, Gojuu no tou, Nationalschatz) von 54,80 m Höhe, die höchste hölzerne Pagode Japans. Und bis 1964, als der Kyoto Tower errichtet wurde und die Hochhäuser zu wuchern begannen, war diese Pagode das höchste Gebäude von Kyoto. Man kann sie schon von der Eisenbahn-Strecke aus sehen, wenn man mit ihr von Südwesten ankommt, so grüßt sie einen schon auf der rechten Seite, wenn man mit dem Haruka-Express vom Flughafen Kansai International anreist. Sie ist Edo-zeitlich und wurde 1644 in der gegenwärtigen Form errichtet. Die erste Pagode wurde bereits im 9. Jh. errichtet. Die erste, Heian-zeitliche Pagode aus dem Jahr 883 brannte 1055 ab. 1086 wurde sie neugebaut, sie brannte 1270 wieder ab. Im Laufe der Geschichte des Tempels ist die gegenwärtige Pagode die fünfte, nachdem alle Vorgänger durch Blitzschlag, Feuer oder Aufstand zerstört worden waren - aber keine durch Erdbeben, denn die Konstruktion mit den an der zentralen Säule (Shinbashira) wie Schachteln "aufgehängten" Etagen ist bei Schwingungen selbststabilisierend, denn jede Etage kann sich unabhängig von den anderen bewegen, so daß die Pagode bei Erdstößen zwar einen "Schlangentanz" aufführt, aber stehen bleibt. Alle Verbindungen werden ohne Nägel geschaffen, nur mit hölzernen Verbindungen. Möglich machte den Neubau eine finanzielle Zuwendung von Shogun Tokugawa Iemitsu, dem dritten Shogun der Edo-Zeit. Die Pagode ist normalerweise für den Publikumsverkehr geschlossen, bis auf besondere Anlässe. Im Erdgeschoß befinden sich rings um die zentrale tragende Säule vier Buddha-Darstellungen, jeder in eine andere Himmelsrichtung schauend. Wände und Säule sind mit buddhistischen Darstellungen bemalt, darunter Bilder der acht Gründungsväter des Shingon.


Subtempel und Schreine
Die Subtempel bilden eigene, mauerumschlossene Strukturen innerhalb des rechteckigen Gesamtkonzepts. Ein Quadrat in der Südwestecke bildet der Kanjo-in (To-ji Kanchi-in-Haus, Kancho-do), mit jeweils einem Tor in der nördlichen und östlichen Mauer (Nordtor = Kita-mon, Osttor = Higashi-mon), einem großen Haupt- und westlich davon einem kleineren Nebengebäude.  Die Haupthalle diente früher als Dojo für asketische Praktiken. Benannt ist sie nach einem Initiationsritus des esoterischen Buddhismus, der Kanjo genannt wird. Heute wird sie für buddhistische Zeremonien verwendet. Der Edo-zeitliche, 1634 erbaute Kanjo-in ist als wichtiges Kulturgut klassifiziert, ebenso sind es die beiden Kamakura-zeitlichen Tore im Osten und im Norden.

Wenn man der Hauptachse jenseits des nördlichen Wassergrabens folgt, kommt man noch vor der querenden Harikoji Dori zum östlich der Mittelache gelegenen Kanchi-in, zugänglich über je ein Tor in der westlichen (das Nishi-mon) und eines in der südlichen Umfassungsmauer (das Minami-mon). Das Miniami-mon wurde als Tor für die kaiserlichen Gesandten benutzt (Chokushi-mon). Besucher betreten den Subtempel durch das Nishi-mon. Dieser Subtempel (Tatchu) wurde durch den Mönch Goho (1306-1362) 1359 gegründet und auf Veranlassung des Kaisers Go-Uda erbaut. 1596 gingen die Gebäude bei einem Erdbeben kaputt. Die spät Momoyama-zeitliche, in ihrer gegenwärtigen Form aus dem Jahre 1605 stammende Halle Kyaku-den (Empfangshalle, Gästehalle) ist als Nationalschatz eingestuft. Sie ist mit Zypressenrinde (Hinoki) gedeckt. Die Halle wurde von Kita no Mandokoro (Toyotomi Yoshiko), der Ehefrau bzw. Witwe von Toyotomi Hideyoshi, finanziert. Daran schließt sich östlich die Haupthalle Hondo an. Südlich davon liegt der Garten Nehanroku (Choja)-no-niwa mit dem Schatzhaus Kongo-zo im Osten und den sechs Jizo-Steinen (Roku-jizo-son, mit Bezug zu den sechs Welten der Wiedergeburt) neben einem winzigen Schrein. Dieser Garten wurde 2017 aus Anlaß des 1200. Geburtstages der Shingon-Schule neu angelegt. Zwischen Hondo und Shoin liegt der Garten Shihoshomen-no-niwa. Im Shoin befinden sich Gemälde des modernen Malers Hamada Taisuke. Hinter dem Nishi-mon liegt die Halle Seikan-do (mit einer Figur des Kobo Daishi Kukai), weiter nördlich der Küchenbau (Kuri). Ganz im Norden befindet sich das Teehaus Fuusen-kan mit dem Garten Roji. Übrigens - der Kanchi-in spielt eine Rolle im Leben des berühmten Schwertkämpfers Miyamoto Musashi als Versteck nach seinem Ichijoji-Sagarimatsu-Duell gegen die Gruppe der Yoshioka. Der Schwertkämpfer hinterließ eine Tuschemalerei (Suiboku-ga), die im Tempel gezeigt wird. Zu den Schätzen des Kanchi-in gehören die fünf großen Kokuzo Bosatsu (Akasagarbha Bodhisattva) im Hondo, ein Import aus dem Tang-zeitlichen China, aus dessen Hauptstadt Chang'an, die 847 nach Japan gebracht wurden. Im Innern der Gebäude darf nicht photographiert werden, nur in Richtung auf die Gartenanlagen.

Südlich des mauerumschlossenen Kanchi-in steht jenseits des Wassergrabens noch ein Benten-do und nördlich des Wassergrabens ein Taigen-do. Der Benten-do ist Edo-zeitlich; in dieser Halle wird die Göttin Benzaiten verehrt, die im Hinduismus Saraswati entspricht. Im Taigen-do, der während der Showa-Zeit im Jahr 1929 erbaut wurde, wird die Beschützergottheit Daigensui Myo-o (Atavaka) verehrt. Jenseits der Harikoji Dori befinden sich noch der Hobodai-in, der Monju-in, beides sehr kleine Tempel, und der Isonokami-Schrein.

Zurück nach Süden: Zwischen dem Kanjo-in und dem Nan-dai-mon befindet sich an die Südmauer angelehnt der Shinto-Schrein Chinju Hachimangu. Er ist in seiner gegenwärtigen Form sehr neu und wurde erst 1992 neugebaut. Das verehrte Götterbild im Innern ist aber das älteste Japans, und es wird behauptet, es sei von Kukai selbst geschnitzt worden. Ein zweiter, kleinerer Shinto-Schrein befindet sich rechts der Hauptachse zwischen Nan-dai-mon und Pagode, das ist der Yashima-den-Schrein. Er ist für den lokalen Gott des Tempelgeländes, Jinushi-gami.


Nationalschätze und wichtige Kulturgüter
Fassen wir noch einmal zusammen, wie hochkarätig die im To-ji zu sehenden Bauwerke sind: Wir haben fünf Gebäude, die als Nationalschätze klassifiziert sind: Kon-do, fünfstöckige Pagode, Mie-do, Renge-mon und Kyaku-den des Kanchi-in. Dazu kommen noch die in den Gebäuden aufbewahrten Statuen und sonstige Kunstwerke (siehe Graphiken weiter oben). Im Ko-do sind insgesamt 16 Figuren als Nationalschätze klassifiziert, fünf Bodhisattvas, fünf Myo-o und sechs Tenbu, göttliche Wächter, die die Nyorai, Myoo und Bodhisattvas beschützen. Der Tempel besitzt weitere erlesene Kunstwerke, die nicht öffentlich ausgestellt werden, z. B. ein Heian-zeitliches Ryokai Mandala (Ryoukai mandara, paariges Mandala der zwei Welten) aus dem 9. Jh., auch dies ein Nationalschatz. Weiterhin besitzt der Tempel das Fushinjo, eine Sammlung von Briefen aus dem 9. Jh. auf Washi-Papier, die der Mönch Kukai an seinen Kollegen Saicho geschrieben hatte. Ebenso eingestuft ist die Statue des Gründers Kukai im Mie-do, derzeit wegen Restaurierung des Gebäudes nicht zu sehen.

Wie haben ferner zehn Gebäude, die als wichtiges Kulturgut eingestuft sind: Ko-do, Ho-zo, Nandai-mon, Hokudai-mon, Hokuso-mon, Keiga-mon, Higashi-dai-mon und Kanjo-in mit seinen beiden Toren. Dazu kommen noch die drei Statuen im Kon-do, der Yakushi Nyorai und die beiden ihn begleitenden Bodhsattvas Nikko Bosatsu und Gakko Bosatsu. Im Ko-do sind fünf Nyorai-Statuen als wichtige Kulturgüter eingestuft. Im Jiki-do sind die drei Figuren von Senju Kannon, Jizo-bosatsu und Bunju bosatsu als wichtige Kulturgüter eingestuft. Diese hochkarätige Substanz führte auch 1994 zur Nominierung als Weltkulturerbe der Unesco zusammen mit anderen Orten des historischen Kyoto.

Insgesamt besitzt der To-ji an musealen Schätzen ca. 20000 Objekte, die als Nationalschatz oder als wichtiges Kulturgut eingestuft sind, und mehr als 50000 Sutra-Exemplare. Zweimal im Jahr öffnet das tempeleigene Museum seine Pforten mit themenbezogenen Ausstellungen, die jeweils aber nur einen Bruchteil der Sammlungen präsentieren, dafür jedesmal neu zusammengestellt. Unter den Schätzen befinden sich u. a. ein Nara-zeitliches Rollbild der sieben Gründungsväter des Shingon, Heian-zeitliche Hängerollen der fünf verehrten Buddhas, ein Kamakura-zeitlicher Stellschirm mit zwölf Himmelskönigen von Takuma Shoga und Tang-zeitliche Ritualgeräte. Berühmt sind die Statuen im Obergeschoß, darunter eine Kannon-Figur und eine chinesische, Tang-zeitliche Statue des Gottes Tobatsu-bishamon-ten (Nationalschatz). Letztgenannte Figur stammt aus dem oberen Stockwerk des ehemaligen Südtores der Stadt Kyoto (Rashomon); sie kam aus China im Jahr 742 nach Heian-kyo. Seit 2015 wird das Toji Hyakugo Monjo, das Archiv des Tempels mit 24147 Aufzeichnungen aus der Zeit von 763 bis 1711, zum Weltdokumentenerbe der Unesco gerechnet.


Alter der Gebäude
Als nächstes können wir einmal die Bauwerke nach Alter klassifizieren, auch diese Betrachtung zeigt, wie hochkarätig das Ensemble mit historischer Architektur vom Feinsten bestückt ist: Aus der Heian-Zeit stammt das Schatzhaus (Hozo). Aus der Kamakura-Zeit stammen etliche Tore, im einzelnen das Hokudai-mon, das Hokuso-mon, das Renge-mon (Lotus-Tor, 1191), das Keiga-mon sowie die 2 Tore des Kanjo-in, das Kita-mon und das Higashi-mon. Aus der Nanboku-cho-Zeit stammt der Mie-do (1390), aus der Muromachi-Zeit der Ko-do (1491). Aus der Azuchi-Momoyama-Zeit stammen das Nan-dai-mon, der Kon-do (1603) und der Kyaku-den des Kanchi-in (1605). Die Edo-Zeit fügte den Kanjo-in (1634), die Pagode (Goju no to, 1644), den Benten-do und den Bishamon-do (1823) hinzu. Aus der Showa-Zeit stammen der Taigen-do (1929), der Jiki-do (1934), der Shoshi-bo (1934) und das Museum Homotsu-kan (1963). Die Heisei-Zeit bereicherte den Tempelkomplex um den Shinto-Schrein Chinju Hachimangu (1992) und den Dainichi-do (2000).


Mauern und Tore

Nan-dai-mon, von Südosten gesehen

Nan-dai-mon von Südwesten

Südmauer von Südwesten mit Pagode hinter den Bäumen

Chokushi-mon, dahinter Shoshi-bo

die beiden Tore nördlich des Chukushi-mon

Eingangstor zu einem ummauerten Bereich auf der Westseite, nördlich vom Chokushi-mon


Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf google maps:
https://www.google.de/maps/@34.9808069,135.747786,17.75z - https://www.google.de/maps/@34.9807778,135.7476951,389m/data=!3m1!1e3
eigene Webseite
http://www.toji.or.jp/ - Karte: http://www.toji.or.jp/guide.shtml - englische Seite: http://www.toji.or.jp/en/ - Plan: http://www.toji.or.jp/en/inside/index.html - Geschichte: http://www.toji.or.jp/en/about/index.html -
John H. Martin, Phyllis G. Martin: Kyoto - 29 Walks in Japan's Ancient Capital, 376 S., Verlag: Tuttle Pub. 2011, ISBN-10: 4805309180, ISBN-13: 978-4805309186, S. 132-137
John Dougill: Japan's World Heritage Sites - Unique Culture, Unique Nature, 192 S., Verlag: Tuttle Shokai Inc., 2014, ISBN-10: 4805312858, ISBN-13: 978-4805312858, S. 64-67
Handbook of the old Shrines and Temples and their Treasures, hrsg. vom Bureau of Religions, Department of Education, Tokyo, 1920, S. 68-72
auf Discover Kyoto:
https://www.discoverkyoto.com/places-go/toji/
auf Kyoto Station:
https://www.kyotostation.com/toji-temple-kobo-ichi-market/
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http://jpmanual.com/en/toji, Subtempel: http://jpmanual.com/en/kanchiin
auf Kyoto Project:
http://thekyotoproject.org/english/toji-temple/
auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/T%C5%8D-ji - https://en.wikipedia.org/wiki/T%C5%8D-ji
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https://www.japan-guide.com/e/e3919.html
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Weltkulturerbe von Kyoto:
http://www2.city.kyoto.lg.jp/bunshi/bunkazai/isan-c-e.htm
Tale of Genji:
http://www.taleofgenji.org/toji.html
Archive:
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http://kyoto.asanoxn.com/places/honganji_toji/toji.htm
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https://www.vivrelejapon.com/ville-kyoto/toji
auf Japanhoppers:
https://www.japanhoppers.com/en/kansai/kyoto/kanko/564/
auf Japantravel:
https://en.japantravel.com/kyoto/toji-temple-kyoto/6591
Besucher-Faltblatt des Tempels
monatlicher Flohmarkt am To-ji:
http://thekyotoproject.org/english/the-monthly-day-of-treasure-hunting/ - https://www.tsunagujapan.com/find-hidden-treasures-kyoto-s-to-ji-ennichi-kobosan-flea-market/
auf Sunstar:
http://www.sunstar.com.ph/davao/lifestyle/2017/07/27/kyoto-ji-temple-gateway-imperial-city-heiankyo-555149
auf Zipangguide:
http://www.zipangguide.com/travel/sight/kyoto/to_temple.html
auf Kyotofukoh:
https://kyotofukoh.jp/report161.html
Subtempel Kanchi-in auf Kyotofukoh:
https://kyotofukoh.jp/report611.html
Hobodai-in auf Kyotofukoh:
https://kyotofukoh.jp/report1607.html
Kyoto Jusan Butsu:
http://www.taleofgenji.org/kyoto_jusan_butsu_pilgrimage.html - https://en.wikipedia.org/wiki/Thirteen_Buddhist_Sites_of_Kyoto - https://en.wikipedia.org/wiki/Thirteen_Buddhas - http://kyoto.13butsu.org/ - https://www.jisyameguri.com/junrei/kyoto13/


To-ji (2): Kondo, Kodo und Jikido - To-ji (3): Pagode, Garten und Substrukturen

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