Bernhard Peter
Bhaktapur, Durbar Square (2):
Königspalast

Mittlerer (links im Bild) und rechter (östlicher) Teil des Königspalastes, der die Nordseite des Durbar Square bildet. Während der rechte Flügel dreistöckig ist und ganz klassische Newar-Architektur in schönster Gestaltung, ist der mittlere Flügel trotz typischer Schnitz-Details "modern" beeinflußt und besitzt nur zwei Stockwerke.

Abb. oben und unten: Details des mittleren Flügels

Diese Abbildung zeigt ebenso wie die nachfolgenden Bilder den rechten Flügel des Königspalastes, der von allen drei platzseitig wahrnehmbaren Teilen der schönste und am reichsten verzierte ist, ein Musterbeispiel und Meisterwerk der Newar-Baukunst. Der aus dem 15. Jh. stammende rechte Flügel, der unter König Yaksha Malla errichtet wurde, wird auch Palast der 55 Fenster (Pachpanna Jhyale Durbar) genannt wegen der durchgehenden Fenstergalerie im zweiten Obergeschoß. Ihm gegenüber steht auf dem Platz eine Säule mit der Figur des Königs Bhupatindra Malla, der im 17. Jh. den Palastkomplex umbauen ließ. Bis auf wenige Bauten wurde die ausgedehnte Palastanlage, die einmal 99 Höfe umfaßt haben soll, 1934 bei einem Erdbeben zerstört. Weitere Bauten fielen dem Erdbeben des Jahres 2015 zum Opfer. Der Palast der 55 Fenster (wenn man kleinere Öffnungen mitzählt, stimmt die Zahl sogar) ist eines der ältesten noch erhaltenen Baudenkmäler Nepals. 1934 wurden zwar die Ziegelmauern beschädigt; die Holzkonstruktion blieb jedoch intakt. Gott sei Dank steht dieses Bauwerk nach dem Erdbeben von 2015 noch aufrecht; das Äußere blieb komplett intakt. Im Inneren gab es jedoch Schäden.

rechts im Bild der Siddhi-Lakhsmi-Tempel im Shikara-Stil.

Auf diesem Bild sieht man alle drei platzseitig wahrnehmbaren Flügel des Königspalastes, ganz links ein traditioneller, dreistöckiger Flügel, dann ein zweistöckiger, weiß angestrichener modernerer Flügel und schließlich das dreistöckige Prunkstück rechts im Bild. An der ersten Nahtstelle befindet sich ein Löwentor, an der zweiten Nahtstelle das Goldene Tor.

Details der reich mit Schnitzereien verzierten Fenster des Königspalastes, rechter platzseitiger Flügel

Detail: Fenstergalerien des zweiten Obergeschosses.

Details des Löwentores

Details des Löwentores

Gesamtansicht des Löwentores. Zu beiden Seiten des eigentlichen Eingangs befinden sich Reliefs mit Hindu-Gottheiten. Daneben, etwas vorgezogen, stehen auf Podesten die Löwenstatuen. Sie sind zwar auch eindrucksvoll, erreichen aber nicht die künstlerische Qualität der Löwen von Basantapur Chowk.

Geschnitztes Fenster des linken Flügels

Detail der reich mit Schnitzereien verzierten Fenster des Königspalastes, linker platzseitiger Flügel

Detail der reich mit Schnitzereien verzierten Fenster des Königspalastes, linker platzseitiger Flügel

Detailausschnitte der reich mit Schnitzereien verzierten Fenster des Königspalastes, linker platzseitiger Flügel

Durch das Goldene Tor (Abb. oben links) zwischen mittlerem und rechtem Palastteil gelangt man ins Innere der Palastanlage und zu dem rückwärtig gelegenen Nag Pokhara und passiert auf dem Weg dahin weitere reichverzierte Eingänge mit vergoldeten Reliefs und steinernen Skulpturen (Abb. oben rechts).

Das Goldene Tor (Lu Dhowka) ist der Hauptzugang zum Palast. Von hier gelangt man in den Innenhof des Palastes der 55 Fenster. Es ist das wohl schönste und aufwendigst gearbeitete Tor Nepals. Über der Tür befindet sich im Bogenfeld (Torana) eine Darstellung von Garuda im Kampf mit den Schlangen, darunter die vierköpfige und zehnarmige Figur der Gottheit Taleju Bhawani, der Familiengottheit der Malla-Könige. Das Tor wurde unter König Bhupatindra Malla (regierte 1696-1722) begonnen und 1754 unter König Jaya Ranjit Malla fertiggestellt. Mit dem Tod von Jaya Ranjit Malla endete die Familiendynastie der Malla-Könige, und seine Regierungszeit blieb der danach nie wieder erreichte Höhepunkt der Newar-Architektur in Nepal.

Alle vorangegangen Bilder zeigen Details des Goldenen Tores des Königspalastes.

Alle vorangegangen Bilder zeigen Details diverser innerer Eingänge des Königspalastes. Die traditionell gekleideten Wächterfiguren zu beiden Seiten des Eingangs stammen aus Rajastan. Der älteste Teil des Königspalastes ist übrigens der 1553 erbaute Taleju-Tempel, einer der heiligsten Plätze von Bhaktapur, der nicht für Touristen zugänglich ist. Dieser Tempel wurde 2015 zwar beschädigt, aber nicht zerstört.

Abb. oben: Details der Schnitzereien am Königspalast von Bhaktapur: Mit Holzläden verschlossene Pforte des Erdgeschosses des rechten Flügels.

Abb. oben und unten: Details der Schnitzereien am Königspalast von Bhaktapur: schräggestellte Aufsätze über den Fenstern des ersten Obergeschosses des rechten Flügels.

Man beachte auch die geschnitzten Köpfe der Balken, die das leicht auskragende zweite Obergeschoß tragen

Geschnitztes Fenster des linken Flügels

Literatur, Links und Quellen:
Wolfgang Korn: The traditional architecture of the Kathmandu valley, Bibliotheca Himalayica, Series III, volume 11, Ratna Pustak Bhandar, Kathmandu, 1976/2007, ISBN: 978-99933-0-630-6.
Durbar Square:
https://en.wikipedia.org/wiki/Bhaktapur_Durbar_Square
Bhaktapur:
http://www.holidaynepal.com/kathmandu/about-bhaktapur.html

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