Bernhard Peter
Bhaktapur, Durbar Square (6):
Shiva-Tempel (Fasidega-Tempel):

Dieser dem Gott Shiva geweihte Tempel im Shikara-Stil, der Fasidega-Temple oder auch Silu Mahadev genannt wird, steht östlich des Königspalastes auf dem östlichen Teil des Durbar Square und ist zugleich der nördlichste Tempel des städtebaulichen Ensembles. Gemessen an den Dimensionen und der Ausdehnung der Sockelplattform ist der künstlerische Genuß relativ bescheiden. Der aus Backstein schmucklos geschichtete Sockel besitzt insgesamt fünf Ebenen. Drei davon tragen beiderseits der Treppe Podeste mit Wächterfigurenpaaren. Die Treppe ist aus Stein; Verzierungen gibt es an den Figurenpodesten. Die Shikara ist wenig strukturiert, unverziert und einfach weiß gestrichen.

Tierische Wächter begleiten beiderseits den Weg auf der Treppe nach oben: Unten Elefanten, in der Mitte Löwen und ganz oben Buckelrinder. Die Elefanten reißen mit ihren Rüsseln Pflanzen aus.

Relief am Figurenpodest: verknotete Schlangenhälse mit dem Amrita-Gefäß zwischen den Köpfen.

Das Paar geschmückter Löwen auf der zweiten Ebene

Stufenanlage von oben gesehen, Blick auf die Rücken von Löwen und, tiefer, Elefanten.

Löwe der Stufenanlage

Relief am Figurenpodest: verknotete Schlangenhälse mit dem Amrita-Gefäß zwischen den Köpfen.

Bei dem großen Erdbeben des Jahres 1934 wurde der Tempel zerstört und relativ einfach 1936 wiederaufgebaut, was ihm die Bezeichnung "häßlichster Tempel von Bhaktapur" einbrachte. Jetzt ist er noch nicht einmal mehr das: Bei dem verheerenden Erdbeben am 25.4.2015 ist der gesamte obere (weiße) Teil eingestürzt; die oberen Stufenanlagen wurden beschädigt. Vom dem Tempel blieb nur der Sockel mit Treppe übrig; die Figuren haben weitgehend überlebt. Sehen wir es trotz allem Unglück und aller Trauer um das 2015 verlorengegangene Kulturgut positiv: Jetzt kann er besser als 1936 wiederhergestellt werden.

Einzelnes Löwenpaar:

Südlich des Fasidega-Tempels und östlich des Siddhi-Lakshmi-Tempels steht ein einzelnes Paar Wächterlöwen auf ihren Podesten, die nichts mehr zu bewachen haben, zwischen sich ein Stück Treppe von fünf Stufen, die nirgendwo mehr hin führen. Die Löwen sind mit ihren gelockten Mähnen wahre Kunstwerke, doch ist der Kontext verlorengegangen: Sie gehörten einst zu einem Shiva-Tempel (Rameshvara-Tempel), der in traditionellem Stil errichtet war und beim Erdbeben von 1934 verlorenging; das Wächterlöwenpaar ist das einzige Überbleibsel. Nach einer Photographie des Jahres 1920 muß es ein Tempel im Newar-Stil mit drei Dächern übereinander gewesen sein. Der kleine rote Ziegeltempel dahinter, der Vatsala-Tempel, fiel beim Erdbeben von 2015 in sich zusammen.

Literatur, Links und Quellen:
Wolfgang Korn: The traditional architecture of the Kathmandu valley, Bibliotheca Himalayica, Series III, volume 11, Ratna Pustak Bhandar, Kathmandu, 1976/2007, ISBN: 978-99933-0-630-6.
Durbar Square:
https://en.wikipedia.org/wiki/Bhaktapur_Durbar_Square
Bhaktapur:
http://www.holidaynepal.com/kathmandu/about-bhaktapur.html

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© Urheberrecht an Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2017, Photos aus dem Jahr 2009
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