Bernhard Peter
Kyoto, Chion-in (1): Beschreibung und Sanmon


Lage und Erreichbarkeit
Der Chion-in ist ein Tempelkomplex im Stadtbezirk Higashiyama, nordöstlich des Maruyama-Parks gelegen, und eine der größten Tempelanlagen in der Stadt. Sein offizieller Name lautet "Kachozan Chionkyo-in Otani-dera". Im Norden grenzt er an den Shoren-in, im Süden an den Park und im Osten an den Hang des Hügels Kachoyama. Die Adresse lautet: 400 Rinka-cho, Higashiyama-ku, Kyoto-shi, Kyoto-fu 605-0062. Der Hauptzugang erfolgt von Westen durch das zweistöckige Tor an der Jingu-michi, auf das von der Hauptstraße Higashi Oji Dori die Seitenstraße Chion-in-michi gerade zuführt. Deren nördliche Parallelstraße Kacho-michi führt auf den kleineren Nordeingang zu. Zwischen Kacho-michi und Chion-in-michi liegen noch mehrere kleinere Tempel wie Jusho-in und Genko-in (Genkou-in). Am besten erreicht man den Chion-in vom Hauptbahnhof (Kyoto eki) aus mit der U-Bahn, Umsteigen in Karasuma Oike in die Tozai Line, Bahnhof Higashiyama, dann ein kurzer Fußweg in südöstlicher Richtung. Alternativ kann man ab Bahnhof den City Bus Nr. 206 nehmen, Haltestelle Chionin-mae. Ein viertelstündiger Fußmarsch ist es ab der Haltestelle Gion-Shijo bzw. Sanjo der Keihan Railway.

Der Tempel ist touristisches Kerngebiet, sowohl von der Lage im tempelreichsten Stadtteil Kyotos her als auch von der Qualität der Bauwerke. Und in diesem Tempel ist alles besonders groß und beeindruckend dimensioniert: Tor, Hallen, Glocke, Treppenanlagen. Insgesamt besteht die Anlage aus 106 Gebäuden. Jeder, der die Tour durch die Tempel entlang der "Ostberge" (Higashi-yama) macht, kommt früher oder später hier vorbei, und das berechtigterweise. Entsprechend groß ist das Interesse der Besucher, und die großen Busparkplätze zeigen deutlich, was hier los sein kann. Aktuell ist der Andrang gemildert, weil die zentrale Haupthalle (Miei-do oder Goei-do) bis 2020 renoviert wird und dafür komplett eingehaust ist in einer weithin sichtbaren Schutzhalle. Die Gärten, Nebengebäude und rückwärtigen Strukturen sind aber weiterhin zugänglich und höchst sehenswert. Da sich die meisten Touristen aber aufgrund des "Ausfalles" der Haupthalle den Besuch gänzlich versagen, ist es in den verbleibenden Bereichen bis zum Abschluß der Arbeiten ruhig und angenehm.


Geschichte und Bedeutung
Der 1175 in der Heian-Zeit gegründete Chion-in steht mit Honen (1133-1212) in Zusammenhang, dem Gründer der Jodo-Shu (Joudou-Shuu), einer Schule des Amida-Buddhismus. Die im selben Jahr wie der Tempel entstandene Jodo-Schule bildet zusammen mit der 1117 entstandenen Yuzu-Nenbutsu-Schule, der 1224 von Shinran gegründeten Jodo-Shinshu-Schule und der 1274 entstandenen Ji-Schule eine der Hauptgruppen des japanischen Buddhismus, die Jodo-Gruppe. Neben dieser werden noch die Schulen der Nara-Gruppe, der esoterischen Gruppe (Tendai und Shingon), die diversen Zen-Schulen und des Nichiren-Buddhismus unterschieden. Honen lehrte hier in diesem Tempel, den Namen Amida zu skandieren, um Erlösung zu erlangen, und genau hier hat der Gründer, der ursprünglich aus der Tendai-Schule und dem Enryaku-ji kam, seine letzten Lebensjahre verbracht, und hier ist er gestorben. Seit 1523 ist der Chion-in der oberste Tempel der Jodo-Schule. Es gab zwar eine Auseinandersetzung, welcher Tempel das Oberhaupt sei, das wurde aber 1575 von Kaiser Ogimachi (1517-1593) zugunsten des Chion-in entschieden. Sähe der Gründer Japan heute, könnte er auf ein Netzwerk von mittlerweile insgesamt 7000 Tempeln der Schule blicken. Jodo-shu und Jodo-Shin-shu sind sich sehr ähnlich. Beide pflegen den Amida-Buddhismus und die rituelle Anrufung des Namens Amida. Sie wurden im Abstand von nur 49 Jahren gegründet. Auch ihre jeweiligen Gründer hängen eng zusammen, denn Shinran, der Gründer der Jodo-Shin-shu, war der Schüler von Honen, dem Gründer der Jodo-shu, so daß erste als Zweig des letzteren begann und sich dann verselbständigte. In der Jodo-shu steht die Rezitation des Namens im Vordergrund, die gesprochene Anrufung in hoher Anzahl, die Bitte um Hilfe, das Bewußtsein, durch möglichst frequente Wiederholung Amidas Paradies näher zu kommen; bei der Jodo-Shin-shu hingegen der mentale Zustand des Vertrauens in Amida, der absolute Glaube, die entweder gesprochene oder auch stille ("natürliche") Anrufung (Anzahl irrelevant), die dankbare Wahrnehmung von Amidas Licht.

Das Jahr 1175 ist zwar das Gründungsjahr, doch die Anfänge waren bescheiden. Eigentlich gab es am Anfang nur die Eremitenhütte des Gründers, die Yoshimizu-Hütte. Dann entstand ein kleiner Tempel an der Stelle der jetzigen riesigen Anlage, wo der Gründer zusammen mit seinen ersten Schülern lebte. 1204 hatte er bereits 190 Schüler. Die Kampfmönche des Enryaku-ji zerstörten diesen ersten Tempel im Jahr 1227; geringste Differenzen reichten aus, um von diesen tyrannischen Zeitgenossen plattgemacht zu werden. Sie hatten dem Gründer nicht verziehen, daß er einst aus ihren eigenen Reihen kam. Im Jahr 1234 wurde der Tempel unter Honens Schüler Seikanbo Genchi (1183-1238) neugebaut, zunächst als Mausoleum für den Gründer, mit dem Namen Kachozan Chionkyo-in Otani-dera. Es war Kaiser Shijo, der ihm den Namen Chion-in gab. Genchi wurde der zweite Abt des Tempels. Eine weitere Zerstörung erfolgte im Onin-Krieg.

Dazu steht dieser Tempel Chion-in in engem Zusammenhang mit der Familie Tokugawa. Vertreter dieser in der Edo-Zeit herrschenden Clans machten den Tempel durch ihre stete Förderung groß und mächtig, spendeten reichlich und ließen die besten Handwerker der Zeit Arbeiten ausführen. Das begann mit dem ersten Shogun der Edo-Zeit, Tokugawa Ieyasu, der selbst ein Anhänger der Jodo-shu war. Er erhöhte die Einnahmen des Tempels auf 700 Koku; der Kaiser legte mit seiner Familie noch was drauf und erhöhte auf 1040 Koku jährlich - von einem Koku konnte man normalerweise eine Familie ernähren, ein ganzes Jahr lang. Die Größe der Bauwerke war zugleich eine Selbstdarstellung des Spenders und ein Ausdruck der Überlegenheit der Schule. Eine Rolle hat dabei sicher auch die Lage des Tempels an den ansteigenden Hängen der Ostberge (Higashi-yama) gespielt, denn von hier aus konnte man gut auf den im Westen nahen Kaiserpalast blicken und beobachten, was sich dort ereignet. Daß die Tokugawa-Shogune und das Kaiserhaus nicht wirklich enge Freunde waren, ergibt sich aus der Geschichte. Mit der Wahl dieses Tempels hatten die Shogune stets vorzügliche Sicht auf die Vorgänge bei Hofe, auch das mag eine Rolle bei der Förderung des Tempels und seinem Ausbau ab 1608 gespielt haben. Dennoch war das Kaiserhaus insofern involviert, als lange Zeit kaiserliche Prinzen als Äbte eingesetzt wurden. Es wurden drei Terrassen angelegt für die Tempelgebäude, Jo-dan, Chu-dan und Ge-dan, obere, mittlere und untere Ebene. 1633 gab es ein Großfeuer, dem sehr viele Gebäude zum Opfer fielen, die danach wiederaufgebaut wurden. Erhalten blieben Sanmon, Kyozo, Amida-do und Seishi-do. Die meisten Gebäude wurden 1641 unter Tokugawa Iemitsu, dem dritten Shogun, fertiggestellt, so daß das heutige Erscheinungsbild von der Architektur dieser Zeit geprägt ist. Deswegen finden wir auch mehrfach das Wappen des Tokugawa-Clans, die drei Aoi-Blätter im Dreipaß, zum ersten Mal schon an der hölzernen Kiste vor dem großen Sanmon an der Südwestecke. Die Tücher, die vor Toren und Eingängen aufgehängt werden, tragen ebenfalls dieses Wappen. Weiterhin ist das Mon an den Stirnseiten der Dachziegel vieler Gebäude zu sehen.


Struktur des Gesamtensembles und Tore
Der Tempel wird von der Westseite her erschlossen. Ein erstes Tor, das Shinmon, ist weit im Westen zu finden; es ist am Beginn der Straße Chion-in-michi kurz vor der Einmündung in die Higashi Oji Dori zu sehen. Es hat die Struktur eines Korai-mon mit einem Satteldach quer über die Straße und zwei kleinen Satteldächern senkrecht dazu auf der Innenseite über den Anschlägen der Torflügel. Dazu schließen sich an das große Tor rechts und links zwei niedrigere und schmalere Fußgängerpförtchen an. Dieses Tor steht so weit abseits inmitten moderner Bebauung, daß es kaum als Bestandteil des Tempels wahrgenommen wird. Früher war das Areal einfach größer, und die Großstadt ist dem Tempel immer mehr auf die Pelle gerückt, so daß heute das erste Tor wie ein verlorener Außenposten wirkt.

Das zweite Tor ist das etwas erhöht freistehende Sanmon, eines der großartigsten und größten Tempeltore der Stadt und eines der drei größten Tore in ganz Japan (die beiden anderen sind im Nanzen-ji in Kyoto und am Kuon-ji in Minobu (Präfektur Yamanashi) zu finden. Alle drei sind großartig, doch von den Abmessungen her ist das des Chion-in das größte der drei. Es ist 24 m hoch und ca. 39 m breit (Ausdehnung des Daches, mit den Seitenflügeln sogar 54 m). Das Erdgeschoß mißt ohne Dachüberstand 26,70 m auf 12,30 m. Von der Konstruktion her ist es ein Niju-mon, ein zweistöckiges oder doppeltes Tor, das sich von einem Romon durch ein echtes zweites Stockwerk und ein "unteres" Dach unterscheidet. Die tragenden Pfosten stehen in drei Reihen; die jeweils doppelten Torflügel sind an der mittleren Reihe angebracht, so daß beiderseits der eigentlich trennenden Ebene große, halboffene Räume von ca. 15 m Breite und über 6 m Tiefe bestehen. Die beiden Dächer sind mit insgesamt 70000 Ziegeln gedeckt. Diese Dimensionen stimmen den Besucher ein auf die anderen Superlative des Tempels. Tokugawa Hidetada, der zweite Shogun der Edo-Zeit, ließ dieses insgesamt fünf Interkolumnien breite Sanmon mit drei Durchgängen und mit zwei Seitenbauten, von denen aus Treppen ins Obergeschoß führen, bis 1621 errichten. Das Obergeschoß, in dem einige Buddhastatuen (Buddha Shakyamuni, flankiert links von Zenzai-doji und rechts von Suda-choja, und 16 seiner Schüler, Rakan, je acht auf jeder Seite, hergestellt vom Künstler Koyu) aufbewahrt werden, kann man manchmal besteigen und besichtigen. Decken, Säulen und Balken sind in leuchtenden Farben bemalt mit himmlischen Jungfrauen (Apsara) und Drachen inmitten von Wolken. Der Name San-mon ist eine Kurzform, die vom buddhistischen Konzept des "San-gedatsu-mon" abgeleitet ist, die "drei Tore der Erleuchtung". Um Erleuchtung zu erlangen, muß man nämlich drei spirituelle Tore passieren, das Kugedatsumon (Kuu-gedatsu-mon) oder kurz Ku-mon (Kuu-mon), das Muso-gedatsu-mon (Musou-gedatsu-mon) oder kurz Muso-mon (Musou-mon) und schließlich das Mugan-gedatsu-mon oder kurz Musamon. Auf der Westseite (Frontseite) ist unter dem oberen Dach eine rechteckige, 1,5 m x 2,4 m messende Tafel mit der Kalligraphie "Kachozan" angebracht, das ist der Berg-Name des Tempels ("Blumen-Gipfel-Berg"). Die Kalligraphie stammt von Kaiser Reigan. Das Tor wurde 1989 restauriert. Hinter dem Sanmon führt eine Treppenanlage auf den erhöhten Standort der anderen Tempelgebäude, den man nach ca. 70 m erreicht. Dieser steile Treppenaufgang wird Otoko-zaka genannt; wörtlich "Steigung der Männer". Entsprechend gibt es im Chion-in auch südlich davon einen Auf- bzw. Abgang namens Onna-zaka, "Steigung der Frauen", mit entsprechend flacheren Stufen, aber weiterem Weg. Beide münden auf der Hauptebene des Tempels. Oben empfängt den Besucher zunächst das Wasserbecken zur rituellen Reinigung, rechterhand ist ein Souvenir- und Devotionalienladen, linkerhand ein Kassenhäuschen, und hier gibt es auch Goshuin für Sammler von Pilgerstempeln.

Im Norden des Sanmon befindet sich ein weiterer Zugang, wobei das dortige, in die Außenmauer integrierte Kuromon (wörtlich: schwarzes Tor) wesentlich schlichter als das Sanmon ist. Südlich vom Kuromon liegt ein Subtempel, der über ein eigenes Tor zugänglich ist, das ist der Sotai-in. Zurück zum Kuromon: Die auf das Tempelplateau hochführende Treppenanlage erinnert in ihrer mehrfach abknickenden Wegführung, dem erhöhten Weg auf der Mauerkrone auf der Außenseite und mit den geböschten Steinmauern eher an einen Burgzugang als an einen Tempelzugang. Wählt man diesen Nordwestzugang, durchschreitet man noch zwei weitere kleine Tore, ehe man zur Haupthalle gelangt, zuerst das Kita-mon, das Nordtor, dann das Shikyaku-mon. Zwischen den beiden genannten Toren, aber näher an letzterem, führt auf der Ostseite des Weges das Buke-mon in den inneren Bereich des Tempels, zum Shue-do, zum Hojo und zum Hojo-Garten.

Genauso wie das Sanmon ein weiter westlich gelegenes Außentor (das Shinmon) besitzt, so hat auch das nördliche Kuromon ein weiter westlich gelegenes Außentor, das Furumon am westlichen Ende der Straße Kacho-michi, kurz bevor die Straße den kleinen Kanal überquert und dann in die Higashi Oji Dori mündet. Dieses Tor hat eine große Öffnung in der Mitte und zwei Fußgängerpforten zu beiden Seiten, entsprechend ein großes Satteldach und zwei tiefer angesetzte Seitendächer in gleicher Fluchtlinie.

Ein weiteres Tor befindet sich im Süden, am Ende der Jingu-michi und am Eingang zum Maruyama-Park, das ist das Minami-mon. Der Mittelteil mit dem erhöhten Dach und dem großen Durchgang wird flankiert von zwei kleinen, bedachten Mauerstücken mit jeweils einem an das Mittelstück gerückten Fußgängerdurchschlupf. In der Nähe der Nordseite der Haupthalle Miei-do (Goei-do) ist noch das Karamon mit geschwungener Dachlinie zu finden. Dieses Prunktor war für kaiserliche Boten reserviert. Insgesamt haben wir also neun nennenswerte Tore, von denen das Furumon und das Shinmon abseits im Westen stehen, das Kuromon und das Sanmon rechts der Straße Jingu-michi und das Minami-mon an deren südlichem Ende, und die Tore Karamon, Kitamon, Bukemon und Shikyakumon im inneren Bereich zu finden sind. Davon ist das Sanmon als Nationalschatz klassifiziert, während das Karamon als wichtiges Kulturgut gilt.


Rundgang: mittlere Ebene
Das Prunkstück des Chion-in ist die Halle Miei-do (auch: Mie-do), erbaut im Jahre 1639 durch Tokugawa Iemitsu, den dritten Shogun der Edo-Zeit. Sie heißt so, weil in ihr das Miei, das heilige Bild, und zwar des Gründers aufbewahrt und verehrt wird, eine Figur des Priesters Honen. Ihre Funktion ist einer Haupthalle, Hondo. Sie dominiert den ganzen südlichen Bereich und den freien Platz der Anlage und wird nach dem Aufstieg vom Sanmon als erstes erreicht. Die riesige, einstöckige, ca. 35 m x 45 m bzw. 9 x 11 Interkolumnien messende Halle mit Irimoya-Dach faßt bis zu 2000 Personen. Die Größe der Halle kann man auch in der klassischen Flächeneinheit von Tatami-Matten angeben: 825 Matten würde man zum vollständigen Auslegen benötigen. Sie ist knapp 29 m hoch. Der gesamte Bau wird von einer drei Meter breiten Veranda umgeben. Die Architektur ist im Detail noch ganz geprägt vom gestalterischen Reichtum der Momoyama-Zeit. Seit 2012 ist die herausragend schöne Halle unter einer riesigen Verkleidung verschwunden zwecks kompletter Restaurierung und wird vor 2020 nicht zu sehen sein. Die zu den anderen Gebäuden führenden erhöhten Korridore sind mit Uguisu-bari belegt, Nachtigallen-Parkett oder Zwitscher-Parkett, also bei jedem Schritt quietschenden Dielenbrettern. Insgesamt gibt es in diesem Tempel 550 Meter Korridore, die als eines der "Sieben Wunder des Chion-in" gezählt werden. Vor dem Mieido steht der Kemuri-Kaburi, ein riesiger Behälter für Räucherstäbchen. Links herum führt der Weg zum Hojo und zum Hojo-Garten, rechts herum zu den weiteren Gebäuden am Hang.

Die nächstgrößere bauliche Einheit des südlichen, offenen Bereiches ist die Amida-Halle (Amida-do); sie liegt linkerhand im Westen der Haupthalle und ist mit dieser durch einen erhöhten, ca. 50 m langen und einmal abknickenden Korridor verbunden. Die Halle selbst ist ca. 27 m breit und ca. 25 m tief. Hier wird als Kultbild Amida Nyorai verehrt, in Form einer 2,70 m hohen Figur. Die zweistöckige Halle ist schön, aber jung - sie ist eine Meiji-zeitliche Rekonstruktion aus dem Jahre 1910. Die erste Halle Amida-do wurde von Genchi erbaut, dem zweiten Abt des Chion-in, und sie stand vor dem Seishi-do (s. u.).  Im Jahre 1710 wurde sie an den jetzigen Standort versetzt. Aufgrund von Baufälligkeit wurde sie 1910 abgerissen und ersetzt; Anlaß war die 700ste Wiederkehr des Todesjahres des Gründers Honen im Jahr 1912. Die auf der Frontseite angebrachte kalligraphische Tafel trägt den Namen "Otani-dera", ein alter Name des Tempels, bevor er Chion-in genannt wurde. Der Schriftzug stammt von Kaiser Go-Nara (1526-1557). Die Tafel hing bereits am Vorgängerbau und wurde für den Neubau übernommen. Der Besucher betritt die Halle von Osten und betet nach Westen, mit Blick auf Amidas Westliches Paradies. Hier finden heute alle möglichen Zeremonien von Ordinationen bis hin zu buddhistischen Hochzeiten statt. Genau südlich der Amida-Halle, etwas zugebaut von Kassenhäuschen und kleineren Gebäuden, eine zweistöckige Pagode (Rei-to) mit zinnoberrot gestrichener Holzkonstruktion. Vom Typ her ist es eine Taho-to. Innen befindet sich eine Amida-Statue. Ein unterirdischer Gang verbindet die Pagode mit dem Amida-do. Eine kleine Halle, die nur aus einer erhöhten, ringsum offenen Plattform mit Irimoya-Dach besteht, nennt sich Makuzu-an und dient als Tee-Haus. Einmal monatlich wird hier eine Teezusammenkunft abgehalten. Das Gebäude namens Taihei-tei (Friedenshalle) befindet sich gegenüber dem Miei-do am oberen Ende der zur mittleren Ebene hochführenden Treppenanlage, ein Betongebäude aus dem Jahr 1958, das als Café und Devotionalienverkaufsraum genutzt wird.

Nahe der Südostecke der Haupthalle steht der zweistöckige Kyozo, der Sutrenspeicher mit Pyramidendach. Das als wichtiges Kulturgut klassifizierte Gebäude, das im Innern eine komplette, aus der Zeit der Song-Dynastie stammende Sammlung der 5600 Bände der buddhistischen Schriften, ein Geschenk des Shoguns Tokugawa Hidetada, in einer achteckigen, drehbaren Struktur (Issai-kyo) enthält, ist Edo-zeitlich und wurde 1621 erbaut, also im gleichen Jahr wie das Sanmon. Stilistisch ist es genauso wie beim Miei-do eine Mischung aus japanischen und chinesischen Stilelementen. Innen ist die Halle an Decke und Wänden im Stil der Kano-Schule ausgemalt; aber der Kyozo kann innen nicht besichtigt werden. Auf einer rechteckigen Steinplattform nördlich des Kyozo mit einem Zaun aus Steinen steht die von zwei Steinlaternen flankierte Shakyo-to, eine Steinpagode, in der eine von Hand kopierte Sutra aufbewahrt wird.

Zwei weitere, zweistöckige Gebäude im südlichen Bereich der Anlage besitzen eine ähnliche Funktion, die eines Beinhauses: Im Südosten der Haupthalle steht jenseits eines kleinen Teiches, über den diagonal der Zugangsweg führt, die 1930 erbaute, kleinere Halle Nokotsu-do (altes Beinhaus), malerisch inmitten der Bäume am Ende einer Treppe. Südlich der Haupthalle steht die 1992 errichtete Halle Hobutsu-den (neues Beinhaus); ein größeres Gebäude von rechteckigem Grundriß mit auf der Längsseite mittig vorgezogenen unteren Dach.

Ganz im Südosten, zwischen Nokotsu-do im Norden und Friedhof im Süden, befindet sich der 1678 erbaute und als wichtiges Kulturgut eingestufte große Glockenturm (Dai-shoro). Dieser Edo-zeitliche Glockenturm besitzt eine der drei größten Glocken Japans - die beiden anderen Riesenglocken hängen im Todai-ji in Nara und im Hoko-ji, ebenfalls in Kyoto. Angeblich soll die aus dem 17. Jh. stammende, 3,3 m hohe Glocke (O-Gane, O = Honorativpräfix, Kane = Glocke, wird zu Gane) mit einem Durchmesser von 2,7 m 74 t wiegen. Sie wurde 1636 während der Amtszeit von Oyo Reigan gegossen, des 32sten Abtes. Der Glockenturm entstand während der Amtszeit von Genyo Manmu, dem 38sten Abt. Am Tag vor Neujahr (O-misoke) wird die Glocke jeweils 108 mal angeschlagen (Joya-no-kane); dabei ziehen 17 Mönche (1 Leiter, 16 Assistenten) an den Seilen des Balkens. Beginn der Veranstaltung ist ca. 22:45 Uhr. Außerdem wird sie im April während des Gyoki Dai-e (auch: Gyoki-e) angeschlagen, einer Feier zum Gedenken an den Gründer Honen.


Rundgang: obere Ebenen
Im Osten der Haupthalle trennt eine Quermauer den im Norden gelegenen Teil mit Hojo und Hojo-Garten von dem öffentlicheren Bereich im Süden ab. Genau hier führt eine lange, beiderseits von bedachten Mauern gesäumte Steintreppe gerade in östlicher Richtung den Berg hinauf und führt auf die nächsthöhere Ebene des Tempelkomplexes. Nach Norden zweigt der Weg ab zum Seishi-do. Etwa an dieser Stelle stand die Meditationsklause des Gründers Honen. Über dem Eingang hängt eine kalligraphische Tafel mit dem Namen "Chion-kyo-in", geschrieben von Kaiser Go-Nara. Es handelt sich um einen alten Namen des Tempels, der dann zu Chion-in abgekürzt wurde. Diese Halle ist das älteste Gebäude des Chion-in und wurde während der Muromachi-Zeit im Jahr 1530 als Kaisan-do, Gründerhalle, errichtet. Das Irimoya-Dach ruht auf 21 m langen Längsbalken und 20 m langen Querbalken. Damals hatte es die Funktion einer Haupthalle, als die tiefer gelegenen Hallen noch nicht erbaut waren. Nachdem der Miei-do erbaut worden war, wanderte das bisher hier aufgestellte Miei 1638 von hier nach unten in den Neubau. Statt dessen steht nun hier ein Bildnis des Bodhisattvas Seishi (Sanskrit: Mahasthamaprapta). Die beiden wurden verknüpft, indem man glaubte, Seishi sei die ursprüngliche Form von Honen gewesen, was diesen aufwertet. Deshalb wird die Halle auch Honji-do genannt, Halle der ursprünglichen Form (Honji-shin). Der Seishi-do ist als wichtiges Kulturgut klassifiziert, und die Figur des Seishi ebenfalls. Hinter dem Seishi-do stehen nach Norden zu in Reihe noch zwei weitere Gebäude, erst ein Wirtschafts- und Küchenbau (Kuri), dann der Santei (mit dem Santei-Garten). In diesem Gebäude, das früher woanders stand, lebte einst der Nachwuchs des Kaisers Reigen (1654-1732). Das Gebäude wurde dem Tempel Chion-in zum Geschenk gemacht und hier wieder aufgebaut. Im Garten steht eine steinerne Buddha-Triade. Anschließend gelangt man zu einem Friedhofsbereich. In nördlicher Richtung kommt man zum Grab der Prinzessin Sen. Wenn man noch weiter nach Norden geht, gelangt man zum Nuregami-Schrein (einem Shinto-Gott der Vermählung gewidmet). Vor dem Seishi-do befindet sich rechterhand auf der Hangseite noch eine kleine Quelle, die Shiun-sui genannt wird (shi = violett, un = Wolke, sui = Quelle -> Quelle der violetten Wolke).

Wenn man vor dem Seishi-do nach Osten über eine mehrfach abknickende Treppenanlage noch ein Stück weiter den Berg hochgeht, kommt man zum an der höchsten Stelle des Tempelbezirks gelegenen Mausoleum (Gobyo) für den Gründer Honen. Diesem Gobyo vorgelagert ist eine Andachtshalle (Haiden), die in der Edo-Zeit im Jahr 1710 errichtet wurde. Diese Halle ist ein erhöhter Durchgangsraum mit Ein- und Ausgang in der Fluchtlinie des dahinter liegenden, sechs Meter im Quadrat messenden Gobyo, der bereits 1613 errichtet wurde und nicht für Besucher zugänglich ist. Dennoch kann man gut die opulente Bauweise des Momoyama-Stils mit zahlreichen Schnitzereien in den Feldern unter dem Dachansatz genießen, darunter Vogel Hoo und Blauglockenbaum, Nachtigall und Pflaumenbaum, Pfau und Päonien, Drache und Wolke sowie Kirin (Fabelwesen der chinesischen Mythologie). Der Bau des Gobyo wurde finanziert von Matsudaira Izu-no-kami, Herr der Burg Tsuchiura in der damaligen Provinz Hitachi (heute Präfektur Ibaraki). Vor dem Mausoleum stehen zwei riesige Bronzelaternen. Der Haiden ist mit zahlreichen runden Strohkissen ausgelegt, neben denen jeweils ein Holzfisch auf einem Kissen liegt, bereit für die gemeinsame Andacht der Mönche. Aufgrund der exponierten Lage hat man von hier oben einen guten Blick auf die Stadt Kyoto.

Wenn man zurück zur großen Treppe geht, führt ein weiteres Tor nach Süden zu einer zusammenhängenden Gebäudegruppe mit angrenzendem Friedhofsbereich. Es sind keine besonders wertvollen oder alten Gebäude, schön ist aber die ruhige und naturnahe Stimmung in diesem touristenfreien Bereich des Chion-in. Dieser Bereich ist ein Subtempel und heißt Isshin-in.


Rundgang: innerer Bereich
Bei der Beschreibung wenden wir uns nun dem inneren Bereich des Chion-in zu, den wir entweder definieren als den Bereich östlich des nördlichen Zugangsweges und jenseits des Tores Buke-mon einerseits und nördlich von Haupthalle und großer Treppe andererseits, oder ganz banal als den Bereich, der (außer dem Sanmon) Eintritt kostet. Auch in diesem Bereich gibt es bis zum Abschluß der Renovierungsarbeiten nur eingeschränkte Besichtigungsmöglichkeiten. Im wesentlichen sind das fünf durch Galeriegänge zusammenhängende Gebäude: Im Westen befindet sich hinter dem Buke-mon nördlich der O-Kuri, der große Küchen- und Wirtschaftstrakt, der auch Sekko-den genannt wird. Vor dem Gebäude steht der Eingangsbau Shin-Genkan mit geschweiftem Vordach. Etwas dahinter liegt der Sho-Kuri, der auch Gekko-den genannt wird. Südlich davon, direkt hinter dem Buke-mon, befindet sich die Halle Shue-do (Versammlungshalle), nördlich parallel zur Haupthalle. Auch diese 1635 erbaute Halle hat mit einer Fläche von 742 m2 eine gigantische Größe (deswegen wird sie 1000-Tatami-Halle genannt, es sind aber nur 450). Wegen dieser Dimensionen wurde die Halle 1872 für die Great Kyoto Exhibition als Ausstellungsraum verwendet, obwohl erwähnt werden sollte, daß diese "Entweihung" Teil des systematischen antibuddhistischen Programms der Meiji-Zeit war. Die zentrale Figur ist ein bronzener Buddha Amida, flankiert von Seishi und Kannon. Alle drei Figuren sind Heian-zeitlich und stammen vom Künstler Eshin Sozu (942-1010). Ein zweiter Altar trägt noch eine weitere, diesmal hölzerne Amida-Figur mit Monju. Ein 60 m langer Korridor verbindet den Shue-do mit der Haupthalle. Normalerweise dient die Halle als Trainingsraum für die Mönche. Im Shue-do findet derzeit die tägliche Zusammenkunft der Mönche zur Predigt statt, solange die Haupthalle renoviert wird. Deshalb fungiert das Gebäude auch für die paar Jahre als Honen shonin Mido (Hounen shounin Midou), d. h. das Kultbild der Haupthalle Miei-do wird so lange hier aufbewahrt und verehrt, bis deren Renovierung abgeschlossen sein wird. Die vor dem Eingang aufgehängten Tücher tragen das Tokugawa-Wappensymbol.

Im Osten des inneren Bereiches liegen die beiden Hojo-Gebäude, im Süden der Dai-Hojo, die große Abtsresidenz. Sie ist ein Beispiel des Baustils Shoin-zukuri. Was hier vereinfachend Abtsresidenz genannt wird, war in Wirklichkeit ein vielseitiger Wohn- und Repräsentationskomplex, in dem die Mönche lebten, mit Wohnräumen, Arbeitsräumen und Prunkräumen zum Empfang von Gästen. In diesen Räumen fand praktisch alles statt außer Kochen, Essen, öffentlichen Zeremonien und Gemeinschaftsandacht. Ursprünglich wurde das Gebäude sogar als Audienzhalle des hier oft weilenden Shoguns benutzt. Die Räume sind sehr sehenswert: In der Mitte liegt der Kranich-Raum (Tsuru-no-ma) von 54 Tatami-Matten Größe, der von Kano Naonobu (1607-1650) ausgemalt wurde. Der Raum ist auch als Butsu-no-ma bekannt, weil er einen Alkoven mit einer stehenden Amida-Figur hat. Weitere der insgesamt 10 Räume sind der Jodan-no-ma, Chudan-no-ma und Gedan-no-ma (oberer, mittlerer und unterer Raum) und der Kiefern-Raum (Matsu-no-ma), der von Kano Sadanobu (1596-1622) ausgemalt wurde. Innen gibt es ein paar berühmte Gemälde, z. B. die Katzendarstellung Sanpo-shomen Mamuki-no-neko (die Katze = neko, die in drei = san Richtungen schaut), gemalt von Kano Nobumasa, oder die ebenfalls von ihm naturalistisch im Flug gemalten "weggeflogenen Sperlinge", Nuke-suzume, im Raum Kiku-no-ma (Chrysanthemenraum). Sie sollen so natürlich gemalt worden sein, daß sie auf einmal weggeflogen seien, so die Legende hinter den hellbraunen Flecken. Ansonsten dominiert im Dai-Hojo Malerei der Kano-Schule auf Goldgrund auf den Fusuma, ausgeführt von den Künstlern Tsunenobu, Nobumasa und Koi. Der erste Raum an der Nordostecke des Gebäudes heißt Ura-jodan-no-ma, der "Raum hinter dem oberen Raum", in dem ein neu investierter Abt, der von 1619 bis in die 1870er Jahre ein kaiserlicher Prinz war, die Tonsur erhielt. Seine Wanddekoration ist geprägt von Kiefern auf Goldgrund. Weiterhin gibt es den Reiher-Raum (Sagi-no-ma), den Weidenraum (Yanagi-no-ma) und den Pflaumenbaum-Raum (Ume-no-ma), wobei die letzten beiden Räume von Kano Sadonobu dekoriert worden sind.

Nördlich davon, mit einem kleinen Gang mit dem Dai-Hojo verbunden, steht der Sho-Hojo oder Ko-Hojo, die ebenfalls im Baustil Shoin-zukuri errichtete kleine Abtsresidenz mit insgesamt sechs Räumen (Rante-no-ma, Kacho-no-ma, Rakan-no-ma mit einer Darstellung der Schüler des historischen Buddhas, Doppelraum Jodan-no-ma mit der Funktion eine Audienzzimmers, Sansui-no-ma mit schneebedeckten Landschaften als Dekoration). Hier lebte einst der Shogun bei seinen Tempel-Besuchen. Hier ist die Wanddekoration als Tuschemalerei ausgeführt. Im Gebäude wird der Dai-Shakushi (O-Shakushi) aufbewahrt, 2,50 m lang, 30 kg schwer, ein riesiger hölzerner Reislöffel (einer der sogenannten sieben Wunder des Chion-in, nach welchen Gesichtspunkten auch immer die jemand ausgewählt hat). Beide Wohnquartiere sind derzeit (2017) für den Publikumsverkehr geschlossen. Sowohl Dai-Hojo als auch Sho-Hojo sind mit Hinoki, Zypressenrinde gedeckt. Entlang dieser beiden Gebäude zieht sich der Hojo-Garten entlang, im Süden begrenzt von einer hohen Mauer, im Osten von dem steil ansteigenden Hang. Im Zentrum zwischen den genannten vier Gebäuden befindet sich der Ko-Guri (Sho-Kuri). An der Nordostecke des Komplexes, also noch hinter der kleinen Abtsresidenz, zudem abgetrennt durch eine Mauer mit Tor, stehen der Kian und etwas abgesetzt und über eine große Treppe zu erreichen die 1974 erbaute Halle Gongen-do, in der sich Erinnerungstafeln für Tokugawa Ieyasu (1543-1616), Tokugawa Hidetada (1579-1632) und Tokugawa Iemitsu (1604-1651) befinden, also der ersten drei Shogune der Edo-Zeit. Von all diesen genannten Gebäuden sind Shue-do (1635 erbaut), O-Kuri (1641 erbaut), Sho-Kuri (1641 erbaut), O-Hojo (1641 erbaut) und Sho-Hojo als wichtige Kulturgüter klassifiziert.


Nationalschätze Japans und wichtige Kulturgüter
Rufen wir uns noch einmal in Erinnerung, wo die ältesten und wertvollsten Gebäude zu finden sind: Als Nationalschatz klassifiziert sind das zweistöckige Tor Sanmon und die Haupthalle Miei-do. Als wichtige Kulturgüter klassifiziert sind das Tor Karamon, der Glockenturm Dai-shoro, der Sutrenspeicher Kyozo, die höher gelegene Halle Seishi-do, und im inneren Bereich die Gebäude Shue-do, O-Kuri, Sho-Kuri, O-Hojo und Sho-Hojo. Zu den Nationalschätzen gerechnet werden ebenfalls einige im Tempel aufbewahrte Schriftstücke, darunter die aus dem 6. Jh. stammende Sutra "Bosatsu Shotai kyo" chinesischer Herkunft, die ebenfalls chinesische, aus der Tang-Zeit stammende Sutra "Dairotan kyo" und die aus der Heian-Zeit stammende Erläuterung "Jogu Shotoku hootei setsu". Mehrere der Tempelschätze sind als wichtige Kulturgüter klassifiziert, darunter eine farbig illustrierte Lebensgeschichte von Honen ("Shihon choiro Honen jonin e-den").


Alter der Gebäude
Vom Alter her stammt das älteste Gebäude aus der Muromachi-Zeit, das ist die 1530 erbaute Halle Seishi-do. Aus der Edo-Zeit stammen die meisten historischen Gebäude, beginnend mit dem Gobyo aus dem Jahr 1613, dem Sanmon und dem Kyozo, beide 1621 erbaut. Dann folgten der Shue-do 1635 und der Miei-do 1639. Der komplette innere Bereich, bestehend aus Karamon, O-Kuri, Sho-Kuri, O-Hojo und Sho-Hojo, entstand im Jahr 1641. Im Jahr 1678 folgte der Daishoro, und den Nachzügler unter den Edo-zeitlichen Gebäuden bildet der 1710 erbaute Haiden vor dem Gobyo. Aus der Meiji-Zeit stammt der 1910 erbaute Amida-do 1910. Die südlich gelegene Pagode stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Aus der Showa-Zeit stammen der Nokotsu-do von 1930 und der Gongen-do aus dem Jahr 1974. Aus der Heisei-Zeit stammt der 1992 erbaute Hobutsu-den.


Zwei sehenswerte Gartenanlagen
Der Hojo-Garten (Hojo-Teien) stammt aus dem 17. Jh. und wurde 1641 von So-Gyokuen angelegt und bezieht die Bewaldung der die Rückseite bildenden Berghänge geschickt mit ein. Vom Typ her ist der Garten ein Chisen-kaiyushiki-Garten, also ein um einen Teich herum angelegter Garten. Gebäudenah liegen großzügig dimensionierte und Weite schaffende, sauber geharkte Kiesflächen. Am diesseitigen Ufer des Teiches Shinji-ike dominieren die Moosflächen mit Solitären darin. Dann schweift das Auge durch die stets wechselnden Blicklücken über den Teich zum jenseitigen, dicht bewaldeten Ufer mit Steinlaternen. Rundwege schaffen stets wechselnde Perspektiven in dem trotz des beengten Platzangebotes sehr vielseitig gestalteten Garten. An Gebäuden gibt es im Garten das Teehaus Aoi-an und nördlich jenseits einer Mauer mit Tor die Halle Tokugawa Gongendo. Im Hojo-Garten gibt es den Jichin-seki, einen besonderen Stein (= seki), auf dem Jichin, der oberste Priester der Tendai-Schule, angeblich bevorzugt zur Zen-Meditation gesessen haben soll. Weiterhin wird der Bussoku-seki gezeigt und verehrt, ein Stein, in den Buddhas Fußabdrücke eingehauen sind. Der Rundweg ist so angelegt, daß der Besucher zunächst an den beiden Hojo-Gebäuden entlang geht, dann wieder bis zur Südostecke des Dai-Hojo zurückgeht, dort den Teich auf einer Brücke überquert und anschließend den Berghang hoch geht zum Santei-Garten, um dann von dort über die große Treppe wieder auf den Platz um die Haupthalle zu gelangen.

Der in der Neuzeit auf leicht ansteigendem Gelände angelegte Yuzen-Garten (Yuuzen'en) hat seinen Eingang südlich neben dem Sanmon, besteht aus verschiedenen Szenerien und hat einen Teichgarten, dessen Teich von einer Quelle der Higashiyama-Hänge gespeist wird, und einen Felsengarten (Karesansui-Stil). Der Garten wurde 1954 komplett neu angelegt zur Erinnerung an den 300sten Geburtstag von Miyazaki Yuzen, den Erfinder einer bestimmten nach ihm benannten Färbemethode für Stoffdrucke, bei der man vor dem Färbebad Reispaste auf die Stellen auftrug, die hell bleiben sollen (eine Art Reservefärbung). Mehrere Teehäuser sind in den Garten integriert, darunter das Karoku-an, das im Stil eines Urasenke-Teehauses erbaut wurde, und das Hakuju-an, das zur Erinnerung an den 99. Geburtstag von Nakamura Koryu (Kouryuu) gebaut wurde, den 86sten Abt des Chion-in. Wer den Garten besuchen möchte, sollte im Tempel gleich ein Kombi-Ticket lösen.


Sanmon von Westen

Sanmon von Südwesten

Sanmon, Erdgeschoß

Sanmon, Erdgeschoß

Sanmon, Erdgeschoß

Sanmon, Seitenbau mit Treppenaufgang

Sanmon von Südosten


Literatur, Links und Quellen
Lokalisierung auf google maps: https://www.google.de/maps/@35.0054076,135.7833412,18.5z - https://www.google.de/maps/@35.0054076,135.7833412,310m/data=!3m1!1e3
eigene Webseite:
http://www.chion-in.or.jp/ - http://www.chion-in.or.jp/index.php - englisch: http://www.chion-in.or.jp/e/ - Gebäudeübersicht: http://www.chion-in.or.jp/e/place_to_see/index.html - http://www.chion-in.or.jp/e/place_to_see/buildings1.html - http://www.chion-in.or.jp/e/place_to_see/buildings2.html - http://www.chion-in.or.jp/e/place_to_see/buildings3.html - Gärten: http://www.chion-in.or.jp/e/place_to_see/gardens.html - sieben Wunder: http://www.chion-in.or.jp/e/place_to_see/seven.html
John H. Martin, Phyllis G. Martin: Kyoto - 29 Walks in Japan's Ancient Capital, 376 S., Verlag: Tuttle Pub. 2011, ISBN-10: 4805309180, ISBN-13: 978-4805309186, S. 46-53
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https://www.kanpai.fr/kyoto/chion-in
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auf Ikidane-Nippon:
http://ikidane-nippon.com/en/interest/chion-in
Panorama-Aufnahmen:
http://www.kyotojournal.org/about-tomas-svab-and-chion-in/
Neujahr am Chion-in, auf Japan-Kyoto:
https://japan-kyoto.de/neujahr-201112-gerangel-im-tempel-chionin-und-im-yasaka-und-fushimi-inari-schrein/ mit Videos
Besucher-Faltblatt des Tempels
Übersicht über die buddhistischen Schulen Japans:
http://jpmanual.com/wp-content/uploads/2016/10/sect-of-buddhism-02-en.pdf
Sangedatsumon:
http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/s/sangedatsumon.htm
Honen:
https://de.wikipedia.org/wiki/H%C5%8Dnen - https://en.wikipedia.org/wiki/H%C5%8Dnen
Honen, auf der Seite des Kyoto National Museums:
http://www.kyohaku.go.jp/eng/dictio/kaiga/hounen.html
Alfred Bloom: Honen
https://web.archive.org/web/20040813105554/http://www.shindharmanet.com/writings/honen.htm
Honen, auf der Seite der Jodo-shu:
http://www.jodo.org/about_hs/ho_life.html
auf Kyotofukoh:
https://kyotofukoh.jp/report167.html
Sotai-in auf Kyotofukoh:
https://kyotofukoh.jp/report185.html
Isshin-in auf Kyotofukoh:
https://kyotofukoh.jp/report1377.html


Chion-in (2): Kyozo, Seishido, Gobyo - Chion-in (3): Dai-Shoro, Amida-do, Hojo - Chion-in (4): Hojo-Garten - Chion-in (5): Yuzen-Garten

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