Bernhard Peter
Osaka: Shitenno-ji, Beschreibung


Lage und Erreichbarkeit, Touristisches
Der Tempel Shitenno-ji (Shitennou-ji) liegt in der Stadt Osaka, ca. 4 km südlich der Burganlage. Das Stadtviertel ist nach ihm Tenno-ji-ku benannt. Mit allem Drum und Dran mißt das zwischen Hauptverkehrsstraßen eingespannte Tempelgelände 366 m in Nord-Süd und 360 m in West-Ost-Richtung, jeweils an der Stelle größter Ausdehnung. Das Kernstück, das innere Heiligtum, mißt ca. 120 x 80 m. Die Haupteingänge liegen im Süden, im Westen (2x) und im Osten des Geländes, jeweils mit einem Torbau; dazu gibt es im Süden und im Nordwesten jeweils noch einen Nebeneingang, und ein weiterer schmaler Nebenzugang erfolgt im Norden über das Friedhofsgelände.

Zu erreichen ist der Shitenno-ji am besten über den JR-Bahnhof Tennoji, der 670 m südlich des südlichen Haupteingangs liegt. Dieser Bahnhof ist ein wichtiger Knotenpunkt und wird von mehreren Linien angesteuert, der Osaka Loop Line, der Yamatoji Line, der Hanwa Line, der Midosuji Line, der Tanimachi Line, auch der Haruka Express zum Kansai-Flughafen hält hier, ebenso der Kuroshio. Von der Burg Osaka kann man entweder die Tanimachi Line im Westen nehmen oder die Loop Linie im Osten. Die Bus Linie 62 fährt direkt an der Südwestecke der Burg ab und hält direkt am Shitenno-ji. Wer mit dem Shinkansen nach Osaka fährt, steigt in der Regel in Shin Osaka aus, von dort nimmt man den Haruka Express oder den Kuroshio nach Tennoji, die brauchen jeweils ca. 1/2 h für die Strecke. Die Midosuji Line fährt die kürzere Strecke, braucht aber länger. Vom Bahnhof Osaka aus kann man die Tanimachi Line nehmen, am Bahnhof Higashi-Umeda zu- und am Bahnhof Shitennoji-mae Yuhigaoka im Nordwesten der Tempelanlage aussteigen.

Das Tempelgelände kann frei durchstreift werden, der innere Garan kostet 300 Yen Eintritt, das Museum (Homotsukan) 500 Yen und das Abtsquartier mit dem Gokurakujodo-Garten im Nordosten 300 Yen. Abgesehen von diesen drei kostenpflichtigen Bereichen kann man nach Belieben frei auf dem Gelände herumlaufen. Der Tempel illustriert sehr gut das typische Layout der frühen Entstehungszeit, doch alle Gebäude des inneren Heiligtums sind neuzeitliche Rekonstruktionen, weder die Dimensionen noch die exakte Lage stimmen mit dem Original überein, weil der Tempel verkleinert aufgebaut wurde. Abgesehen von den Museumsbeständen sieht man im Herz der Anlage keine wirklichen Altertümer. Nur im äußeren Tempelbezirk gibt es Gebäude aus der Zeit vor 1945, und darunter befinden sich einige wichtige Kulturgüter. Wer im modernen Osaka alte Gebäude sucht, wird hier einige wenige finden. Wer einfach nur mal ein Tempel-Garan aus der Frühzeit sehen will, bekommt ein verkleinertes begehbares Modell aus Beton (sorry, ist aber so). Wer richtig alte Tempelanlagen woanders gesehen hat, wird enttäuscht sein. Insbesondere wer in Ikaruga den Horyu-ji besucht hat, weiß, um wie viel besser und beeindruckender Originale aus der Zeit sind und welche Augenweide uraltes Holz ist. Dennoch ist der Tenno-ji eine sehenswerte Rekonstruktion, die die Erinnerung an einen der ältesten und wichtigsten Tempel der japanischen Geschichte lebendig hält. Es ist die Geschichte, die Tradition, nicht das Alter der Gebäude, was den Tempel besuchenswert macht.

Am 14. Januar findet im Tempel das Doya-doya-Fest statt, bei dem Teams Jugendlicher in der Halle Rokuji-reisan-do (nördlich der Bühne) darum wetteifern, möglichst viele papierene Glückstalismane zu ergattern, die von der Decke regnen. Am 21.-22. eines jeden Monats findet auf dem Tempelgelände ein Flohmarkt mit ca. 300 Ständen statt, mit Gebrauchtwaren aller Art, Antiquitäten, Plunder und Freßständen.


Geschichte und Bedeutung
Der Shitenno-ji ist einer der ältesten Tempel Japans. Seine Gründung wird auf das Jahr 593 in der Asuka-Zeit datiert und Prinz Shotoku zugeschrieben. Dieser Prinz ist eine Schlüsselfigur bei der Verbreitung des Buddhismus in Japan, so daß wir mit der Tradition dieses Tempels ganz nah an den Wurzeln des japanischen Buddhismus sind, denn der Buddhismus erreichte Japan im 6. Jh., gut ein Jahrtausend nach seiner Entstehung in Indien. Erst Ende des 6. Jh. wurden erste buddhistische Gebäude errichtet, eine von den Sogas erbaute Pagode war der Anfang des Buddhismus in Japan. Der wichtigste Tempel dieser Zeit war der 588-596 errichtete Asuka-dera in der damaligen Hauptstadt Asuka. Kaiser Bidatsu schwankte noch in religiöser Hinsicht, und Kaiser Yomei, der nur zwei Jahre regierte, unterschied beide Religionen dadurch, daß er der angestammten Religion den Namen Shinto oder Kami-no-michi (Weg der Götter) gab. Prinz Shotoku, zweiter Sohn von Yomei, war es vor allem, der den Buddhismus in Japan festigte und sich als Anhänger und Verfechter der neuen Religion hervortat. Der erste von ihm gegründete Tempel war der Tenno-ji in Osaka. Als Regent wurde Shotoku der größte Förderer des Buddhismus in Japan, und mit ihm begann die Glanzzeit der japanischen Tempelbaukunst.

Richtungsweisend für die Architektur der nachfolgenden Tempel war der nach koreanischem Vorbild erbaute Asuka-dera. Ausgrabungen belegen, daß ein rechteckiger Umgang mit Tor auf der Südseite die Pagode und drei Hallen umschloß, während Glockenturm, Sutrenspeicher und Lehrhalle im Norden außerhalb des Umgangs lagen. Es herrschte strenge Symmetrie in Bezug auf die Nord-Süd-Achse, eine Reihung der wichtigsten Bauwerke in dieser Achse, und eine gewisse Monumentalität und künstlerische Schönheit der geordnet positionierten, nach Süden ausgerichteten Einzelgebäude gaben der Anlage eine beeindruckende Gesamtwirkung. Auch wenn das Layout des Asuka-dera nie in dieser Form exakt kopiert wurde, standen die Anordnungsprinzipien Modell für nachfolgende Anlagen. Bis auf die Anordnung der Gebäude im Hof erkennen wir dieses Modell auch Shitenno-ji wieder. Im Shitenno-ji standen Pagode und Haupthalle hintereinander. Dieses grundlegende, geordnete Layout in sich geschlossener Anlagen wird Kudara-Plan genannt, wobei Kudara das japanische Wort für das koreanische Königreich Paekche ist. Kudara-Plan ist also das Layout einer Tempelanlage nach koreanischem Vorbild.

Als dieser Tempel gegründet wurde, hieß Osaka noch Naniwa und war zeitweise Hauptstadt, ehe diese nach Asuka verlegt wurde. Auch 744-745 war Osaka noch einmal ganz kurz Hauptstadt. Der Tempel wurde nicht nur Shitenno-ji genannt nach den Shitenno, den vier Himmelskönigen, sondern auch Arahaka-ji, Naniwa-dai-ji, Mitsu-ji oder Horie-dera.Der erste Tempel wurde zerstört und wiederaufgebaut, immer wieder. Brände, Kriegsereignisse, Taifune zerstörten immer wieder die Bausubstant, und immer wieder wurde der Tempel wieder aufgebaut. Im Jahre 1934 richtete der Muroto-Taifun, der ganze Stadtteile Osakas zerstörte und allein in der Präfektur Osaka 1665 Menschen tötete sowie in Osaka 200000 Menschen obdachlos machte, großen Schaden an, dabei wurde die fünfstöckige Pagode vollständig zerstört und die Haupthalle schwer beschädigt. Die letzte Zerstörung erfolgte im Zweiten Weltkrieg, die Rekonstruktion begann in den 1960er Jahren, wobei Beton die alten Holzkonstruktionen ersetzte.

Zeitweise war der Shitenno-ji dem Tendai-Buddhismus zuzurechnen. Seit 1946 geht er aber eigene Wege und ist ein unabhängiger Tempel. Zusammen mit seinen auf dem Gelände befindlichen Subtempeln bildet er ein eigenes System der Wa-shu. Der Tempel ist Bestandteil der Tempelgruppe "Shotoku taishi goiseki reijo, Shoutoku taishi goiseki reijou", den 28 historischen Tempeln mit Bezug zum Prinzen Shotoku, von denen die meisten in der Präfektur Nara liegen. In Osaka sind es neben dem Shitenno-ji im Stadtteil Tennoji-ku die Tempel Taiseishogun-ji, in Yao, Domyo-ji in Fujiidera, Sairin-ji in Habikino, Yachu-ji in Habikino und Eifuku-ji in Minamikawachi. Der Tempel gehört weiterhin zur Gruppe der "Osaka jusan butsu reijo, Osaka juusan butsu reijou", den 13 buddhistischen Stätten von Osaka, ein 1979 ins Leben gerufener Pilgerweg, der die Tempel abklappert, die den "13 Buddhas" gewidmet sind, also Shaka nyorai, Yakushi nyorai, Amida nyorai, Dainichi nyorai, Monju bosatsu, Fudo myoo, Fugen bosatsu, Jizo bosatsu, Miroku bosatsu, Kannon = Kanzeon bosatsu, Seishi bosatsu, Ashuku nyorai und Kokuzo bosatsu. Der Shitenno-ji repräsentiert in dieser Liste den Fugen bosatsu.


Rundgang und Beschreibung:
Mehrere Tore bilden die Haupteingänge in das Tempelgelände. Den Südzugang bildet das Nandaimon (großes Südtor). Im Osten steht das Todaimon (großes Osttor). Beide sind wiederaufgebaut. Wer von Westen kommt, übersieht meist, daß er 20 m hinter der Straße eines der wenigen alten Elemente passiert, denn das hier befindliche Ishi-no-torii, das steinerne (ishi = Stein) Torii, stammt von 1294. Im Torii oben befestigt ist eine 1,5 m hohe bronzene Inschriftstafel (Hengaku) aus dem Jahr 1326, die Shaka Nyorai, das sich drehende Rad der Lehre und das Paradies nennt. Das  85 m dahinter folgende Nishidaimon (großes Westtor) oder auch Gokurakumon (Paradiestor) ist hingegen ebenfalls wiederaufgebaut. Auf der Südseite gibt es neben dem Haupttor in der Zentralachse rechts noch ein zweites Tor, das Karamon mit geschwungenem, kupferverkleideten Dach. Auf der Westseite gibt es weiter im Norden noch ein zweites Tor (Nakanomon), das auf die bis zum Honbo reichende West-Ost-Achse führt, und noch weiter im Norden ein kleines Tor mit Satteldach am Eingang zum Friedhofsgelände, durch das man ebenfalls zum Tempel gelangt, das ist das Gansan Daishido Inui-mon, das so genannt wird, weil es geradewegs auf genannte Halle zuführt. Diese auf dem Friedhofsgelände liegende Halle Gansan-do oder Gansan Daishido gehört zu den wenigen erhaltenen Vorkriegsbauten; dort wird Gansan Daishi verehrt, der Tendai-Mönch Ryogen (Ryougen, 912-985), der 18. Oberpriester und Reformer des Enryaku-ji auf dem Berg Hiei bei Kyoto.

Als nächstes folgt die Beschreibung der Zentraleinheit (Chushin Garan). Der Tempel folgt dem klassischen Schema des Shichido-garan, des Sieben-Hallen-Layouts. Drei dieser sieben Hallen sind in der Zentraleinheit enthalten. Ein rechteckiger Umgang umschließt den innersten Bereich. Die Säulen des Umgangs haben die typische Wölbung (Entasis), die in der Asuka-Zeit üblich war. Dieser Umgang besitzt in der Mitte jeder Seite ein Gebäude. Im Süden liegt das Chumon, das mittlere Tor, mit einem weit ausladenden Irimoya-Dach versehen Es wird auch als Niomon bezeichnet, weil sich in den beiden seitlichen Kompartimenten 5,30 m hohe Nio-Figuren befinden, nach historischen Vorbildern von Priester Matsuhisa Horin (1901-1987) angefertigt und nach denen des Todai-ji in Nara die zweitgrößten in Japan. Im Ostkorridor liegt das Higashi-juu-mon, im Westkorridor das Gegenstück, das Sai-juu-mon oder Nishi-juu-mon. In den Nordkorridor eingebaut ist die große einstöckige Lehrhalle, Kodo (Koudou), mit Irimoya-Dach. Das in ihr verehrte Kultbild stellt Amida Nyorai dar. Im Hof stehen die 29,2 m hohe, fünfstöckige Pagode (Gojuu-no-tou) direkt hinter dem mittleren Tor, und die zweistöckige Haupthalle (Kondo, Kondou)  mit Irimoya-Dach zwischen Pagode und Lehrhalle. In der Haupthalle stellt das Hauptkultbild eine sitzende Kannon-Figur dar (Kyuusei Kanzeon Bosatsu). Ansonsten befindet sich neben diesen beiden großen freistehenden Gebäuden im Hof noch ein Drachenbrunnen (Ryuu-no-ido) mit Satteldach. Alle wichtigen Gebäude stehen entlang der Süd-Nord-Achse, das große Südtor, das mittlere Tor, die Pagode, die Haupthalle und die Lehrhalle. Die vier anderen Gebäude des Schemas Shichido-garan lagen außerhalb, dazu gehörten der Sutren-Speicher (Kyozo), der Glockenturm (Shoro), die Mönchsquartiere (Sobo) und das Refektorium (Jikido).

Außerhalb der Zentraleinheit geht es im Norden achsial und symmetrisch weiter:  Im Westen steht der Glockenturm, der hier Kita-shodo genannt wird, mit stark geböschtem Sockel, umlaufender Galerie und Irimoya-Dach. Das Pendant im Osten ist der Trommelturm (Taiko-rou). Dazwischen stehen zwei gleichartige, miteinander verbundene Gebäude, die auf die steinerne Bühne (Ishibutai) weiter im Norden orientiert sind. Diese Bühne, deren Unterbau eine Brücke bildet, wird flankiert von zwei rechteckigen Wasserbassins (Kame-no-ike, Schildkrötenteich) mit je einer kleinen quadratischen Steinplattform in der Mitte. Jenseits weiter im Norden steht die Halle Rokuji-do (Rokuji-reisan-do), eines der wenigen aus der Vorkriegszeit erhaltenen historischen Gebäude. Westlich dieser Halle liegen zwei gesondert mit eigener Mauer umfriedete Subtempel, derjenige neben der Halle Rokuji-do heißt Seisen-in, derjenige weiter westlich Kissho-in. Beide haben ihr Tor im Norden, beide sind nicht für Touristen zugänglich. Südlich von diesen beiden befindet sich ein kreisrunder Teich, und ganz in der Nähe wird ein Fußabdruck Buddhas verehrt.

Dann bleiben zur Beschreibung noch insgesamt vier Außenbereiche, die beiden im Süden rechts und links der Zentraleinheit, beide von dreieckigem Zuschnitt, und zwei im Norden, beide von rechtseckigem Zuschnitt. Den südöstlichen Bereich erkunden wir rechterhand nach Durchschreiten des Südtores: Sanitäre Anlagen verbergen sich zwischen der Südmauer und einem großen, modernen Souvenirladen. Jenseits einer kleinen Trennmauer folgt ein interessanter zweistöckiger Bau mit achteckigem Grundriß, der wiederaufgebaute südliche Glockenturm (Minami Shodo, Taishi-in-shodo). Zwischen diesem und dem Karamon steht das Wasserbecken für die rituelle Reinigung (Taishi-idoyakata).  An die Südmauer lehnen sich drei kleine Schreine an. Östlich der Zentraleinheit sind mehrere kleine Heiligtümer zu finden, darunter auch Fugen Bosatsu unter einem kleinen Schutzhüttchen und Ichijo-in, Banshodo und Hanatsuka. An der Nordostecke schließt ein Fujidana (Wisteria-Klettergerüst) den Zwischenraum ab.

Im Osten dieses Bereiches ist ein trapezförmiger Bereich mit einer Mauer abgetrennt, der Seirei-in. In der Westmauer führen zwei Tore hinein, das nördliche, meist verschlossene ist das Taishi-den-neko-no-mon ("Katzentor"), das südliche heißt Sakai-mon (Tora-no-mon), mit geschwungener Dachlinie und Kupferbedeckung. In dieser Ummauerung stehen in Nord-Süd-Richtung zwei mit einem Korridor verbundene Hallen, die südliche, vordere Taishi-den Zenden ist rechteckig, die nördliche, hintere Taishi-den Okuden ist achteckig. Beide sind einstöckig. In diesem Taishiden wird Prinz Shotoku verehrt. Alle Gebäude sind wiederaufgebaut. Im Osten dieser beiden Hallen gibt es noch ein historisches Pagodenfundament (To-ato) mit 4 x 4 Grundsteinen und einem Mittelstein für den zentralen Pfosten. In die Nordmauer eingebaut ist im Westen der Sutrenspeicher (Kyozo), im Osten die Bilderhalle (E-do). Zwischen beiden liegt ein Mauerdurchgang. Dort gelangt man zum nördlich anschließenden Museum (Homotsukan), wo die historischen Kunstwerke des Tempels ausgestellt werden, unter denen sich etliche Nationalschätze befinden. Östlich des Museums befindet sich ein kleiner, mehr oder weniger runder Teich mit einem Benzaiten-Schrein auf einer über eine Brücke zugänglichen Insel (Kameyujima Benzaiten). In der verbleibenden Restfläche hat noch der separat ummauerte Subtempel Ichion-in Platz, mit Zugangstor in der Nordmauer.

Der südwestliche Bereich zwischen dem Westtor und dem Südtor ist klein und überschaubar. Ein unspektakulärer Nebeneingang durchbricht noch einmal die Mauer. Eine einstöckige Halle mit Irimoya-Dach ist der Manto-in, an seiner Nordostecke steht ein Brunnenhaus mit ritueller Waschgelegenheit (Idoyakata). Etwas größer steht ein Stück weiter nach Nordwesten die Amida-Halle (Amida-do). Westlich von diesem steht im Eck zu einem weiteren Mauerdurchbruch ein Beinhaus (Nokotsu-do). Im Bereich zwischen diesem und dem Nishidaimon steht eine kleine Halle, Daishi-do zur Verehrung von Kobo Daishi, dessen Statue unweit innerhalb einer Einfriedung steht. Westlich grenzt ein kleiner Friedhofsbereich an, und das überdachte Becken für rituelle Waschung steht am Weg zum Nishidaimon. Jenseits des Weges liegt auf dem Tempelareal eine Schule, die Shitenno-ji gakuen (Shitennoji Junior and Senior High School).

Der große rechteckige Nordwestbereich wird im wesentlichen vom sich dort erstreckenden Friedhof geprägt. Zwischen die endlosen Reihen der Gräber eingefügt sind drei größere Gebäude, von Westen nach Osten die bereits erwähnte einstöckige Halle Ganzan-Daishi-do, eine zweistöckige Halle mit weit nach Süden vorgezogenem Vorbau (Daikoku-do) und ein einstöckige Halle mit Irimoya-Dach (Eirei-do). Im Südosteck des ganzen Friedhofsbereichs liegt der Subtempel Toko-in, mauerumschlossen mit dem Omotemon im Süden. Auch dieser Subtempel ist privat, und dem Touristen bleibt nur, über den Zaun im Tor zu spähen.

Ganz anders ist der Charakter des ebenfalls rechteckigen Nordostbereiches, ca. 140 x 165 m messend. Das ist der Bereich der Abtsresidenz. Der ganze Bereich wird Honbo genannt. Die zahlreichen Gebäude bilden eine diagonale Abfolge, und der Nordostbereich ist für die Gärten reserviert (Gokurakujodo-Garten). Der Zugang in den Bereich erfolgt über ein Tor, das ums Eck erreicht wird: Die Haupt-West-Ost-Achse mündet in ein nach innen eingestülptes Mauerviereck, in dessen Südseite das Tor integriert ist. Dieses Nishi Tsuyo-mon (Tsuuyou-mon) ist wieder eines der wenigen historischen Gebäude, das die Kriegszerstörungen überlebt hat. Von Süden her führt noch ein Karamon in diesen Honbo-Bereich. Ganz im Norden steht der Nebentempel Gochiko-in, ebenfalls ein erhaltenes historisches Gebäude mit schöner, breit gelagerter Halle. Die Abtsresidenz selbst (Hojo) besteht aus vielen mit einander verwinkelten und mit Korridoren vernetzten Einzelhallen. In der Mitte springt die sehr schöne Halle des Yuya Hojo weit nach Osten in den Garten vor. Rechtwinlklig dazu erstreckt sich nach Norden die Gästehalle (Kyakuden). Im weitläufigen Garten mit mehreren Teichen (im Norden: Ruriko-Teich, im Osten der Paradies-Teich, Gokuraku-no-ike) stehen etliche Teehäuser; die wichtigste Dreiergruppe besteht aus (von Norden nach Süden) Seiryu-tei, Rinchi-tei und Washo-an. Zwischen dem Paradies-Teich und der östlichen Abschlußmauer steht ein achteckiger Pavillon (Hakkakutei, Teehaus des achtseitigen Pavillons). Der Garten gliedert sich in ganz unterschiedliche Bereiche mit Steingarten und Teichgarten. Entlang der Südmauer dieses Honbo reihen sich außerhalb aufwendigere Grabanlagen für ehemalige Äbte. An der Südwestecke des Honbo-Bereichs befindet sich außerhalb noch ein Gebäude mit sanitären Anlagen. Gegenüber steht auf der anderen Seite des Weges die Halle Kameido (mit einem schildkrötenartigen Stein aus dem 7. Jh., der eine Rolle bei bestimmten Ritualen spielte), und dann sind wir schon wieder in der Nähe des Trommelturms angelangt.


Literatur, Links und Quellen
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@34.6539816,135.5165329,18z - https://www.google.de/maps/@34.6537922,135.5166667,232m/data=!3m1!1e3
Webseite des Tempels:
https://www.shitennoji.or.jp/
Shitenno-ji auf den Seiten der Osaka Station:
https://www.osakastation.com/shitennoji-temple/
Historische Stätten mit Bezug zum Prinzen Shotoku:
https://en.wikipedia.org/wiki/Historical_Sites_of_Prince_Sh%C5%8Dtoku
Dreizehn buddhistische Stätten von Osaka:
https://en.wikipedia.org/wiki/Thirteen_Buddhist_Sites_of_Osaka
Dreizehn Buddhas:
https://en.wikipedia.org/wiki/Thirteen_Buddhas
Shitennoji auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Shitenn%C5%8D-ji - https://en.wikipedia.org/wiki/Shitenn%C5%8D-ji
Shitennoji auf Japan Guide:
https://www.japan-guide.com/e/e4011.html
Shitennoji auf Inside Osaka:
https://insideosaka.com/shitenno-ji-temple/
Shitennoji auf Kanpai-Japan:
https://www.kanpai-japan.com/osaka/shitenno-ji
Shitennoji auf Japan 365 days:
https://www.japan365days.com/osaka_shitennoji_temple.php
Shitennoji auf Tale of Genji:
http://www.taleofgenji.org/shitennoji.html


Andere Artikel über Japan lesen
Andere Länder-Essays lesen
Home

© Copyright bzw. Urheberrecht an Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2022
Impressum