Bernhard Peter
Kyoto: Koetsu-ji


Lage, Erreichbarkeit und Touristisches
Der Koetsu-ji (Kouetsu-ji) liegt im Stadtbezirk Kita-ku, Bereich Takagamine (Adresse: 29, Takagamine Koetsucho, Kita-ku, Kyoto-shi, Kyoto). Er bildet den südwestlichen Eckpunkt einer kleinen Gruppe von Tempeln, die außerdem noch den Kenko-in, den Genko-an und den Koetsu-ji umfaßt und die nacheinander zu besuchen sich anbietet. Der Weg zum Tempel ab Kyoto Hauptbahnhof beginnt am besten mit der U-Bahn, Karasuma Line, nordwärts bis zur Haltestelle Kita Oji und dem großen Busbahnhof. Dort nimmt man den Bus Nr. 1 in Richtung Kita Oji Shimmachi bis zur Haltestelle Takagamine Genkoan mae (14 Haltestellen, eine gute Viertelstunde). Die Haltestelle befindet sich im Herzen der Tempelgruppe; zum Koetsu-ji geht es gerade nach Westen, also zunächst gegenläufig zur Fahrtrichtung des Busses, dann leicht abknickend, insgesamt ca. 200 m, hinter der rechts gelegenen Kyoto Munipical Takagamine Elementary School geht es auf der linken Straßenseite rein; das Tor steht 22 m nach hinten versetzt, so daß man einfach auf einen von Bepflanzung gesäumten Weg achten muß. Wenn man am Kimono-Geschäft vorbeikommt, ist man schon zu weit. Genau gegenüber dem Tempeleingang geht es auf der Nordseite der Straße zum Tempel Enjo-ji.

Alternativ und preisgünstiger fährt man ab Hauptbahnhof ganz mit dem Bus, an der Haltestelle Shimogyoku Sogo Chosha mae bekommt man die Linie Nr. 6 nach Nanajo Horikawa, nach 35 min. und 24 Haltestellen steigt man an der Haltestelle Takagamine Genkoan mae aus. Man kann auch mit der JR San-in Line bis Nijo Zug fahren und dort an der Nijo Eki mae den Bus Nr. 6 nehmen, weiter wie oben.

Das Gelände mißt 200 m in Nord-Süd-Richtung und bis zu 100 m in West-Ost-Richtung. Der Tempel liegt abseits der Touristenmassen und kennt nur zwei jahreszeitliche Besucherhöhepunkt zur Kirschblüte und im Herbst, weil er insbesondere für seine Ahornfärbung berühmt ist. Abseits dieser Hauptsaison Ende November bis Anfang Dezember ist es hier ruhig. Der Eintritt ist vergleichsweise günstig, man bekommt im sich bis zum Tal des Tenjin-Flusses erstreckenden Garten eine große Vielfalt der Tee-Architektur zu sehen, aber man kommt in die meisten Teehütten nicht hinein. Schmale Wege leiten den Besucher durch das große Gelände, in dem aber gar nicht so viel Platz ist, weil die Gartenanlagen zu dichtem Baumbestand hochgewachsen sind und wenig freie Sicht auf die Teehütten besteht. Vom Typ her ist der Garten kein Zen-Garten, aber trotzdem eine idyllische und wunderschöne Anlage.


Geschichte und Bedeutung
Der Tempel gehört zur Richtung des Nichiren-Buddhismus und wurde 1656 gegründet. Zuvor war es eine Residenz des berühmten Edo-zeitlichen Künstlers Honami Koetsu (1558-27.2.1637). Der Künstler stammte aus einer im Geschäft der Schwertbeurteilung, des Schwertpolierens und des Schwertschärfens tätigen Familie. Der Name der Familie setzt sich zusammen aus Hon-ami, wobei "ami" einen Hinweis auf die Amida-Verehrung gibt. Der Vater von Koetsu, Honami Kouji (1524-1603) diente als Fachmann für Schwerter nacheinander Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu. Daher kam das persönliche Interesse des ersten Tokugawa-Shoguns an dessen Sohn Koetsu. Auch Maeda Toshiie, Herr von Kaga, bezahlte den Vater als Schwertexperten. Nach dem Tod seines Vaters übernahm Honami Koetsu diese Stelle und war deshalb ein Vasall der Familie Maeda.

Honami Koetsu bekam im Jahre 1615 vom Shogun Tokugawa Ieyasu das Gelände weit außerhalb der Hauptstadt geschenkt, um sich dort eine Residenz zu bauen. Dazu gibt es zwei Interpretationen, die eine sieht es als besondere Gunst des Shoguns an, die andere versteht das als eine Art "hier hast du Land, aber bitte bleibe dort", denn der Shogun wollte den einflußreichen und sehr populären Schöngeist, der gute Beziehungen zum kaiserlichen Hof hatte und dem die traditionelle der Familie zum Kaiserhaus wichtig war, ein bißchen aus den Füßen haben. Der erste Tokugawa-Shogun jedenfalls war in Bestlaune, nachdem er kurz zuvor Osaka erfolgreich belagert hatte und Hideyori besiegt und das Haus Toyotomi ausgelöscht hatte. Als er auf dem Weg zurück in seine Stadt Edo im Schloß Nijo Halt einlegte, fragte er seinen Shoshidai, Itakura Katsushige, nach Honami Koetsu und seinen Ambitionen. Das Ergebnis des Gesprächs war eben diese Schenkung von Land, draußen im wilden Land außerhalb der Hauptstadt. Dazu muß man erwähnen, daß Tokugawa Ieyasu zuvor dem Künstler eine feste Stellung und ein Einkommen von 300 Koku angeboten hatte, was dieser ausgeschlagen hatte, vorgeblich wegen seines Alters, wahrscheinlich, weil das einen Umzug nach Edo bedeutet hätte und ihn seinen sozialen und intellektuellen Beziehungen entrissen hätte. Deshalb war die Schenkung von Land der feste Wille des Shoguns, dem Künstler und Sohn seines Vasallen etwas Gutes zu tun, wenn er schon nicht eine feste Stellung haben wollte. Vor diesem Hintergrund war es wirklich ein Geschenk, um ihm Gutes zu tun, und Koetsu selbst war es, der die ländliche Abgeschiedenheit draußen vor der Stadt dem Leben im Focus der Macht vorgezogen hatte.

Andererseits muß auch die Geschichte von Furuta Oribe erwähnt werden. Das war ein bekannter und bedeutender Krieger, Inhaber des mit 35000 Koku dotierten Lehens Yamashiro und Meister des Tees, der einerseits schon unter Oda Nobunaga und Toyotomi Hideyoshi gekämpft hatte und andererseits ein Schüler von Sen-no-Rikyu war und nach dessen Tod zu den führenden Teemeistern der Stadt Kyoto gerechnet wurde. Da er jedoch in Osaka für Toyotomi Hideyori Partei ergriffen hatte, hatte Tokugawa Ieyasu ihm nur wenige Tage vor der Schenkung befohlen, Seppuku zu begehen. Und eben jener Furuta Oribe war auch ein Lehrmeister und Freund von Honami Koetsu, weshalb auch seine Loyalität in den Augen des Machthabers auf einmal mit einem Schatten versehen war, zumal die Mitglieder der Familie Honami auch Vasallen von Toyotomi Hideyoshi gewesen waren. Von daher sind wohl beide Interpretationen wahr, und die Ablehnung der Stellung durch Koetsu, die eine direkte Kontrolle über das Vasallenverhältnis ermöglicht hätte, gab dem Shogun nun die Gelegenheit, einen eventuell unsicheren Kandidaten aus den Füßen zu bekommen und es gleichzeitig als großzügiges Geschenk zu verpacken. Oder drücken wir es so aus: Der geniale Taktiker verpackte eine Verbannung so geschickt, daß es der Beschenkte als Erfüllung seines eigenen Wunsches empfand. Viel mehr sogar: Der Beschenkte fühlte sich dadurch Ieyasu verpflichtet, es band ihn an seinen Gönner und verhinderte eine innere Abkehr, wie es zuvor bei Oribe passiert war. Und Ieyasu wiederum gewann dadurch diese späte Blüte der Machishu-Kultur (s. u.) als Verbündete. Und es gab noch einen dritten Nutzen: Das Gebiet von Takagamine war damals ein unsicherer Bereich, wo Strauchdiebe und Tunichtgute sich versteckten, und durch die Kolonisierung dieser Gegend würde die Sicherheit der Hauptstadtumgebung erhöht werden. Es war also insgesamt eine politisch äußerst geschickte Lösung, bei der es nur Gewinner gab.

Jedenfalls lag der Bereich Takagamine, obwohl in der Nähe der Hauptstadt und trotz des schönen Ausblicks auf dieselbe, sozial außerhalb, vor allem sichtbar daran, daß es außerhalb der hauptstädtischen Jurisdiktion und vor allem außerhalb des Odoi lag, der 22,5 km langen Erdwall-Befestigung rings um Kyoto, die Toyotomi Hideyoshi hatte errichten lassen. Ein Stück davon ist noch im Südwesten von Takagamine erhalten, beim Tempel Shozen-ji im Omiya-Doi-cho. Noch ein Stück ist östlich davon im Omiya Nishiwakidaicho erhalten. In gerader Linie ging dieser Wall dann zum Kamo-Fluß, und auch dort stehen ein paar Teilstücke des Walls. Dazwischen ist der Verlauf erkennbar an parallelen Straßenzügen, die das rechteckige Raster schräg schneiden. Im Westen stieß der Wall an die Hügel, wo heute das Shozan Resort steht, auch dort ist ein Teilstück erhalten, 550 m südöstlich des heutigen Tempels. Ein weiteres Indiz für die soziale Abgeschiedenheit ist die Tatsache, daß Takagamine auf den zeitgenössischen Karten, Beschreibungen und Illustrationen der Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt als Siedlungsbereich fehlt, es war einfach so neu, daß sich dort jemand niederließ. Die früheste Erwähnung erfolgt 1658 in einem Zweizeiler im Werk "Rakuyou-meisho-shuu", worin lediglich angegeben wird, daß Honami Koetsu dort kürzlich sein Haus erbaut hat. Das geringe Interesse der Stadtgesellschaft an der Siedlung lag auch an der völlig fehlenden Vorgeschichte und historischen Relevanz dieses Areals. Um so mehr konnte sich die entwickelnde kleine Gemeinde auf sich selbst konzentrieren und eine Selbstorganisation aufbauen und sich ganz ihren Zielen hingeben.

Der Künstler Koetsu machte das Beste daraus und zog dort mit seiner Honami-Familie, mit Künstlern und Kunstliebhabern sowie Anhängern des Nichiren-Buddhismus ein, gründete hier mit Freunden und Verwandten eine Art autonomer Künstlerkolonie (Koetsu-mura), in der er viele Kunstprojekte in enger Zusammenarbeit mit Handwerkern entwickelte. Seine grundsätzliche Philosophie war es, daß Kunst immer auf den Dingen des täglichen Lebens basieren solle, daß die täglichen Notwendigkeiten durch ausgesuchte Qualität, Gestaltung und Geschmack den Alltag bereichern sollten. Heute empfinden wir das als einen wesentlichen Zug japanischen Kunsthandwerks, doch damals war das neu, und im Grunde verdanken wir es genau diesem Künstler, daß es heute so wahrgenommen wird. Jedenfalls verbreitete sich der Ruf der hier geschaffenen Kunst schnell in der gesellschaftlichen Elite der Hauptstadt, und die dort entwickelten Objekte genossen und genießen immer noch höchste Wertschätzung.

Künstlerkollegen von Honami Koetsu waren beispielsweise der Pinselmacher Fudeya Myoki (Myouki), der Papiermacher Kamiya Sonin (Sounin), die beiden Lack-Maler Tsuchida Ryozaemon (Ryouzaemon) und sein Sohn Tsuchida Sotaku (Soutaku) sowie der Textilfärber und Kalligraph Ogata Sohaku (Souhaku), ein Neffe von Koetsu und der Großvater der Künstler Ogata Korin (Kourin) und Ogata Kenzan der Rinpa-Schule. Ein weiterer Lack-Maler war Chaya Shirojiro (Shiroujirou), der früher ein Tee-Schüler von Sen-no-Rikyuu war. Allen dort lebenden Mitgliedern der Kolonie gemeinsam war sowohl ihre Hinwendung zum Nichiren-Buddhismus als auch ihre tiefe Hingabe an die Kunst.

Die größte Besonderheit dieses Tempels ist die Existenz von vielen verschiedenen Teehäusern unterschiedlichen Stils. Eigentlich ist der Name Koetsu-"ji" purer Etikettenschwindel, weil die Merkmale einer Tempelanlage baulich eher im Hintergrund stehen, dafür um so prominenter eine Teehütte nach der anderen die Anlage zu einem Themenschwerpunkt Chado werden läßt. Der Koetsu-ji ist eine der wichtigsten Institutionen der Teekultur und für die Entwicklung der Teezeremonie. Das hat seine Ursache darin, daß Honami Koetsu selbst ein berühmter Meister der Teezeremonie war. Er folgte aber nicht einer bestimmten Tee-Richtung, sondern testete mal diese, mal jene Anschauung. Er übernahm nach Belieben Ideen aus verschiedenen Schulen und setzte sie auf eigene Weise um. Unter anderem pflegte er Kontakt zu den Lehrmeistern Furuta Oribe (s. o., Seppuku 1615) und Oda Urakusai. Da er bürgerlicher Herkunft war, trug er zur Verbreitung der Teekultur auch in der Händlerklasse bei.

Außerdem war Koetsu Kalligraph, Keramikkünstler, Lackkünstler und Maler. Er war ein Universalgenie, der viele verschiedene künstlerische Ausdrucksformen zur Perfektion brachte. Viele seiner kunsthandwerklichen Arbeiten sind heute als Nationalschätze und wichtige nationale Kulturgüter eingestuft. Eine Lack-Schreibbox (Suzuri-bako) mit Funabashi-Motiv (Ponton-Brücke mit Gedichten, Nationalschatz) von seiner Hand wird im Nationalmuseum Tokyo ausgestellt, eine andere mit Holzsammler-Motiv im MOA Museum of Art in Atami, Shizuoka. Im Sunritz Hattori Museum of Arts wird eine als Nationalschatz eingestufte Raku-Teeschale mit dem Motiv des Fuji-san von seiner Hand ausgestellt. Im Mitsui Memorial Museum wird eine schwarze Raku-Teeschale (Ama-gumo, wichtiges Kulturgut) aufbewahrt. Das Museum Yamatobunkakan besitzt eine Flötenbox mit Hirschmotiv von des Künstlers Hand, auch diese Box ist ein wichtiges Kulturgut.

Zusammen mit Konoe Nobutaka und Shokado Shojo wird Koetsu zu den drei Meisterkalligraphen der Kan-ei-Zeit (1624-1644) gerechnet (Kanei-no-san-pitsu). Im Nationalmuseum Kyoto wird eine Bildrolle aufbewahrt, deren Kranich-Malerei von Sotatsu und deren kalligraphiertes Gedicht von Koetsu stammt (Tsuru-shitae-waka-maki, wichtiges Kulturgut). Ein bestimmter Kalligraphie-Stil ist nach Koetsu benannt.

In der Schatzkammer des Tempels Koetsu-ji werden viele seiner Werke ausgestellt, neben einigen Gemälden, Teetassen (darunter seine einstige Lieblings-Teetasse) und Holzstatuen. Koetsu, eine der gebildetsten und verfeinertsten Persönlichkeiten der frühen Edo-Zeit, gehörte in seiner Zeit zu der künstlerischen Avantgarde und gab der japanischen Kultur viele neue Anstöße. Ein solcher Anstoß führte beispielsweise zur Gründung der Rinpa-Schule, die von Sotatsu Tawaraya geführt wurde. Seine künstlerischen Arbeiten umfassen aber nicht nur materielle Gegenstände, sondern auch die Anlage des Gartens im Tempel Honpo-ji in Kyoto, in Kamigyo-ku.

Koetsu war Teil einer großartigen kulturellen Bewegung im 16. und frühen 17. Jh., die sowohl inhaltlich als auch technisch innovativ war. Diese Bewegung wurde vom Adel und dem Kriegerstand getragen, vor allem aber vom wohlhabenden Bürgertum, dem Machi-shuu, reiche Händler und Bürger, und von den aus diesem Hintergrund heranwachsenden Künstlern als Kulturträgern. Koetsu war als freier und kreativer Geist im Grunde in der Momoyama-Zeit verwurzelt und paßte immer weniger zur Kultur der frühen Edo-Zeit und der Autorität und den Restriktionen des erstarrenden Feudalsystems. Das Shogunat der Edo-Zeit regelte immer mehr bis ins Detail das Leben der Untertanen, und das paßte so gar nicht zur freien Entfaltung der Kreativität und der Teezeremonie. Die Zeit großer kultureller Neuschöpfungen wurde abgelöst durch Verfeinerung einzelner Bereiche, auch im Bereich der Teekultur. Als Koetsu 1637 starb, standen die Zeichen der Zeit bereits auf Erstarrung in Formalismus und Tradition, und so gesehen war die kulturelle Blüte innerhalb der Künstlerkolonie bereits zum Anachronismus geworden, eine überlebende Welt der Machi-shuu-Welt des späten 16. Jh. in einer sich ändernden Welt des 17. Jh.

Der Name der Künstlerkolonie, die auf 55 Häuser anwuchs (eine alte Karte kennzeichnet die entsprechenden Parzellen), war damals Koetsu-mura, Dorf des Koetsu. In der Nähe des Koetsu-ji gab es noch drei weitere Tempel, die eng mit Honami Koetsu und der Siedlung Koetsu-mura verbunden sind: Der Josho-ji (Joushou-ji), der im Nordosten des Koetsu-ji liegt, wurde im Jahre 1616 von Koetsus Sohn Kosa (Kousa) gegründet. Danach stand dem Tempel Jakushoin Nichiken Shonin als Abt vor, und auch dieser Tempel gehört der Nichiren-Richtung des Buddhismus an. Jakushoin gründete dort ein Seminar (Danrin) der Glaubensrichtung, eines von insgesamt nur sechs in der Region Kansai. Der Tempel existiert noch heute. Im Südosten des Koetsu-ji lag der Myoshu-ji (Myoushuu-ji), benannt nach Koetsus Mutter Myoshu (-1618). Der dritte Tempel war der Chisoku-an in der Nordwestecke des Areals.

Die Residenz von Koetsu hieß damals noch Taikyo-an. Bereits zu Lebzeiten existierte ein kleiner Familientempel auf dem Gelände. An der Stelle des späteren Tempels befand sich zu Lebzeiten des Künstlers ein Ihai-sho, eine Andachtsstätte mit Ihai für verstorbene Verwandte. Aber nach Koetsus Ableben wurde seine ganze Residenz um 1656 in einen Tempel umgewandelt, der seinen Vornamen weitertrug: Koetsu-ji. Nach dem Tod der bestimmenden Persönlichkeit Honami Koetsu verlor die Künstlerkolonie rasch an Vitalität. Schließlich war man soweit, daß Koetsus Enkel Honami Koho (Kouho) 1679 das 1615 geschenkte Land wieder an das Bakufu zurückgab. Zu den bereits existierenden drei Tempeln kam damit 1689 ein weiteres Tempelgebäude hinzu, der eigentliche Koetsu-ji. Durch die Attraktivität der Lage und durch die Aktivitäten des Nichiren-Seminars im Josho-ji kam es zu weiterer Besiedlung von Takagamine abseits von der einstigen Künstler-Avantgarde und ihren Haushalten: Takagamine entwickelte sich zum neuen Stadtteil.

Der Schwerpunkt des Nichiren-Buddhismus liegt auf der Lotus-Sutra (Hokke-kyo). Der offizielle Name des Tempels lautet "Taikyo-zan Koetsu-ji", Tai = dai = groß, kyo = Leere, zan = Berg, Koetsu = Eigenname, ji = Tempel. Das Goshuin des Tempels ist, wie oft bei Nichiren-Tempeln, besonders kunst- und schwungvoll. Das Sumigaki, die Schrift in schwarzer Tusche, lautet in der zentralen Spalte "Namu myouhou renge kyou", genau wie auf der Stele vor dem Tempeltor (s. u.).


Rundgang und Beschreibung
Das eigentliche Tempeltor (San-mon) ist weit zurückgesetzt; ein gepflasterter Weg (Sando) führt, beiderseits von Mauern und Hecken begrenzt, unter dem dichten Blätterdach einer Ahorn-Allee nach Süden. Vor dem Tor passiert man linkerhand eine Steinstehe, auf der vertikal sieben Kanji eingraviert sind: "Namu myouhou renge kyou" bedeutet: Ich gebe mich den Lehren der Lotus-Sutra hin. Der Schwerpunkt des Nichiren-Buddhismus liegt auf der Lotus-Sutra (Renge-kyo, Hokke-kyo). Hinter dem Tor führt der Sando nochmal ein Stück gleicher Länge unter einer Ahorn-Allee weiter. Im Sommer nennt man das Blätterdach über diesem Weg Ao-momiji, blaugrüner Ahorn. Im Herbst spricht man nur von Momiji, wenn der ganze Weg in leuchtendes Rot und Orange getaucht ist.

Eine kleine Weg-Abzweigung führt nach rechts zu einem leicht schräggestellten Tor vom Typ eines Korai-mon. Entlang des Hauptweges passiert man kurz darauf auf der linken Seite den Glockenturm (Shoro, Shourou), quadratisch mit einem Pyramidendach aus Schilf (Kaya-buki). Die Glocke wird Toki-no-kane genannt, Glocke der Zeit. Auf der rechten Seite folgt kurz darauf das Empfangsgebäude, wo man seinen Eintrittsobulus hinterläßt.

Der Weg knickt nach einem schräg verlaufenden Versatz nach rechts ab und führt zur Haupthalle (Hondo, Hondou) im Westen der Gebäudegruppe. Im Koetsu-do werden Werke und Besitztümer des Meisters Koetsu ausgestellt. An der Südostecke der Haupthalle ist ein überbrückender Korridor (Watari-roka, Watari rouka) angesetzt, der nach Osten zum Kuri (Küchenbau und persönlicher Lebensbereich der Mönche) führt. Der Weg zum Garten führt unter dem Korridor hindurch.

Südlich der Gebäudegruppe erstreckt sich jenseits des Gartenteiches Tomoe-no-ike (ein Tomoe ist ein abstraktes Emblem, das aus ein, zwei oder drei kommaartigen Motiven besteht) der Wandelgarten voller Teehäuser, im folgenden im Gegenuhrzeigersinn aufgelistet. Alle diese Teehäuser sind Taisho-zeitlich, also alle nach 1912 entstanden. Dennoch handelt es sich teilweise um Repliken älterer Teehäuser, und insgesamt geben sie einen hervorragenden Querschnitt über die unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten der Teehaus-Architektur.

In den Tiefen des Geländes befindet sich nordöstlich des Honami-an das Grab von Honami Koetsu, auf der Seite von einem Bambuszaun abgeschirmt, rückwärtig von einer Reihe beschrifteter Holzbretter (Ihai). Südöstlich des Hauptkomplexes befindet sich noch ein größerer Friedhofsbereich.


Literatur, Links und Quellen
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@35.0530609,135.7305709,19z - https://www.google.de/maps/@35.0531627,135.7303682,128m/data=!3m1!1e3
Auf Japan Travel Manual:
https://jpmanual.com/en/koetsuji
Beschreibung des Tempels auf Kyotofukoh:
https://kyotofukoh.jp/report280.html
Beschreibung auf Japan-Kyoto:
https://japan-kyoto.de/koetsuji-tempel-kyoto-voller-teehuetten/
Beschreibung auf Japan Visitor:
https://www.japanvisitor.com/japan-temples-shrines/koetsuji
Beschreibung auf Japan Travel:
https://www.japan.travel/de/spot/1151/
Auf Japan Travel:
https://en.japantravel.com/kyoto/kyoto-koetsu-ji-temple/7168
bei Damien Douxchamps:
https://damien.douxchamps.net/photo/japan/kyoto/north/koetsu-ji/
W. Puck Brecher: Koetsumura: Of Rhythmus and Reminiscence in Honami Koetsu's Commune, Japan Reviews, hrsg. vom International Research Centre for Japanese Studies, National Institute for the Humanities, 2010, Nr. 22, S. 31-57
Honami Koetsu:
https://en.wikipedia.org/wiki/Hon%27ami_K%C5%8Detsu
Koetsu-ji und Koetsu:
https://japanese-wiki-corpus.github.io/shrines/Koetsu-ji%20Temple.html - https://japanese-wiki-corpus.github.io/person/Koetsu%20HONAMI.html
Video:
https://www.youtube.com/watch?v=ByQoucyeLYA
Wolfgang Fehrer: Das Japanische Teehaus, 232 S., Niggli Verlag, 1. Auflage 2018, ISBN-10 : 3721205197, ISBN-13 : 978-3721205190
Murase, Miyeko: Bridge of Dreams: The Mary Griggs Burke Collection of Japanese Art, MMA 2000
https://www.metmuseum.org/art/metpublications/Bridge_of_Dreams_The_Mary_Griggs_Burke_Collection_of_Japanese_Art?Tag=&title=bridge%20of%20dreams&author=&pt=0&tc=0&dept=0&fmt=0 - http://resources.metmuseum.org/resources/metpublications/pdf/Bridge_of_Dreams_The_Mary_Griggs_Burke_Collection_of_Japanese_Art.pdf
The Metropolitan Museum of Art: Momoyama, Japanese Art in the Age of Grandeur, New York 1975
https://www.metmuseum.org/art/metpublications/Momoyama_Japanese_Art_in_the_Age_of_Grandeur?Tag=&title=momoyama&author=&pt=0&tc=0&dept=0&fmt=0 - http://resources.metmuseum.org/resources/metpublications/pdf/Momoyama_Japanese_Art_in_the_Age_of_Grandeur.pdf


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