Bernhard Peter
Kyoto: Myoho-in


Lage und Erreichbarkeit
Der Myoho-in (Myouhou-in) liegt im Stadtbezirk Higashiyama östlich der Higashi Oji Dori, östlich des Nationalmuseums und nördlich des Tempels Chishaku-in (Adresse: Myohoin-mae-kawa-cho 447, Higashiyama-ku, Kyoto-shi, Kyoto-fu). Das von den Tempelgebäuden eingenommene, annähernd rechteckige Areal mißt ca. 120 m in West-Ost-Richtung und 160 m in Nord-Süd-Richtung. Der Zugang erfolgt auf der Westseite von der Higashi Oji Dori aus. Im Norden und Osten wird der Tempel eingerahmt vom Luxushotel Four Seasons.

Man erreicht den Sanjusangendo am besten entweder mit der Keihan Main Line und läuft vom Bahnhof Shichijo nach Osten, oder man nimmt ab Bahnhof (Kyoto eki) den Raku-Bus 100 oder den City Bus 206 oder 208, Haltestelle Higashiyama Nanajo. Vom Bahnhof Kyoto aus schafft man es aber auch die 2 km ganz zu Fuß in ca. 25 min. Zur Higashi Oji Dori hin besitzt der Tempel zwei Tore und ganz im Norden eine Autozufahrt.

Man kommt normalerweise nur in den Vorhof, kann die westliche Außenseite der Gebäude sehen und im Süden noch um die Ecke biegen, aber in der Regel kommt man nicht in die Gebäude hinein und auch nicht in die Gärten, weil dieser Tempel normalerweise nicht auf Besucherverkehr eingestellt ist und nur an ganz wenigen Tagen im Frühjahr und im Herbst Besucher ins Innere läßt. Auf der anderen Seite ist eines der sichtbaren Gebäude als Nationalschatz klassifiziert, ein anderes als wichtiges Kulturgut, insofern sollte man zumindest einen Blick darauf werfen, auch wenn der Tempel sonst kein Touristenmagnet ist und wenig bietet.


Geschichte und Bedeutung
Der Myoho-in gehört zur Tendai-Schule. Wann der Myoho-in genau gegründet wurde, ist nicht bekannt. Die eine, tempeleigene Überlieferung geht von einer Gründung durch den Mönch Saicho (767-822) aus, dem Gründer der Tendai-shu. Wahrscheinlich war es aber erst der Mönch Shoun (Shou-un), der den Tempel im Auftrag von Kaiser Go-Shirakawa (1127-1192) gründete, also rund 300 Jahre später. Zwischenzeitlich wurde der Tempel verlegt und war eine Zeitlang in der Nähe des Kennin-ji, doch bald darauf wurde er wieder an den alten Standort zurückverlegt.

Dieser Tempel wurde von Yosei zum Monzeki-Tempel gemacht, dem erstgeborenen Sohn des Kaisers Takakura (1161-1181). Zunächst lag der Tempel in Saito, wurde aber bald darauf nach Kyoto verlegt. Innerhalb des Tendai-Buddhismus gibt es fünf Monzeki-Tempel, zu denen zählen der Sanzen-in (Gründung von Saicho) in Ohara, der Shoren-in und der Myoho-in in Kyoto, der Bishamon-do und der Manshu-in (ebenfalls eine Gründung von Saicho).

Der Tempel brannte 1340 vollständig ab bei einem Angriff von Sasaki Doyo (1306-1373). Sein ziviler Name war Sasaki Takauji, und er war ein Militärführer in Diensten des Shoguns  Ashikaga Takauji und half bei der Niederschlagung der Kenmu-Restauration. Schließlich war er als Militärgouverneur von sechs Provinzen eingesetzt. Neben seinem Leben als Kriegsanführer war er auch noch ein bedeutender Poet der Muromachi-Zeit und ein avantgardistischer Schöngeist beim Ikebana. Das nächste Mal brannte der Myoho-in im Onin-Krieg ab. Unter Toyotomi Hideyoshi kam es zu einer Wiederherstellung. Er war gerade mit seinem Mammutprojekt des Hojo-ji beschäftigt, und weil das hier gerade in der Nähe war, spendierte er dem Myoho-in auch eine neue Haupthalle und einen neuen Kuri, der heute noch erhalten ist.

In zwei geschichtliche Ereignisse war der Tempel noch involviert: Als 1788 das Tenmei-Feuer einen Großteil der Stadt in Schutt und Asche verwandelte, suchte Kaiser Kokaku hier Schutz, bis er wieder eine Bleibe hatte. Und 1862 begannen hier im Tempel sieben Hofadelige einen Versuch, das Shogunat zu stürzen. Das ging schief, sie mußten nach Westjapan fliehen und sich in der Verbannung in Choshu verkriechen. Diesen Aufstand nennt man Shichi-kyo-o-chi.

Von seiner einstigen Größe ist der Tempel weit entfernt. Die heutige Grundfläche ist nur noch ein Zwanzigstel des früheren Bestandes. Während der Meiji-Zeit und der Unterdrückung des Buddhismus wurde der Besitz geschmälert, wo und wie es nur ging, und so rückt heute die moderne Stadt dem Rest-Tempel mit Straßen und modernen Hotels auf die Pelle. Der Tempel verwaltet übrigens auch den Sanjusangendo.


Rundgang und Beschreibung
Die beiden Zugangstore liegen auf der Westseite an der Higashi Oji Dori, eines im Süden und eines in der Mitte der Westseite, letzteres ist das Omote-mon (Vordertor, Tsuyo-mon). Zur Straße hin grenzt eine mit fünf horizontalen weißen Linien markierter Wall (Tsujibei) auf hohem Steinsockel das Tempelareal ab. Das südlichere Tor trägt ein konkav geschwungenes Satteldach aus organischen Materialien; es ist meistens verschlossen und mit einem Lattenzaun abgeriegelt. Es wird als Karamon bezeichnet, auch wenn es keinen charakteristischen Karahafu besitzt, das liegt daran, daß man mit "Kara" = chinesisch alles bezeichnete, was wertvoll und aufwendig ist, und hier sind Konstruktion und Details elaborierter als beim anderen Tor. Das Tor in der Mitte der Westseite trägt ein Satteldach aus Ziegeln; es steht meist offen und gibt Zugang zum Vorhof. Eine siebenstufige Treppenanlage überbrückt den hohen Steinsockel der Umfassungsmauer. Gleich rechts neben dem Tor steht ein Torwächterhaus (Mon-bansho), mit einem Gittererker zum Bereich außen vor dem Tor. Nördlich des Tores kommt auf der Innenseite der Mauer ein Parkplatz, und den nördlichen Abschluß bilden sanitäre Anlagen, dort, wo sich die Autozufahrt zum Tempel befindet.

Man kann nun den langgestreckten Vorplatz in Nord-Süd-Richtung entlanggehen und die Tempelgebäude von außen anschauen: Auf Höhe der Zufahrt steht ein Lagerhaus (Shuzo-ko). Dahinter stehen noch zwei kleinere Lagerhäuser (Dozo) nebeneinander. Noch weiter im Osten liegt der Garten Nagori no niwa mit dem nördlichen Gartenteich. Zurück zur Westseite: Beim Gang weiter nach Süden folgt ein modernes Gebäude mit vorspringendem Eingangsdach. Dort befindet sich das Tempelbüro, die Verwaltung (Jimu-sho).

Weiter nach Süden folgt der 1595 erbaute Kuri (Küchenbau und Mönchsquartier), kenntlich an dem hohen Dachstuhl und dem Dachaufsatz für den Rauch- und Dunstabzug. Auf der vorderen Giebelsseite ist der Eingang durch ein kleines Mäuerchen vom Vorhof abgetrennt. Dieser Kuri ist das wertvollste Gebäude des Tempels; er stammt noch aus der Momoyama-Zeit und ist als Nationalschatz klassifiziert. Der einstöckige Bau mißt 21,8 m × 23,7 m und trägt ein Dach im Irimoya-Stil. Die Eingangsvorhalle von 1 Ken Größe trägt einen geschwungenen Giebel (Karahafu). Das Dach ist im Hongawarabuki-Stil gedeckt. Der Hisashi befindet sich im Norden.

An der Südostecke des Kuri führt ein gedeckter Korridor zum großen Shoin (Dai-shoin), der zwar mit allen anderen Gebäuden mit Korridoren vernetzt ist, sich aber trotzdem auf allen vier Seiten zu Gärten hin öffnet. Der Dai-shoin ist als wichtiges Kulturgut klassifiziert. An seiner Nordostecke geht es weiter zum Weißen Shoin (Shiro-shoin). Dort gibt es Pferde-Malereien von Kano Sanraku (1559-1635), Landschaften von Matsumura Goshun (1752-1811) und eine Eremitengruppe von Gessen (1741-1809). An der Südostecke des Dai-shoin geht es zum Daikoku-do, Goma-do und Amida-do (Amida-Halle). Ganz im Osten bilden Uchi-butsu-do (innere Buddha-Halle) und Shoten-do wieder den Anschluß an den Shiro-shoin. Südlich des Dai-shoin liegt ein Garten, der Schloß Momoyama nachbildet.

Wieder zurück zur Westseite: Südlich vom Kuri liegt der große und repräsentative Eingangsbau (Dai-Genkan) mit sogar zwei Eingangskonstruktionen verschiedener Größe nebeneinander (frühe Edo-Zeit, als wichtiges Kulturgut klassifiziert). Er ist nordwärts mit dem Kuri verbunden und ostwärts mit dem Zuiryu-dono, von dem ein Korridor nordwärts zum Kuri und einer südwärts zum 1898 errichteten Shinden (Residenzhalle) führt. Der Genkan und der Dai-shoin wurden von einer Residenz des Kaisers Go-Mizunoo hierhin transferiert. Im Genkan befinden sich Wandmalereien der Kano-Schule.

Den Shinden kann man von Süden her anschauen; vom Vorhof aus geht hier ein Weg um die Ecke. Östlich an den Shinden grenzt der Ryuge-do ("Drachenblumenhalle") als Schatzhaus für wertvolle Dinge an. Hier befinden sich einige Gegenstände, die einst Toyotomi Hideyoshi gehörten. Eine besondere Kuriosität ist das sogenannte Porutogaru-koku indo fukuo shinsho, ein aus dem Jahr 1588 stammender Brief des portugiesischen Vizekönigs von Indien, Duarte de Menezes, an Toyotomi Hideyoshi. Wegen seiner außerordentlichen geschichtlichen Bedeutung ist dieses Dokument als Nationalschatz eingestuft. Einige andere Kunstobjekte haben den Rang wichtiger Kulturgüter.

Von diesem Schatzhaus führt wieder ein Korridor zum Amida-do. Ganz abgesetzt im Südosten des Shinden steht die zweistöckige Haupthalle (Hondo), die auch Fugen-do genannt wird und aus der Edo-Zeit stammt. Der Eingang wird von zwei glockenförmigen Fenstern im Zen-Stil flankiert. Innen wird eine Holzstatue von Fugen Bosatsu verehrt, ein Bodhisattva, der im Sanskrit Samantabhadra genannt wird. Östlich dieser Halle befindet sich der südliche Gartenteich. Zwischen dem südlichen der beiden Tore und der Haupthalle ist ein Gartenbereich abgetrennt und mit einem eigenen Tor auf der Westseite versehen; in diesem Bereich steht das Denkmal Shichi-kyo-o-chi-hi, das an den "Fall der sieben Hofadligen" (s. o.) erinnert, die Beteiligten waren  Sanjo Sanetomi, Sanjo Nishisuetomo, Higashikuze Michitomi, Mibu Motonaga, Shijo Takauta, Nishikikoji Yoritomi und Sawa Nobuyoshi.


Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@34.9902529,135.7754171,19.13z - https://www.google.de/maps/@34.9903602,135.7755013,166m/data=!3m1!1e3
Myoho-in auf Kyotofukoh: 
https://kyotofukoh.jp/report194.html
Myoho-in auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/My%C5%8Dh%C5%8D-in
Fall der 7 Hofadligen:
https://wiki.samurai-archives.com/index.php?title=Fall_of_Seven_Nobles_Incident
Myoho-in:
http://www.kokuhoworld.com/043.html
Myoho-in:
https://www.japan365days.com/kyoto_myohoin.php
Youtube-Film über den Tempel:
https://www.youtube.com/watch?v=YlZyI1t-AD8


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