Bernhard Peter
Kyoto: Konkai Komyo-ji (Kurodani)


Lage und Erreichbarkeit
Der Konkai-Komyo-ji (Kurodani) ist ein weitläufiger Tempelkomplex im Stadtbezirk Sakyo (Adresse: 121, Kurodani-cho, Sakyo-ku, Kyoto-shi). Er liegt im Eck zweier wichtiger Hauptverkehrsachsen; im Osten verläuft die Shirakawa Dori, im Süden die Maruta-machi Dori. Der Komplex liegt etwa in der Mitte der Verbindungsachse zwischen Heian-Schrein und Ginkaku-ji, südöstlich des Berges Yoshida-Yama. Der Tempelkomplex nimmt den Großteil des nach Osten hin ansteigenden und dann steil abfallenden Hügels ein. Das gesamte Gelände, ca. 140000 m2, erstreckt sich über ca. 450 m in West-Ost-Richtung und ca. 300 m in Nord-Süd-Richtung, wobei nördlich angrenzend der Bereich des Shinnyodo liegt.

Bezugspunkt für die Anreise sei wieder der Hauptbahnhof von Kyoto: Am besten fährt man mit der U-Bahn, Karasuma Line, nordwärts bis zur Haltestelle Marutamachi, an der Südwestecke des Kaiserpalastgeländes. An der Bushaltestelle Karasuma Marutamachi bekommt man die Linie 204, die man gerade ostwärts bis zur Haltestelle Okazakimichi nimmt (10 min., 5 Stops). Von da sind es ca. 600 m zu Fuß bis zur Haupthalle. Oder man nimmt ab der Haltestelle Karasumarumarufutorumachi die Linie 93, gleiche Zielhaltestelle. Alternativ kann man auch ganz den Bus ab Hauptbahnhof nehmen: Die Linie 206 fährt ab Kyoto Ekimae, Ausstieg nach 15 Stops bzw. 1/2 h Fahrzeit an der Haltestelle Kumanojinjamae, von da sind es zu Fuß ostwärts am Heian-Schrein vorbei 1,4 km oder eine Viertelstunde bis zur Haupthalle des Tempels. Eine andere Variante ist, ab Kyoto Ekimae mit der Bus-Linie 205 bis zur Haltestelle Kawaramachi Marutamachi zu fahren und dort in die Linie 93 umzusteigen, Ausstieg nach 3 Stops an der Haltestelle Okazakimichi wie oben. Der Besuch läßt sich gut verbinden mit dem des Philosophenweges, des Okazaki Jinja im Süden, des Kyoto Handicraft Centers, des Heian Jingu sowie des Shogo-in Monzeki im Südwesten.

Der Eintritt zum Gelände ist frei, auch in die Haupthalle, außer zu Stoßzeiten im Frühling und Herbst, wenn auch die rückwärtigen Gärten zugänglich sind. Der Besucherandrang hält sich daher normalerweise in engen Grenzen, die Touristen sind alle im Osten am Philosophenweg oder im Südwesten am Heian-Schrein. Dafür ist das hier ein lebendiger Tempel, der von den Gläubigen des Viertels frequentiert wird. Hier hat sich noch die Atmosphäre erhalten, die in den typischen Touristentempeln längst abhanden gekommen ist. Deshalb ist der Tempelkomplex, obwohl keine wirklich spektakulären, super-alten Bauten da sind, ein unerkanntes Juwel, ein sehr schönes Ensemble von weitläufigen Strukturen, das von den Touristen normalerweise links liegengelassen wird. Am schönsten ist der Tempelkomplex bei Sonnenuntergang, weil der ganze Hang nach Westen wie eine Projektionsfläche für das Abendlicht positioniert ist. Und das Gelände ist glücklicherweise so spät noch zugänglich. Umgekehrt ist es hier morgens genauso stimmungsvoll, wenn die Gesänge der Mönche aus der Haupthalle dringen und nur Einheimische den Tempel aufsuchen.


Geschichte und Bedeutung
Der Konkai-Komyo-ji (Kurodani-san) ist einer der acht Haupttempel der Jodo-shu, der Jodo-Schule oder des Buddhismus des Reinen Landes, einer Spielart des Buddhismus, in der die Anrufung von Amida im Vordergrund steht. Und er ist einer der vier in Kyoto befindlichen Haupttempel (Daihonzan). Er wird deshalb als Jodoshu daihonzan (Joudoshuu daihonzan) bezeichnet. Der Konkai-Komyo-ji (Kurodani) wurde im Jahre 1175 gegründet. Seine besondere Bedeutung hat der Tempel dadurch, daß sich auf seinem Gelände die Stelle befindet, an der der Jodo-shu-Gründer Honen (1133-1212) lebte, nachdem er 1175 sein Kloster aus dem Berg Hiei verlassen hatte, um hier seine Lehre von Amida, seinem Westlichen Paradies und der Erlösung durch Anrufung zu predigen. Bald schloß sich im sein erster Schüler und Anhänger an, Shinku. Zunächst hatte Honen sein Quartier in einer Adelsvilla bezogen, die ihm Fujiwara Akitoki zur Verfügung gestellt hatte. Jener war der Großvater seines Anhängers und Schülers Shinku (1146-1228). Im Alter von 12 Jahren war Shinku von seiner Familie auf dem Berg Hiei unter Eiku ins Kloster gegeben worden. Nach dem Tod von Eiku folgte Shinku 1179 Honen gänzlich. Shinku, derjenige mit der längsten Beziehung zu Honen von all dessen Schülern, nahm den Klosternamen Horen (Houren) an. Nach dem Tod von Honen wurde Shinku Erbe seiner persönlichen Besitztümer. Es schaffte es aber nicht, mit seinen Schülern eine eigenständige Schule innerhalb der Jodo-shu zu etablieren. Von den anderen wichtigen Schülern des Gründers Honen gründeten wiederum einige eigene Schulen, Shinran (1173-1263) wurde zum Gründer der Jodo-Shinshu, Shokobo Bencho (1162-1238) wurde zum Gründer der Chinzei-ha,  Zennebo Shoku (1177-1247) wurde zum Gründer der Seizan-ha, Ryukan (1148-1227) gründete den Zweig Chorakuji-ryu, Kakumyobo Chosai (1184-1266) gründete den Zweig Kuhonji-ryu und Jokakubo Kosai (1163-1247) gründete den Zweig Ichinengi. Die Schüler Tanku (1176-1253), Horembo Shinku (1145-1228) und Seikambo Genchi (1182-1238) gründeten keine eigenen Schulen. Der Haupttempel der ganzen Jodo-Schule ist der Chion-in. Der Name Kurodani setzt sich zusammen aus Kuro = schwarz und dani = Schlucht und erinnert an die schwarze Schlucht, in der Honen auf dem Berg Hiei seinen Studien nachging, bevor er hierhin zog.

Der ursprüngliche Tempel aus dem 12. Jh. wurde zerstört, und auch seine Nachfolger, wieder und wieder fielen die Gebäude den Flammen zum Opfer, und immer wieder wurde der Tempel wiederaufgebaut. Eine der größeren Zerstörungen erfolgte während des Onin-Krieges (1467-1477). Die letzte Zerstörung erfolgte durch Feuer 1932 bzw. 1934. Am längsten hat die Amida-Halle überlebt, sie stammt aus dem Jahre 1605 und ist heute das älteste Bauwerk des Tempels. Das zweitälteste Gebäude ist die Pagode. Auch das monumentale San-mon überlebte das letzte große Feuer, ist aber nicht ganz so alten Datums. Der gegenwärtige Tempel wurde 1942-1944 unter der Anleitung des Architekten und Honorarprofessors der Universität Kyoto, Dr. Amanuma Shunichi (1876-), wiederaufgebaut. Das nicht verbrannte San-mon ist aber dennoch nur 82 Jahre älter. Deshalb ist der Tempel zwar relativ neu, aber dennoch von sehr klassischem Stil. Er zählt zu den herausragendsten Holzbauwerken, die im 20. Jh. entstanden sind. Trotz des jungen Alters der gegenwärtigen Gebäude besitzt der Tempel etliche ältere Kunstschätze, darunter eine Darstellung von Buddha Amida zusammen mit Bodhisattvas, wie sie herabkommen, um die Gläubigen nach deren Tod zu empfangen (Raigo-zu). Weitere Tempelschätze sind Schiebetüren, die mit Kiefern im monochromen Suiboku-Stil (Suiboku-ga) und farbigen Tigern bemalt sind.

Der Tempel ist weiterhin eine Station auf dem Rakuyo-Kannon-Pilgerweg, der insgesamt 33 Kannon-Tempel in der Stadt Kyoto miteinander verbindet, am Rokkaku-do (Chobo-ji) beginnt und durch die Stadtbezirke Nakagyo-ku, Kamigyo-ku, Shimogyo-ku, Sakyo-ku, Higashiyama-ku und Minami-ku führt. Die Anzahl 33 orientiert sich an den 33 Erscheinungsformen der Kannon. In den verschiedenen Tempeln, manchmal in einem eigenen Kannon-do (Kannon-dou, Kannon-Halle) stehen jeweils als Hauptkultbild (Honzon) verschiedene Erscheinungsformen des Bodhisattvas der Barmherzigkeit. Der Kurodani (Konkaikomyo-ji) ist die 6. Station und wird nach dem Shinnyo-do angestrebt. Danach geht es weiter zum Choraku-ji im Stadtbezirk Higashiyama.


Rundgang und Beschreibung
Der Hauptzugang zum Tempel liegt im Süden mit dem riesigen, repräsentativen, zweistöckigen San-mon. Besonders eindrucksvoll ist die Wirkung des 1860 im Irimoya-Stil errichteten Tores von der Südseite, weil es sich oberhalb des breiten Treppenaufgangs aufbaut und so noch höher und monumentaler wirkt. Es ist als wichtiges Kulturgut der Präfektur Kyoto klassifiziert. Von der Hauptebene des Tempels hingegen hat man die Chance, die Architektur des Tores "auf Augenhöhe" zu betrachten. Über dem Durchgang hängt eine Tafel mit einer von Kaiser Go-Komatsu (1377-1433) kalligraphierten Inschrift ("Jodoshinshu saisho-mon", erstes Tor der Wahren Schule des Reinen Landes), letzter Rest des im Onin-Krieges zestörten Vorgängerbaus.

Ein zweiter Weg führt vom Südwesteck der Anlage und einem dort befindlichen Tor, dem So-mon vom konstruktiven Typ eines Korai-mon, ostwärts an einer Reihe von Parkplätzen entlang bis vor dieses Tor. Vom San-mon aus geht die zentrale Achse über eine Treppenanlage den Hang hinauf nach Norden und läuft direkt auf die Halle Miei-do (Goei-do) zu. Man kann alternativ an dieser Stelle, anstatt die steile Treppe zu nehmen, im Bogen rechts herum gehen, am Hasu-ike (Lotus-Teich, wird auch Kabuto no ike genannt) nordwärts abbiegen und den sanfteren Anstieg wählen, diese Wegführung nennt sich Onnazaka - Frauen-Anstieg.

Wählt man den steilen Treppenanstieg in der Hauptachse, passiert man rechterhand den zweistöckigen Kyodo (Sutrenspeicher, auch: Kyozo). Linkerhand passiert man den Glockenturm (Shoro) mit Bronzeglocke (Bonsho) und Satteldach, um den herum ein zweiter Aufstieg mit größerem Stufenabstand führt. Jenseits dessen Treppenmündung auf dem zentralen Platz befindet sich ein Restaurant (dort sind auch sanitäre Anlagen). Nördlich davon befindet sich das überdachte Handreinigungsbecken (Chouzusha).

Gegenüber auf der Ostseite befindet sich die einstöckige Amida-Halle (Amida-do), in der das Hauptbild (Honzon) ein wertvoller Amida Nyorai ist, der eine Arbeit von Eshin = Genshin (942-1017, Gründer der Eshin-Schule innerhalb des Tendai-Buddhismus und 6. Oberhaupt der Jodo-shin-shu) ist, seine letzte, denn das Schnitzwerkzeug wurde in den Hohlraum der Statue gelegt. Die weiße Decke der Halle ist mit einem Drachen bemalt (Tenryu-zu). Diese Halle ist das älteste Gebäude des ganzen Tempels. Weil sie etwas abseits von den übrigen Gebäuden steht, ist wohl das Feuer bei den Bränden nicht übergesprungen. Diese Halle wurde 1605 (Keicho 10) durch Toyotomi Hideyori als Ersatz für einen zerstörten Vorgängerbau errichtet (NICHT, wie überall zu lesen, durch Toyotomi Hideyoshi, der ist schon 1598 gestorben).

Beide Gebäude, Kyodo und Amida-do, haben eine ähnliche Front mit fünf Pfostenabständen, von denen die drei mittleren Flügeltüren tragen und die beiden äußeren glockenförmige Fenster haben. Im Eck zwischen beiden, im Südosteck des Vorplatzes, steht noch eine unauffällige kleine Kannon-Halle (Kibi Kannon-do), deren Wände weiß gestrichen sind. Die Kibi Kannon ist eine 2,60 m hohe Senju Kannon, eine tausendarmige Kannon, und ist als wichtiges Kulturgut eingestuft. Sie steht aber seit einiger Zeit im Mieido. Der Vorplatz selbst ist trotz der wenigen Bäume, hauptsächlich Kiefern (Matsu), nicht wirklich parkartig, sondern asphaltiert mit gepflasterten Wegen und wird auch als Parkplatz genutzt.

Die einstöckige Gründerhalle, Miei-do, die als Haupthalle genutzt wird, besitzt ein rechteckig auf vier Stützpfosten nach vorne vorgezogenes Irimoya-Dach. Eine zusätzliche Metallkonstruktion trägt den vorderen Rand des Daches über dem Stufenaufgang. Die nach Süden gerichtete Front ist sieben Pfostenabstände breit, die Seiten ebenfalls. An der Front werden die Abstände aber zur Mitte hin erheblich breiter, so daß der Grundriß der Halle rechteckig ist. Diese Halle wurde 1942 (Showa 19) erbaut, nachdem der Vorgänger 1932 (Showa 9) durch ein versehentlich ausgelöstes Feuer abgebrannt ist. Zu beiden Seiten des Treppenaufgangs stehen bronzene Laternen und kelchförmige Räucherstäbchenbecken. Im Innern wird eine hölzerne Statue des Gründers Honen verehrt, die ihn im Alter von 75 Jahren zeigt. Rückwärtig angesetzt ist ein kurzer Korridor, der zu einem sechseckigen Pavillon führt.

Ein weiterer Korridor führt rechts (östlich) von der Halle Miei-do zu einer zweiten Halle (O-Hojo, große Abtsresidenz) mit Karesansui-Garten (O-Hojo-Zentei) davor, der von einer bedachten Mauer eingefaßt wird. Der O-Hojo wurde 1944 erbaut, als Ersatz für den 1934 abgebrannten Vorgängerbau. Von Süden her führt ein Kara-mon in den geschlossenen Bereich. Rechts neben dem Tor wachsen ein paar Pflaumenbäume (Ume). An der Ostseite des Vorplatzes befinden sich der Seiwa-dono, das Tempelbüro (Jimusho), und dahinter der Kuri (Küchenbau und persönlicher Lebensbereich der Mönche). Zwischen diesem Block und der Gartenmauer befindet sich ein Genkan (formeller Eingang), durch den man zum Ko-Hojo (kleine Abtsresidenz) und nach links zum O-Hojo (große Abtsresidenz) kommt. Im Osten befinden sich hinter dem Kuri weitere Gebäude, darunter eine Trainingshalle (Dojo). Die Räume Ekken-no-ma (Empfangsraum für Gäste), Tora-no-ma (Tiger-Raum) und Matsu-no-ma (Kiefern-Raum) sind nur im Rahmen von Sonderöffnungszeiten im Frühjahr und Herbst zugänglich.

Parallel zum Hauptzugang über das San-mon gibt es einen zweiten Zugang zum Tempelkomplex, der am Okazaki-Schrein nordwärts verläuft und dabei das Südtor (Minami-mon) passiert. Es ist ein einfaches Tor mit ausladendem Satteldach. Wenn man am Ende dieses Weges nach links abbiegt, gelangt man über die Paradies-Brücke (Gokuraku-bashi) über den Lotus-Teich (Hasu-ike) ebenfalls zu den Hauptgebäuden des Tempels. Biegt man aber auf Höhe des Hasu-ike statt dessen nach rechts ab, kommt man zu einem geraden, langen Stufenweg, der an einer Gokoshiyui Amidabutu-Statue zur Linken und einem quadratischen Mausoleum (Gobyo) mit Pyramidendach, für Enko Daishi (= Honen Shonin), zur Rechten vorbei durch den Friedhof hindurch den Hang hinaufführt und an der dreistöckigen Pagode (Sanju-no-to, wörtlich drei-Ebenen-Bezugspartikel-Turm), genannt Monju-to, endet. Sie wird so genannt, weil im Andachtsraum im Erdgeschoß bis vor kurzem eine Statue des Bodhisattva Manjusri (Monju Bosatsu) samt Begleitung verehrt wurde, übrigens sehr qualitätvolle Arbeiten (und wichtiges Kulturgut), die Unkei (1151-1223) zugeschrieben werden. Derzeit sind die Figuren im Mieido aufgestellt. Die Pagode (wichtiges Kulturgut) wurde 1633/1634 (Kan'ei 10) erbaut, um hier für den zweiten Tokugawa-Shogun zu beten, Tokugawa Hidetada. Weil die Pagode so weit abseits auf dem Hang steht, hat sie die nachfolgenden Tempelbrände überlebt. Von hier oben hat man sehr schöne Ausblicke auf die Stadt. Das steil am Hang ansteigende Friedhofsgelände ist insbesondere zur Kirschblütenzeit ein Augenschmaus, und zu Sonnenuntergang, wenn das Gegenlicht eine goldene Aura um die Gebäude zaubert. Auf dem Tempelgelände gibt es recht großes Monument für Ogoh, die Mutter von Tokugawa Iemitsu, dem 3. Tokugawa-Shogun. Sie wurde von Frau Kasuga aufgestellt.

Auf der Ostseite des Geländes gibt es wegen des Steilabfalls des Geländes keinen weiteren Zugang. Ein drittes Tor ist an der Nordwestecke des Geländes zu finden, das Nordtor (Kita-mon). Es steht an der Straße, die den Kurodani-Komplex vom Shinnyodo trennt, direkt an der Friedhofsecke. Konstruktiv ist es vom Typ eines Korai-mon mit zwei parallelen rückwärtigen Satteldächern über den Torflügelanschlägen. Nach einer Biegung geht die Straße in Südrichtung über und mündet nach Passieren eines weiteren Friedhofs auf dem zentralen Platz neben der Halle Miei-do. Ein weiterer Zuweg, aber ohne Tor, führt von Westen her über eine Treppenanlage auf die mittlere Ebene der Tempelanlage. Die Straße kreuzt die Hauptachse zwischen San-mon und zweitem Treppenaufstieg zur Hauptebene.


Gärten
Im Rücken des O-Hojo, im Norden, liegt ein Garten (Shiun-no-niwa, Garten der purpurnen Wolke) mit dem Teich Yoroi-ike (O-ike) und den beiden Teehäusern (Chashitsu) Shiun-tei (Teehaus der purpurnen Wolke) und Hanamine-an. Die purpurne Wolke, die in der Namensgebung auftaucht, hat einen Bezug zur Herabkunft Amidas, denn auf Darstellungen seiner Herabkunft (Reigo-zu) steht er auf eben so einer Wolke. Der Shiun-no-niwa wurde geschaffen, um des 800. Todestages von Honen Shonin zu gedenken. Er hat eine Ausdehnung von ca. 700 m2. Dieser Garten wurde von der Firma Ueyakato Landscape im Jahre 2006 gestaltet. In einem Trockengarten stellen Steine verschiedener Größe, Farbe und Struktur das Leben des Gründers dar mit Personen, die in Beziehung zu ihm standen. Wie in einer Bildrolle ziehen die Szenen in Honens Leben am wandernden Betrachter vorbei. Wenn man den Garten vom O-Hojo (Nordostveranda) aus betrachtet, wird rechts Honens Kindheit in Mimasaka (Präf. Okayama) dargestellt, links die asketische Lehrzeit im Hieizan Enryaku-ji, und in der Mitte schließlich die Gründung der eigenen Schule und dieses Tempels. In jedem der drei Teilgebiete ist die Grundlage eine Moosfläche, in der die Steine arrangiert sind. Gerundete Steine mit weicher Oberfläche stehen für weibliche Elemente oder angenehme Eigenschaften, rauhe und zerklüftete Felsen stehen für männliche Elemente oder härtere Eigenschaften. Für die Kindheit, rechts des Weges, sollen beispielsweise der Vater Uruma no Tokikuni, die Mutter Hatauji und der Onkel Kangaku symbolisiert werden. Zwei verschiedene Steine stehen für Seishimaru, also Honen mit seinem Kindernamen, einmal als auffallend rosafarbener kleiner Stein, denn aka = rot und aka-go = Baby, und einmal als Symbol seiner Mönchwerdung zunächst unter den Fittichen seines Onkels. Für die Phase auf dem Berg Hiei, links des Weges vor dem Teich mit Steinbrücke und dem Waldrand dargestellt, sollen mit den Felsen beispielsweise die Tendai-Mönche Genko, Koen, Eiku und Genku sowie der Biwa-See (Teich im Hintergrund) und der Ort Sakamoto symbolisiert werden. Honen selbst wird hier ebenfalls durch einen leicht rötlichen Stein dargestellt, was ein Zeichen seiner damaligen Unerfahrenheit sein soll. Aber dieser Stein ist viel weniger rot als der seiner Kindheit.

Die Phase der Gründung der eigenen Jodo-Schule hat die meisten Steine. Etwas abseits von den anderen liegt in einer eigenen kleinen Moosfläche der Shiun-Felsen, der eine purpurne Wolke darstellen soll. Die anderen Steine stehen für Honen Shonin selbst (der größte der Felsen, der mit seiner V-fömigen Einkerbung an ein umgelegtes Mönchsgewand erinnern soll) und seine Schüler und Nachfolger Genchi Shonin, Shinku Shonin (sein erster und längster Anhänger), Tanku Shonin, Egi Shonin und Unku Shonin. Ein weiterer Stein steht für Kumagai Naozane (1141-1208), den Genji-Krieger, der aus Gram über die Tötung des jungen Prinzen Taira no Atsumori (1169-1184) in der Schlacht von Ichi-no-tani, eine der tragischsten Geschichten in der japanischen Kriegsgeschichte, Honens Schüler wurde und den Mönchsnamen Rensei annahm. Die Bezeichnungen Yoroi-ike (Rüstungs-Teich) und Kabuto no ike (Helm-Teich) spielen auf diese Geschichte an, hier soll er seine Rüstung ausgezogen und gewaschen haben. Ein weiterer Stein steht für Kanezane Kujo, ein Regent der späten frühen Kamakura-Zeit, der Honen protegierte. Im Hintergrund der Steine wächst die Shokaku-Kiefer, sie steht für Langlebigkeit. Ihre in die Breite gezogenen Äste erinnern an Schwingen eines Kranichs und implizieren damit ein zweites Langlebigkeitssymbol.

Nördlich des Shiun-no-niwa und des Yoroi-ike befindet sich der erst vor wenigen Jahren angelegte Garten "Goen-no-michi". Der Name "Go-en" (Begegnen, Verbinden) bezieht sich das den grundsätzlichen Glauben an "engi", glückliche Vorhersehung, basierend auf der Tatsache, daß alle Dinge letztendlich zusammenhängen und Dinge letztendlich passieren, weil sie miteinander verbunden sind, auch wenn es wie Zufall erscheint. Und wie die Dinge sind die Menschen miteinander verbunden und letztendlich voneinander abhängig. "Michi" bedeutet "Straße" - der Garten ist eine symbolische Begegnungsstraße oder eine Straße der Begegnung. Dieser Garten wurde 2012 von der Firma Ueyakato Landscape gestaltet. Vom Hauptweg geht ein Weg aus mehr oder weniger rechteckigen purpurfarbenen Platten (Purpur als Mischung aus Blau und Rot) bis zu einem großen zentralen Stein. Die Mischfarbe symbolisiert den gemeinsamen Verlauf beider Wege in diesem Teilstück. Und die Farbe Purpur hat wiederum Bezug zu Amidas Herabkunft. Der Zentralstein war früher einmal eine Pfostenbasis irgendeiner Holzarchitektur. Deswegen wird er auch Garan-Ishi genannt, Garan = Tempelanlage, Ishi = Stein. Hier heißt er Deai-no-ishi, Treffpunkt-Stein. Hinter dem Zentralstein gabelt sich der Weg in einen mit roten Steinen (Diorit vom Berg Kurama, Kyoto) und einen mit blauen Steinen. Auch wenn es zwei Wege sind, sind sie miteinander verbunden, denn in den roten Steinen liegt ein einzelner blauer und umgekehrt. Umgekehrt betrachtet verschmelzen hier zwei Wege, die bereits unterschwellig eine Verbindung miteinander haben, zu einem gemeinsamen Weg mit kombinierten Eigenschaften. Ziel bzw. Ausgangspunkt der geteilten Wege ist ein offener, quadratischer Pavillon mit Pyramidendach.

In den Verbindungsweg zwischen beiden Gärten sind insgesamt 33 flache, buckelige, dunkle "Schildkrötensteine" eingearbeitet, wobei der große Schildkrötenstein im Teich mitgerechnet wird. Diese Zahl 33 nimmt wiederum Bezug auf die Kannon-Pilgerschaft, wo der Kurodani eine Station von 33 Tempeln ist. Beide Gärten sind im Rahmen von Sonderöffnungszeiten im Herbst zugänglich, dann kostet es auch Eintritt. Rechts und links dieser beiden Gärten erstreckt sich dichter Baumbestand bis zur Grenze zum Shinnyodo.


Subtempel
Etliche Subtempel (Tatchu), insgesamt 18 Stück, gruppieren sich um die zentrale Struktur. Im Südwest-Viertel sind es sieben Tempel, der Chokaku-in, der Saiju-in, der Choan-in und der Zuisen-in im nördlichen Bereich und der Koan-ji, der Jogen-ji und der Zenkyo-in im südlichen Bereich.

Im Südost-Viertel liegen gleich rechterhand des San-mon der Konko-in und der Joko-in. Südlich von diesen beiden liegt der Kurodani-Kindergarten. Weiter östlich folgen beiderseits eines weiteren Nord-Süd-Weges der Renchi-in, der Shoju-in und der Seishi-in (von Westen nach Osten). Weiter abgesetzt im Süden liegt der Shinshu Otani-ha Okazaki-betsu-in, gegenüber den Okazaki-Schreinen.
Im Nordwest-Viertel liegen im südlichen Bereich die Subtempel Seio-in (mit Teehaus) und Eiun-in, alle westlich des Nord-Zuweges. Weiter nördlich folgt der Ryuko-in. Östlich des Nord-Süd-Weges liegt der Eisho-in (Tor im Südwesteck, Kuri im Westen, Hondo im Osten, angrenzend der ausgedehnte Garten Sakae Setsu-in teien).

Im Nordost-Bereich liegt noch ein Subtempel, der Saiun-in, der an den Aizu-Friedhof grenzt, der Begräbnisstätte für die "Märtyrer" der Aizu-Familie und der Kuwana-Familie, die in der Schlacht von Toba-Fushimi 1868 starben, ein Kampf zwischen Anhängern des Shogunats und des Kaisertums, der mit dem Sieg der kaiserlichen Truppen und der Niederlage des Shogunats endete. Diese Vorgänge dienten übrigens als ganz lose Vorlage für die Verfilmung "der letzte Samurai", wobei man im Ergebnis die tatsächlichen historischen Fakten nicht wirklich wiedererkennt. Zuvor waren diese Samurai-Soldaten des Shinsengumi, die als Schutztruppe für das Shogunat kämpften, auf dem gut zu verteidigenden Tempelgelände stationiert. Der letzte Daimyo von Aizu war Katamori Matsudaira (1836-1893), und er war während der Bakumatsu-Zeit als Militärgouverneur für die Sicherheit der Stadt Kyoto zuständig. Er stattete die Shinsengumi mit polizeiähnlichen Rechten aus. Was heute so friedlich wirkt, hatte also um 1860 eine bewegte kriegerische Geschichte, denn der Konkaikomyo-ji war der Geburtsort der Shinsengumi. Das Tor (Mon) zum Tempel liegt an der Südostecke des eingefriedeten Bereichs. Im Süden der Haupthalle (Hondo) steht innerhalb der Einfriedung ein viereckiges Gebäude mit Pyramidendach, dort ist im Inneren der Stein Shiunseki zu sehen, ein großer, abgeschliffener und gerundeter Felsblock mit interessanter Oberflächenstruktur. Vom Namen her begegnet uns wieder einmal die purpurfarbene Wolke = Shi-un, und seki = Felsen. Auf diesem Felsen sitzend soll der Legende nach Honen eine verheißungsvolle purpurfarbene Wolke in Richtung des Westlichen Paradieses gesehen haben, woraufhin er beschloß, hier seinen Tempel zu gründen. Deshalb ist dieser Felsen eine der wichtigsten Erinnerungsstücke im Tempel. Im westlichen Bereich des Subtempels liegt der Kuri. Hinter dem Saiun-in führt der Weg zum Tempel Shinnyodo.


Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@35.0193205,135.7880352,18z - https://www.google.de/maps/@35.0193193,135.7879573,194m/data=!3m1!1e3
Webseite des Tempels:
https://www.kurodani.jp/recommend/ - https://www.kurodani.jp/en/
John H. Martin, Phyllis G. Martin: Kyoto - 29 Walks in Japan's Ancient Capital, 376 S., Verlag: Tuttle Pub. 2011, ISBN-10: 4805309180, ISBN-13: 978-4805309186, S. 86-87
auf Kyotofukoh:
https://kyotofukoh.jp/report188.html
auf Japan-Kyoto:
https://japan-kyoto.de/tempel-konkaikomyoji-in-kyoto/
auf Wikipedia:
https://en.wikipedia.org/wiki/Konkaik%C5%8Dmy%C5%8D-ji - https://ja.wikipedia.org/wiki/%E9%87%91%E6%88%92%E5%85%89%E6%98%8E%E5%AF%BA -
auf Inside Kyoto:
https://www.insidekyoto.com/kurodani-temple-konkai-komyo-ji-temple-northern-higashiyama - https://www.insidekyoto.com/2010/03/kurodani-konkai-komyo-ji.html
auf Tale of Genji:
http://www.taleofgenji.org/kurodani.html
bei Asano Noboru:
http://kyoto.asanoxn.com/places/okazaki/konkaikomyoji.htm
auf Japan Visitor:
https://www.japanvisitor.com/japan-temples-shrines/kurodani
auf Japanhoppers:
https://www.japanhoppers.com/de/kansai/kyoto/kanko/834/
auf Japantravel:
https://jal.japantravel.com/kyoto/okazaki-jinja-and-konkaikomyo-ji/6068 - https://en.japantravel.com/kyoto/the-hills-of-kurodani-temple-kyoto/12604
auf Trip Kyoto:
http://eng.trip.kyoto.jp/spot/db/kurodani/ - http://eng.trip.kyoto.jp/plan/bestautumntintsspots_20141031/4/
auf Tourist Guide:
https://tguide.jp/en/spot/636
auf Travel Navitime:
https://travel.navitime.com/en/area/jp/spot/02301-1301370/
Ueyakato Landscape: Tempelgärten
https://ueyakato.jp/en/gardens/kurodani/ - Goen-no-michi: http://ueyakato.jp/en/wp-content/uploads/sites/2/2014/08/3103f413729946e072775b9f0077f31e.pdf - Shiun-no-niwa: http://ueyakato.jp/en/wp-content/uploads/sites/2/2014/08/50f606bf0d93fde1ce08e1c4506bca4b.pdf
auf Travelcaffeine:
https://www.travelcaffeine.com/konkaikomyoji-kurodani-temple-kyoto/
Drohnenaufnahmen:
https://travelwithdrone.com/kurodani-temple/
auf Kyoto-Kanko:
http://kyoto-kanko.net/kyoto-spot/kyoto-spot-2745/
Honen:
https://de.wikipedia.org/wiki/H%C5%8Dnen
Kurodani als Kannon-Pilgerstation:
https://rakuyo33.info/06.htm und https://www.kurodani.jp/recommend/kannon.php


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