Bernhard Peter
Kyoto, Hokongo-in


Lage und Erreichbarkeit
Der Hokongo-in (Hou-kongou-in) ist ein Tempel im Nordwesten der Stadt Kyoto, im Stadtbezirk Ukyo und neben dem Hügel Narabigaoka im Stadtteil Hanazono gelegen (Adresse: 49 Hanazono Oginocho, Ukyo-ku, Kyoto City, Kyoto, 616-8044, Japan). Man erreicht den Tempel am bequemsten ab Hauptbahnhof mit der JR Sagano Line, Ausstieg am Bahnhof Hanazono (4. Halt ab Hauptbahnhof), direkt schräg gegenüber dem Eingang gelegen. Für JR-Paß-Inhaber ist das die sinnvollste Anreise; alle anderen Möglichkeiten kosten. Eine Bushaltestelle befindet sich an der Maruta-machi Dori direkt neben dem Eingang. Für die Tagesplanung bietet sich eine Kombination mit dem nahen Myoshin-ji an, und in der anderen Richtung mit dem Koryu-ji.

Der Tempel ist nicht überlaufen, trotz der guten Verkehrsanbindung. Im Gegenteil, die Massen kommen nicht hierhin, noch nicht einmal zum Myoshin-ji, und hierhin erst recht nicht. Die Gebäude sind nichts Besonderes. Der größte Schatz des Tempels ist sein weitläufiger Garten im Stil der Heian-Zeit, wo man in der Millionenstadt auch schon mal Reiher beobachten kann. Zum anderen besitzt der Tempel eine beeindruckende Statuensammlung (keine Photographieerlaubnis). Beides zusammen macht den Besuch lohnend, auch wenn die nahe Hauptverkehrsstraße die Idylle akustisch beeinträchtigt.


Geschichte und Bedeutung
Der Tempel hat sich aus einer Residenz entwickelt und war ursprünglich ein Heian-zeitlicher Landsitz von Kiyohara no Natsuno (782-837), einem Abkömmling des kaiserlichen Hauses, seinerzeit Jurist, Hofbeamter und Minister zur Rechten (Udaijin), dazu einer der Autoren des Regelwerks "Ryo no gige" im Jahre 833. Nach seinem Tod 837 wurde die Residenz in einen Tempel umgewandelt. Fujiwara no Tamako, die Frau des zurückgetretenen Kaisers Toba, auch bekannt unter dem Namen Taikenmon-in, richtete den mittlerweile verfallenen Tempel um 1130 wieder her. Unter dem Ashikaga-Shogunat wurde es ab 1341 ein Familientempel. Der Onin-Krieg ließ davon nur rauchende Trümmer übrig. Erst 1617 interessierte sich Shochin vom Tempel Sennyu-ji für die Stelle und baute den Tempel wieder auf; eine neue Haupthalle wurde errichtet. Als 1899 die Eisenbahnlinie gebaut wurde, wurde das Tempelgelände entzweigeschnitten; der südliche Teil ging in der Folgezeit verloren. Tiefgreifende Änderungen gab es 1937/1939, als die Maruta-machi Dori angelegt, und später noch einmal, als sie verbreitert wurde. Dafür wurde der Tempelgrund beschnitten, und einige Gebäude mußten versetzt werden. Deshalb stehen z. B. jetzt Tor und Glockenturm unmittelbar nebeneinander, weil in der Längsachse die Gebäude zusammenrücken mußten. Auch der Jizo-in wurde 1968 verlegt. Im Zuge dieser Umgestaltung wurden etliche Gebäude erneuert. 1968-1971 wurde der Garten restauriert.

Der Bergname (San-go, san = Berg, go = Titel) des Tempels lautet Goi-san. In religiöser Hinsicht gehört der Tempel zur 753 in Japan eingeführten Ritsu-Schule (Ritsu-shu = Risshu, Ritsu = Verhaltensregeln), eine der sechs buddhistischen Schulen, die sich in Japan während der Nara-Zeit entwickelt hatten.


Struktur der Anlage und Beschreibung
Der Zugang erfolgt von Süden an der Maruta-machi Dori durch das Omote-mon. Unmittelbar hinter diesem steht links des Zuweges der Glockenturm (Shoro) mit Satteldach. Er ist zierlich und niedriger als das Tor. Ein Stück weiter nach Norden steht nördlich des Weges der große Sutrenspeicher (Kyozo), ein modernes, verputztes Gebäude auf quadratischem Grundriß mit Pyramidendach. Westlich von diesem führt der Weg durch das mittlere Tor (Chu-mon) am Tempelbüro vorbei weiter nach Norden zum Kuri (Küchen- und Wirtschaftsbau), an den rechterhand im Osten der Shoin angrenzt, an den zum Garten ein geschwungenes Vordach angebaut ist. Im Westen des Kuri befindet sich eine Teestube (Chashitsu). Zwischen Kuri und Shoin führt ein gedeckter Korridor weiter nach Norden, wo sich im Osten der Raido (Hondo) mit Tsuridono an seiner Nordseite und im Westen der Butsuden (Shuzoko) befinden; von letzterem führt noch ein Korridor nach Norden weiter zu einem letzten Gebäude der Baugruppe.

In den Räumen des Tempels gibt es etliche Statuen, Malereien und kunsthandwerkliche Erzeugnisse. Das Hauptbild des Tempels ist eine sitzende Amitabha-Figur (Amida Nyorai, Amitabha Tathagata, wichtiges Kulturgut) in der Haupthalle. Die auf ca. 1150 datierte Figur wurde von Inkaku geschnitzt, einem Schüler von Injo, dem Gründer der Inpa-Schule. Weiterhin wird hier eine phantastisch erhaltene, immerhin über 800 Jahre alte elfköpfige Kannon (Juichimen Kannon) verehrt.

Den östlichen Teil des Tempelgeländes nimmt der Garten ein, in dessen Zentrum der Gartenteich (En-chi) liegt. In ihm finden wir klassische Gestaltungselemente wie Schildkröteninsel (Kamejima) und Kranichinsel (Tsurushima), die beide von der Südseite des Teiches aus mit Steinbrücken nacheinander erreichbar sind. Besonders attraktiv ist der Garten im Juli, weil hier ca. 90 verschiedene Lotus-Sorten kultiviert werden. Im Norden des Sees befindet sich der Wasserfall Ao-onna-no-taki, der älteste künstliche Wasserfall des Landes. Er stammt noch aus der Mitte des 12. Jh. und wurde erst 1968 wiederentdeckt. Das Wasser stürzt über zwei Steinhöhen hinab und bildet einen kleinen Bach, der seinen Weg zum Lotusteich sucht. Deshalb ist der ganze Garten auch als Stätte besonderer landschaftlicher Schönheit klassifiziert. Natürlich hat keine einzige der restlichen Gartenanlagen 1200 Jahre bis heute überdauert. Aber es gibt historische Beschreibungen und alte Gemälde, die das damalige Aussehen überliefern. Die Anlagen sind vor wenigen Jahrzenten vom Gartenarchäologen Osamu Mori (1905-1988) restauriert worden, von einem Fachmann, der sich auf die Wiederherstellung alter Anlagen spezialisiert hatte, und der hier das Heian-zeitliche Aussehen des Gartens wiedererschuf, so daß er heute wieder das ästhetische Prinzip "Miyabi" ausstrahlt, eine natürliche Eleganz in all seinen Details. Im Norden befindet sich ein Hügel, der zu einem ehemaligen Kofun-Grab gehört, dem San-no-oka Kofun. An seinen Hängen sind Jizo-Figuren zu finden.


Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@35.0192192,135.7162579,18.75z - https://www.google.de/maps/@35.0191187,135.7160052,89m/data=!3m1!1e3
Webseite des Tempels:
http://houkongouin.com/
auf Kyotofukoh:
https://kyotofukoh.jp/report615.html
Ian Littlewood, Ayumi Oe Littlewood: Kyoto Without Crowds, A Guide to the City's Most Peaceful Temples and Gardens, 264 S., CreateSpace Independent Publishing Platform, 1. Auflage 2018, ISBN-10: 1978158998, ISBN-13: 978-1978158993, S. 54-55
auf Tale of Genji:
http://www.taleofgenji.org/hokongoin.html
auf Travel Navitime:
https://travel.navitime.com/en/area/jp/spot/02301-1700261/
auf Japan Travel:
https://en.japantravel.com/kyoto/temple-hokongo-in/34785
auf Happy Travelling:
http://happy-travelling.com/shop/hokongo-in-temple/
bei Asano Noboru:
http://kyoto.asanoxn.com/places/hanazono/hokongoin.htm
Judith Clancy, Ben Simmons: Kyoto Gardens - Masterworks of the Japanese Gardener's Art, 144 S., Verlag: Tuttle Shokai Inc. 2015, ISBN-10: 4805313218, ISBN-13: 978-4805313213, S. 110-113
Bei Damien Douxchamps:
https://damien.douxchamps.net/photo/japan/kansai/kyoto/west/hokongo-in/


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