Bernhard Peter
Shinto-Schreine: Otsu, Mio jinja


Der Mio jinja, von Einheimischen Mio-san genannt, liegt unmittelbar vor dem Miidera im Osten des weitläufigen Geländes, und zwar genau an der Stelle, an der der Biwa-See-Kanal seinen Weg in die unterirdische Führung durch einen Tunnel unter dem Nagara-yama nimmt (Adresse: 251 Onjojicho, Otsu-shi, Shiga-ken 520-0036). Der Kanal sicherte die Wasserversorgung von Kyoto und Osaka, kam im Ortsteil Yamashina wieder ans Tageslicht, wurde dann wieder durch den Okayama-Tunnel geführt, um schließlich im Kyotoer Stadtbezirk Sakyo wieder herauszukommen. Vom Biwasee bis zum Kamo-gawa in Kyoto sind es ca. 18 km. Zurück zum Schrein: Vier Gebäude stehen genau in einer Ost-West-Achse, die allseits offene Halle für die Aufführungen von Tempeltänzen, das Tor, die Zeremonienhalle (Heiden) und der eigentliche Schrein (Honden). Der Honden ist noch zusätzlich rechteckig eingefriedet. Im Vorgelände zwischen Tor und Zeremonienhalle befindet sich südlich des kleinen Platzes das Schreinbüro mit dem Devotionalienverkauf. Etwa auf Höhe des Zwischenraumes zwischen Honden und Zeremonienhalle steht im Norden noch ein weiterer, kleinerer Schrein von sehr hübscher Machart isoliert und frei. Das Ensemble wird etwas gestört durch die Anlage eines Parkplatzes rings um die offene Halle. Die Straße macht zwar einen großen Schlenker um das Vorgelände, aber der Zuweg mit dem Torii kann wegen des Kanals schon nicht mehr in Linie mit den anderen Gebäuden stehen, und durch die Nutzung des Parkplatzes als abkürzende Querverbindung empfindet man die Halle als "außerhalb", obwohl sie eine konzeptionelle Einheit mit dem inneren Bereich bildet, die nur städtebaulich verlorengegangen ist. Der Schrein Mio jinja soll angeblich auf die Zeit zurückgehen, als der mythologische Izanagi no Mikoto, der Gott Izanagi, auf die Erde kam und auf dem Berg Nagara-yama seine Wohnstatt nahm. Er wurde "dreischwänziger Gott" genannt, weil er drei herabhängende Gürtel in den Farben Rot, Schwarz und Weiß trug, die in ihrer Form und Trageweise Schwänzen ähnelten. Ein immer wieder am Schrein auftauchendes Symbol ist der Hase in leicht naiv gezeichneter Frontalansicht, und der Bezug zu diesem Tier zeigt sich auch in den Festen, wenn sie im Jahr des Hasens nach dem chinesischen Kalender stattfinden.

Blick durch das Tor auf die Zeremonienhalle. Der Weg wird von zwei Steinlaternen flankiert.

Rechts vom Eingang kauern auf den beiden Postamenten zwei Hasen.

Der eigentliche Schrein (Honden) im rückwärtigen Teil der Anlage ist noch einmal separat eingefriedet.

 

Ein Subschrein im Norden des Hauptschreines mit einer interessanten Kragbalken-Konstruktion.

Vor das weit vorgezogene Dach ist eine weitere Überdachung des Zuweges gesetzt.

Zwei weitere kleine Nebenschreine auf dem Gelände.

Kara-mon mit geschwungenem Dach. Eine kleine Treppe führt vom Vorplatz herauf in den mittleren Bereich der Anlage.

Die Zeremonienhalle besitzt ein Irimoya-Dach (Fußwalmdach) mit angesetzter geschwungener Überdachung des Eingangs.

Die allseits offene Aufführungs-Plattform mit Irimoya-Dach befindet sich heute außerhalb inmitten eines Parkplatzes.


Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf google maps: https://www.google.de/maps/@35.0114296,135.8554497,20z - https://www.google.de/maps/@35.0114652,135.8553819,83m/data=!3m1!1e3
Schrein:
http://www.shiga-jinjacho.jp/ycBBS/Board.cgi/02_jinja_db/db/ycDB_02jinja-pc-detail.html?mode:view=1&view:oid=58
Mio-Schrein:
http://rekishihyakka.jp/en/heritage/082/
Izanagi:
https://de.wikipedia.org/wiki/Izanagi_und_Izanami
Izanagi:
http://eos.kokugakuin.ac.jp/modules/xwords/entry.php?entryID=82


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