Bernhard Peter
Buddhismus und Gesellschaft: Monzeki-Tempel


Merkmale eines Monzeki-Tempels
Einige wenige Tempel werden als Monzeki-Tempel bezeichnet. Monzeki bedeutet, daß traditionell ein Prinz aus dem Hochadel oder Kaiserhaus das Oberhaupt des Tempels ist. Das Oberhaupt selbst, die Person, wird auch Monzeki genannt. Als Miya-monzeki bezeichnet man einen Tempel, dem ein Kronprinz vorsteht. Ein Tempel kann von Anfang an als Monzeki-Tempel gegründet werden oder auch im Laufe seiner Geschichte zum Monzeki-Tempel werden. Bis 1869 war es in den Monzeki-Tempeln gängige Praxis, eine Oberpriester-Vakanz mit einem nachgeborenen Kaisersproß zu besetzen.

Die Oberpriester führten ein quasi doppeltes Leben als Aristokrat und Mitglied der kaiserlichen Familie einerseits und als religiöser Führer andererseits. Sie führten ein Leben als Mönch und hatten gleichzeitig einen aristokratisch luxuriösen Lebensstil, und auch in die Politik mischten sie sich ggf. weiter ein. Wenn ein Mitglied des Kaiserhauses Abt wurde, ging das Verfahren auch erheblich schneller als für normale Mönche vorgesehen war. Normalerweise hatten z. B. angehende Tendai-Mönche erst einmal 12 Jahre auf dem Berg Hiei zu verbringen - Mitglieder der kaiserlichen Familie wurden eher zügig ordiniert.

Ninna-ji in Kyoto, Opulente Ausstattung des Shinden, dritter Raum mit Tokonoma

Diese Tempel erfuhren eine bevorzugte Behandlung und haben typischerweise eine besonders wertvolle Ausstattung. Ereignete sich ein Unglück wie Brand oder Krieg, wurde hier besonders rasch mit staatlicher Hilfe wiederaufgebaut. Die Bauweise der Wohnquartiere des Abtes ist palastartig im während der Heian-Zeit entwickelten Shinden-Stil, und besonders gerne wurden solchen Tempeln abgelegte Hallen aus dem Kaiserpalast übereignet. Sicherstes Kennzeichen eines Monzeki-Tempels ist das Auftauchen des Kiku-mon, des kaiserlichen Chrysanthemenwappens an prominenter Stelle, z. B. auf Toren, Lampen etc. Das kann dazu noch mit dem Kiri-mon ergänzt werden.

Daikaku-ji in Arashiyama: Chrysanthemen-Ornament am Mie-do

Ein weiteres Merkmal ist das Auftreten zweier bestimmter Bäume vor dem Shinden, ein kleines Abbild der Anordnung im kaiserlichen Palast, z. B. ein Tachibana-Baum (Ukon no tachibana, eine Zitrusfrucht-Art, Citrus tachibana) und ein Sakura-Baum (Sakon no sakura, Kirschbaum) vor der Halle im Shoren-in.

Shoren-in in Kyoto: Südwestecke des Shinden, rechts eingezäunt Tachibana und Sakura.

Monzeki-Tempel haben eine gewisse Sonderstellung hinsichtlich ihres Besitzes. Zuwendungen (Land, Besitz) an einen Monzeki-Tempel verbleiben ausschließlich bei diesem Tempel, ohne daß der Muttertempel (z. B. bei den Tendai-Monzeki der Enryaku-ji) Zugriff darauf gehabt hätte, selbst nach dem Ableben des beschenkten Abtes. Dieser Besitz wurde von Abt zu Abt weitergegeben und unterlag nicht der Kontrolle durch die Hauptverwaltung der Tempelgruppe, zu der der betreffende Monzeki-Tempel aus religiöser Sicht gehörte. Diese materielle Unabhängigkeit unterstreicht die Sonderstellung der so begünstigten Tempel. Diese ungeteilte Besitzstandswahrung begründet auch den materiellen Wohlstand der Monzeki-Tempel und die reichen Kunstbestände, denn das Vermögen wurde in Sutrakopien, Wandmalereien und Bildwerke investiert, und man konnte sich so einen hohen künstlerischen Standard leisten.

Der Begriff wurde später ausgedehnt, und es wurden mehrere Arten Monzeki-Tempel unterschieden: Miya-monzeki (höchste Kategorie, das Oberhaupt ist ein kaiserlicher Prinz), Sekke-monzeki (das Oberhaupt entstammt einer Familie des Hochadels, die Regenten stellen konnten, also z. B. aus den fünf wichtigeren Zweigen der Fujiwara-Dynastie), Seika-monzeki (das Oberhaupt stammt aus einer der anderen Kuge-Familien) und Jun-monzeki (gab es seit 1465, das Oberhaupt ist ein Mitglied der kaiserlichen Familie). Zu den Jun-monzeki gehörten beispielsweise der Bukko-ji und der Senshu-ji. Wer jetzt genau zu welcher Kategorie gehört und dazugerechnet wird, variiert je nach Quelle. Als Beispiel listet Unjo meiran taizen 13 Miya-monzeki, 6 Sekke-monzeki, 6 Jun-monzeki und 15 Bikuni Gosho (s. u.).

Es gibt übrigens auch Tempel, in denen weibliche Angehörige des Kaiserhauses oder des hohen Hofadels dem Tempel vorstehen, die werden Ama-monzeki genannt. Ein Beispiel ist der Reikan-ji in Kyoto. Andere Ausdrücke sind Bikuni Go-monzeki oder Bikuni Gosho; die Prinzessinnen selbst hießen Ama Miya.

Die Sonderstellung dieser Tempel wurde erst in den Meiji-Reformen abgeschafft. In dieser Zeit wurde der Shintoismus gefördert und der Buddhismus geschwächt. So kam es zu einem Schlußstrich unter einer ein Jahrtausend lang gepflegten sehr engen Bindung zwischen Kaiserhaus und Buddhismus. Alle Miya Monzeki gaben ihre Stellung auf und kehrten in ein säkulares Leben zurück.


Beispiele für Monzeki-Tempel:
Insgesamt gibt es in ganz Japan mit seinen mehr als 200000 Tempeln nur eine kleine zweistellige Anzahl Monzeki-Tempel, wobei die Häufung in und um den kaiserlichen Sitz Kyoto natürlich am größten ist.

Enman-in Monzeki in Otsu (Präfektur Shiga): Es war der kaiserliche Prinz Munehira (951-1041), der dritte Sohn des Kaisers Murakami (924-967, regierte 946-967) mit dessen Konkubine Fujiwara no Seihi, der während der Heian-Zeit im Jahre 987 den Enman-in gründete und der erste Abt war. Nachfolger im Amt des Kaisers wurden der 2. und der 7. Sohn des Kaisers Murakami, beide mit seiner Hauptfrau Fujiwara no Anshi.

Bishamon-do in Yamashina: Im damals neu errichteten Bishamon-do erhielt der Sohn des Kaisers Gosai (Go-Saiin-Tenno, 1638-1685, regierte 1655-1663), Prinz Koben (Goben, 1669-1716), seine Priesterweihe (Jyukai), und hier lebte er auch im Alter. Er hatte insgesamt 27 Geschwister und Halbgeschwister, wovon aber kein einziger den Thron bestieg. Prinz Koben (Koben-hosshinno) entstammte einer Verbindung mit der Nebenfrau Umenokoji Sadako und war der sechste von insgesamt 11 Söhnen seines kaiserlichen Vaters.

Daikaku-ji in Arashiyama: Masako-naishinnou, die dritte Tochter von Kaiser Saga und Ehefrau des Kaisers Junna (regierte 823-833), machte die Villa ihres mittlerweile verstorbenen Vaters 876 mit Erlaubnis des Kaisers Seiwa (lebte 850-881, regierte 858-876) zum Tempel. Als oberste Priester des Daikaku-ji wurden Mitglieder der kaiserlichen Familie eingesetzt, beginnend mit dem Enkel von Kaiser Saga, Prinz Tsunesada, allerdings unter dem Namen Prinz Gojaku Nyudo Shinno. Auch andere Kaiser nutzen den eng mit dem Kaiserhaus verbundenen Tempel als Machtbasis nach ihrer Abdankung, so z. B. Kaiser Go-Uda (1267-1324, regierte 1274-1287), der sich 1307 zum Mönch ordinieren ließ und erst im To-ji, dann im Daikaku-ji lebte. Von diesem Tempel aus regelte der Mönch gewordene Kaiser Go-Uda seine Regierungsgeschäfte.

Chion-in in Kyoto

Manshu-in (Takenouchi Monzeki) in Kyoto: Erst in der frühen Edo-Zeit wurde der Manshu-in im Jahre 1656 an die heutige Stelle verlegt. Der erste Oberpriester des Tempels an seinem neuen Standort war Ryosho (1622-1693), der zweite Sohn von Prinz Hachijo-no-Miya Toshihito (1579-1629), der die kaiserliche Villa von Katsura erbauen ließ. Ryosho war damit der Neffe von Kaiser Go-Yozei. Sein Vater Toshihito wurde 1588 von Toyotomi Hideyoshi adoptiert, um seine Verbindungen zum Kaiserhaus auf eine festere Basis zu stellen. Ryosho Hoshinno war den feinen Künsten sehr zugetan; er praktizierte Kalligraphie, den Teeweg und die Kunst des Blumenarrangements, und er studierte zusammen mit Kano Naonobu Malerei, spezialisierte sich auf Suibokuga (sui = Wasser, boku = sumi = schwarze Tusche, ga = Gemälde), eine Tuschebild-Technik für Landschaftsmalerei. Diese Verbindung zwischen Ryosho und Toshihito erklärt auch die stilistische Nähe der Shoin-Architektur hier wie in Katsura.

Sanzen-in in Ohara (Kajii, Nashimoto Monzeki)

Jisso-in in Iwakura

Kaju-ji in Yamashina: Shingon-Tempel, von Kaiser Daigo gegründet. Seit 942 lebten hier kaiserliche Prinzen als Klostervorsteher. Ein bekannter Monzeki dieses Tempels ist Akira-shinno, der älteste Sohn des Zweiges Fushimi-no-miya der kaiserlichen Familie, der als Zweijähriger von Kaiser Kokaku im Jahre 1818 adoptiert wurde. Akira-shinno wurde unter dem Namen Saihan Hoshinno Priester in diesem Tempel. 1842 wurde er seines Amtes enthoben, in den To-ji verbannt, aber 1858 von Kaiser Komei adoptiert und mit dem neuen Familiennamen Yamashina-no-miya versehen. 1864 wurde er wieder in sein altes Amt eingesetzt.

Zuishin-in in Yamashina: Dieser Tempel liegt nördlich des Daigo-ji und gehört zur Shingon-Schule. Ein Abt bekam den Titel "Monzeki", und seitdem wurde der Zuishin-in "Monzeki Zuishin-in" genannt. Später, nach einem 1599 erfolgten Wiederaufbau, gab es hier mehrere Monzeki-Oberpriester aus den Familien Kujo und Nijo, deren großzügiger Unterstützung die Ausstattung des Tempels zu verdanken ist. Also ist das ein Tempel nicht der kaiserlichen Familie, aber des Adels.

Ninna-ji in Kyoto: Der Tempel ist einer der ältesten Tempel der Stadt und wurde in der frühen Heian-Zeit im Jahre 888 durch Kaiser Uda (lebte 867-931, regierte 887-897) gegründet. Den Mönch Yakushin ließ er ein erstes Kloster bauen. Nachdem der Kaiser zugunsten seines ältesten Sohnes, des Prinzen Atsuhito bzw. des zukünftigen Kaisers Daigo, im Alter von 33 Jahren abgedankt hatte, machte er den von ihm gegründeten Tempel zu seiner Residenz und trat selber 899 als erster oberster Priester von kaiserlicher Abstammung ein unter dem buddhistischen Namen Kongo Kaku. Der Shingon-Priester Yakushin (827-906) vom To-ji hatte ihn zum Mönch ordiniert, so daß im Ninna-ji auch formal eine neue Linie des esoterischen Buddhismus begründet wurde, die später als Hirosawa-Schule bekannt wurde. Der Ninna-ji war fortan ein Monseki-Tempel und der erste Tempel dieses Typs in Kyoto und der höchstrangige; weitere sollten folgen. Im Falle des Ninna-ji kamen allein während der Heian-Zeit 22 Äbte aus der kaiserlichen Familie. Entsprechend war der Tempel politisch immer pro-kaiserlich eingestellt. Des Tempels alter Name war "Omuro-Gosho" - kaiserlicher Palast von Omuro. Übrigens wurden sowohl ein Schüler von Kaiser Uda, Kangu (Kanguu), als auch ein Enkel von ihm, Kancho (Kanchou), Äbte des To-ji.

Myoho-in in Kyoto: Dieser Tempel wurde von Yosei zum Monzeki-Tempel gemacht, dem erstgeborenen Sohn des Kaisers Takakura (1161-1181). Zunächt lag der Tempel in Saito, wurde aber bald darauf nach Kyoto verlegt.

Shogo-in in Kyoto: Der Tempel war nicht nur ein Monzeki, sondern wurde zeitweise sogar als kaiserliche Ersatzresidenz genutzt; die beiden Kaiser Kokaku (1771-1840, regierte 1780-1817) und Komei (1831-1867, regierte 1846-1867) nutzten ihn jeweils als Palast, nachdem ein Feuer 1788 bzw. 1854 den kaiserlichen Palast heimgesucht hatte, das letzte Mal während der Unruhen der Bakumatsu-Zeit

Shoren-in in Kyoto: Kaiser Toba (1103-1156) war ein frommer Anhänger der Tendai-Schule und gab, selbst längst als Kaiser zurückgetreten, seinen siebten Sohn, Kakukai Shinno (1134-1181), bei einem Mönch des Shoren-bo in die Schule. Dieser Mönch war Gyogen, der 12. Hauptpriester des Enryaku-ji. Damit sich das Ganze etwas praktischer gestalten ließ, ließ der Kaiser eine städtische Residenz erbauen, für die der Name Shoren- übernommen wurde, nun als Shoren-in. Hier konnte der Kaisersohn unterrichtet werden, und die Gebäude dienten den Mönchen des Shoren-bo als Quartier, wenn sie in die Stadt kamen. Dieser kaiserliche Prinz, Kakukai Shinno, übernahm nach Gyogen die Leitung des Tempels als zweiter Abt. Nach ihm übernahm Jien die Leitung des Tempels, und das war in intellektueller Hinsicht eine der größten Zeiten, denn Jien war Historiker und Dichter und veröffentlichte mehrere Werke zur Geschichte des Kaisertums in Japan und zur Staatstheorie und zur allgemeinen Lage des buddhistischen Glaubens in Japan und über die Notwendigkeit einer Erneuerung. Der siebte Abt des Shoren-in war Prinz Son-en, Sohn des Kaisers Fushimi. Er wurde ein berühmter Kalligraph mit einem ganz speziellen Stil und begründete eine seitdem aufrechterhaltene kalligraphische Tradition im Tempel.

Sennyu-ji in Kyoto mit seinen Subtempeln Unryu-in und Hiden-in: Insbesondere spielt der Sennyu-ji eine Rolle als Begräbnistempel für die Aristokratie und die kaiserliche Familie.

Sanboin-Monzeki: Er gehört zum Daigo-ji. Kaiser Daigo (reg. 897-930, Grab im Nordbereich des Sanboin) dankte 930 ab und übergab das Reich seinem Sohn, während er selbst Mönch im Daigo-ji wurde. Ab dem 11. Abt wurde es üblich, Mönche kaiserlicher Abkunft aus der Linie des Kaisers Daigo zu Äbten des Daigo-ji zu machen, was hochgestellte Personen hoher Bildung mit besten Beziehungen zum Kaiserhof an die Spitze brachte und die Entwicklung des Tempels voranbrachte. Der Tempel hatte immer enge Verbindungen zur Macht: Es war z. B. der Oberpriester Kenshun, der Ashikaga Takauji zum Buddhismus führte. Oberpriester Mansai Jugo war unter Shogun Ashikaga Yoshimitsu quasi in der Rolle eines Premierministers. Viele Machthaber besaßen eine enge familiäre Beziehung zu den Oberpriestern des Tempels. Beispielsweise waren mehrere Generationen lang die Abkömmlinge von Minamoto Toshifusa, die sogenannten Daigo Minamoto, Oberpriester des Tempels. Der Daigo-ji war praktisch der Familientempel der Minamoto. Einer von diesen, Minamoto Toshifusa, übernahm in der späten Heian-Zeit die Macht im Reiche anstelle der Fujiwara, und sein Sohn Shokaku war im Daigo-ji Oberpriester.

Rinno-ji in Nikko

Shoko-in in Kyoto: Dieser Tempel existiert nicht mehr, denn er wurde um 1870 abgerissen.

Tsukiji Monzeki (Tsukiji Hongan-ji): 1617 als Zweigtempel des Nishi Hongan-ji in Kyoto gegründet, heute im Stadtteil Chuo-ku, Tsukiji (Tokyo), seit 2012 direkt dem Nishi Hongan-ji unterstellt.

Von diesen Templen gehören fünf zur Tendai-Schule, der Shoren-in, der Sanzen-in, der Manshu-in, der Myoho-in und der Bishamon-do. Der Enman-in gehörte früher zur Tendai-Schule, ist aber vor wenigen Jahren an eine unabhängige neue buddhististische Schule übergegangen. Die Tempel Ninna-ji, Unryu-in, Hiden-in und der Muttertempel der beiden letztgenannten, der Sennyu-ji, sowie der Kaju-ji und der Zuishin-in gehören der Shingon-Schule an.


Titel von Prinzen und Prinzessinnen:
Ganz früher bekamen die Kinder von Kaisern den Titel Mikoto und später die Bezeichnung Oji (Ouji) für Prinzen bzw. Ojo (Oujo) für Prinzessinnen. Das alte System wurde durch ein dem chinesischen System nachgebildeten zweistufigen System ersetzt: Es gab zwei Ränge je nach Nähe zum Kaiser. Söhne und Brüder eines Kaisers bekamen den Titel Shinno, Töchter und Schwestern eines Kaisers hießen Naishinno. Enkel, Urenkel und Ururenkel eines Kaisers trugen den Titel O (Ou) in der männlichen Form bzw. Nyo-o (Nyo-ou) in der weiblichen Form (was aber manchmal auch Jo-o) ausgesprochen wurde. Streng genommen wurden noch weite entfernte Angehörige nicht mehr als Mitglied des Kaiserhauses angesehen, sondern als eigenständige Familie. Sie hatten demnach keinen Anspruch auf diese Titel, wenngleich es immer wieder Ausnahmen gab. Durch die Thronbesteigung eines O-Prinzen ergab sich die Möglichkeit, nun per Edikt die Brüder und Schwestern zu Shinno und Naishinno zu machen und so titelmäßig aufzuwerten (Beispiel: Edikt "Shinno Senge" des Kaisers Junnin, Enkel von Kaiser Tenmu, ebenso Kaiser Konin, Enkel von Kaiser Tenji). 1876 wurde beschlossen, daß alle Kinder eines Kaisers, legitim wie illegitim, von Geburt an die Titel Shinno und Naishinno tragen dürfen, auch ohne einen Shinno Senge - das Erhebungs-Edikt konnte als besondere Gunst für weiter entfernte Verwandte weiterhin genutzt werden. Ab 1889 wurde der Shinno Senge abgeschafft; die Titel Shinno und Naishinno wurden bis in die fünfte Generation der Kaisernachkommen zugelassen (Ururenkel und Ururenkelinnen). Heute gilt das für die Kinder und nur für die Enkel in männlicher Linie.

Eine andere Bezeichnung für Prinzen und Prinzessinnen ist der Miya-go, der Miya-Titel. Dieser Titel kam ab der Heian-Zeit auf und wurde als Namenszusatz nach dem Modell Personenname-no-miya oder Hofamt-no-miya oder auch Ortsbezeichnung-no-miya verwendet. Nach diesem letzten Modell sind z. B. der Familienname Zweig Fushimi-no-miya oder der Familienname Yamashina-no-miya für diverse Nebenlinien des Kaiserhauses gebaut. Man konnte auch durchzählen: Ichi-no-miya ist der erste = erstgeborene Prinz, Onna-ni-no-miya oder Nyo-ni-no-miya ist die zweitgeborene Prinzessin (Onna oder Nyo als Indikator der Weiblichkeit), San-no-miya ist der drittgeborene Prinz. Wenn ein solcher Prinz einem Tempel vorstand, konnte die Bezeichnung auch Tempel-no-miya lauten, z. B. der Monzeki des Shoren-in hieß dann Shoren-in-no-miya, der Monzeki des Ninn-ji hieß Ninna-ji-no-miya. Als die formelle Erhebung in den Rang eines Shinno per Dekret Usus wurde, war der Miya-go der erste Name, den ein Prinz bekam, und so lange trug, bis er durch den Shinno Senge einen Shinno-Titel bekam.


Literatur, Links und Quellen:
Auf Japan-Kyoto: https://japan-kyoto.de/monzeki-tempel-mit-aristokratischen-oder-kaiserlichen-abt/
Monzeki-Tempel:
http://traditionalkyoto.com/temples-shrines-and-palaces/monzeki-temples/
Mikael S. Adolphson: Gates of Power - Monks, Courtiers, and Warriors in Pre-Modern Japan, 480 S., University of Hawaii Press 2000, ISBN-10: 0824823346, ISBN-13: 978-0824823344
Hamish Todd: A Glimpse above the Clouds: The Japanese Court in 1859,
https://www.bl.uk/eblj/1991articles/pdf/article14.pdf S. 218
weitere Quellen bei den Kapiteln zu den einzelnen Tempeln


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