Bernhard Peter
Fachbegriffe der japanischen Burgenkunde


Grundrißtypen:

Nawabari = Grundplan oder Layout einer Burg, Grundrißstruktur aus der Vogelperspektive. Abgeleitet von Nawa = Seil, mit dem man auf der Grundfläche abmaß. Davon gibt es mehrere Grundtypen:

Rinkaku-shiki = 1. Burgentyp, konzentrischer Aufbau einer Burg mit mehreren Verteidigungsringen ineinander, die aber gleichen Abstand voneinander haben

Teikaku-shiki = 2. Burgentyp, mit mehreren Verteidigungsringen ineinander, asymmetrischer Aufbau, wenn man sich an eine natürliche Verteidigung wie einen Berg, einen Fluß oder das Meer anlehnen kann, dadurch werden die inneren Komponenten asymmetrisch positioniert; der Honmaru kann an die sichere Seite geschoben werden, wodurch ein Wall gespart werden kann.

Renkaku-shiki = 3. Burgentyp, unabhängige Einheiten werden komplett umwallt und aneinandergesetzt, Burg mit mehreren Verteidigungsringen aneinander


Verteidigungsringe:

Honmaru = Herz der Burg, zentrale, innere, grabengeschützte Einheit einer Burg, innerster Verteidigungsring. Hier steht der Hauptturm einer Burg. Hierhin zog man sich im Verteidigungsfall zurück. Der Honmaru ist der Hon-kurowa.

Ninomaru = Nimaru = zweiter Kreis, zweite, mittlere, grabengeschützte Einheit einer Burg, mittlerer Verteidigungsring. Hier befanden sich wohnlichere Residenzbauten (Goten), hier lebte man im Normalfall.

Sannomaru = Sanmaru = dritter Kreis, äußere, dritte grabengeschützte Einheit einer Burg, äußerer Verteidigungsring. Meistens ist das der letzte, äußerste Ring, aber es gibt auch Burgen mit noch mehr Ringen.


Bezeichnungen von Burgen und Typen je nach Geographie:

-jo = Burg, z. B. Maruoka -> Burg von Maruoka = Maruoka-jo

Shiro = Burg

Mura-no-shiro = Dorfburg

Uki-shiro = wörtlich: schwimmende Burg, = Wasserburg = Mizo-jiro, benutzt für Burgen mit sehr breiten Wassergräben oder in Insellage

Hira-jiro = Niederungsburg, Burg im flachen Gelände. Typische Beispiele: Burg Nagoya, Burg Sunpu. Einer der drei topographischen Standardtypen der Edo-Zeit.

Yama-jiro = Burg auf einem Berg, typisch für die Burgen der Sengoku-Zeit. Hier ist ein richtiger Berg, isoliert oder Teil einer Kette, gemeint, also mindestens 150 m hoch. Einer der drei topographischen Standardtypen der Edo-Zeit. Typische Beispiele: Burg Bitchuu Matsuyama, Burg Tsuwano, Burg Takeda.

Hirayama-jiro = Hirasan-jiro = Burg auf einem Hügel, wobei die inneren Komponenten, die für die Verteidigung am wichtigsten sind, auf dem Hügel und die äußeren Komponenten und repräsentativen Gebäude in der Ebene liegen. Typische Beispiele: Burg Hikone, Burg Kumamoto, Burg Maruoka. Einer der drei topographischen Standardtypen der Edo-Zeit.

Tsume-no-shiro = Tsumejiro = im Kontext mehrerer Burgen eine Burg, die die Rückseite der Hauptburg deckt, und die, falls letztere erobert werden sollte, als letzter Rückzug dient. Bei einer Burgengruppe die, die am weitesten weg vom angreifenden Feind liegt. Wird auch benutzt für den innersten Verteidigungsring (Honmaru) in Relation zu den äußeren Verteidigungsringen.

Hashigokaku = Burgenlayout, bei dem der innerste Bereich den Gipfel bildet und die beiden äußeren Bereiche wie Treppenstufen tiefer liegen

Negoya = Stadtburg in der Ebene, ursprünglich die Stadt unterhalb einer Hügelburg, später dann eine Stadt mit Burg. Anderer Ausdruck: Jokamachi (Joukamachi).

Shuko-jiro = Burg, in der Ebene oder teilweise auf einem Hügel, die von einer Stadt umgeben ist

Hon-jo (Hon-jou) = Ne-jiro = im Kontext mehrerer Burgen die Hauptburg bzw. Residenzburg des Territorialherren, bei einer einzelnen Burg die Hauptverteidigungseinheit (Honmaru)

Shi-jo (Shi-jou) = Eda-jiro = Ha-jo = im Kontext mehrerer Burgen eine Nebenburg, kann in einer Nichtresidenzstadt des Territorialherren stehen, wurde von Stellvertretern des Daimyo verwaltet.


Wälle und Walleinheiten:

Kuruwa = von einem Wall umschlossene Einheit. Der Wall kann aus Erde oder ausgemauert sein. Eine Burg besitzt stets mehrere Kurowa. Ein Kurowa wird auch Maru genannt, Kreis.

Yagura-kurowa = von einem Wall umschlossene Einheit, die einen Wachturm trägt, geböschtes Podest aus Wällen für einen Wachturm

Hon-kurowa = innerste von einem Wall umschlossene Einheit, identisch mit Honmaru, dem innersten Kreis.

Tenshu-kuruwa = viereckige von einem Wall umschlossene Einheit, die den Hauptturm trägt, geböschtes Podest aus Wällen für den Tenshu

Mizu-no-te-kuruwa = Mizu-kuruwa = ein extra Wall umschließ die Wasserversorgung der Burg, einen Brunnen oder eine Zisterne

Uchi-kuruwa = innerhalb einer Stadt die eigentliche funktionelle Einheit der Burg, im Gegensatz zu Soto-kuruwa

Soto-kuruwa = Außenwerk außerhalb der eigentlichen Burg zur Verteidigung der umliegenden Stadt. Ebenfalls wird der Begriff Gaikaku benutzt. Zählen nicht zur eigentlichen Burg.

Nishi-no-maru = eine eigenständige umwallte Einheit im Westen (Nishi) des Honmaru. Solche "inselförmigen" Anlagen dienten z. B. als Altenteil etc.


Wachtürme:

Yagura = Wachturm oben auf dem Wall, meist an den Ecken der Anlage, unten Lagerraum, oben Ausguck, meist nur zweistöckig gebaut, in sehr großen Burgen auch dreistöckig. Eine Burg kann sehr viele dieser Yagura besitzen.

Wachtürme werden nach Richtungen, nach den Zwölf Erdzweigen, benannt: Ushitora-yagura = NO-Turm, Inui-yagura = NW-Wachturm, Tatsumi-yagura = SO-Wachturm, Hitsujisaru-yagura = SW-Wachturm, Kita-yagura = N-Wachturm, Higashi-yagura = O-Wachturm, Minami-yagura = S-Wachturm, Nishi-yagura = W-Wachturm.

Alternativ werden die Türme einfach durchnumeriert.

Vielfach werden sie auch nach ihrer Bestimmung bezeichnet: Sumi-yagura = Ecktürmchen über dem Wall, Tsukimi-yagura = Mondbetrachtungs-Wachturm, Taiko-yagura = Trommelturm etc.


Verteidigungsöffnungen:

Ishi-otoshi = Ishi-otoshimado = Maschikulis an den Turmecken in Form breiter, schmaler Öffnungen, um Steine, Schutt etc. auf Angreifer zu werfen, die versuchen, außen die Wallmauern zu erklimmen. Typischerweise an den Yagura zu finden, aber auch am Tenshu, an den Wänden oder Toren. Nicht über die ganze Breite, nur ein kleines Stück an der Außenecke, sieht von außen aus wie ein kleiner Kaminmantel.. Die meist mit einem Holzdeckel verschließbare Öffnung ist meist 26 cm breit, 8 japanische Zoll (8 Sun).

Sama = Hasama = Schießscharte. Häufig sind die Scharten für maximale Flexibilität eng im Zentrum und weit an den Seiten, diese Form nennt man Uchisoto hachimonji.

Einteilung nach Art der Waffe:

Yazama = Schießscharten für Pfeil und Bogen, vertikale rechteckige Öffnungen, Standardmaße 45 cm Höhe (1 Shaku, 5 Sun), 12,12 cm Breite (4 Sun). Unterkante kniehoch. Es gibt zwei Unterarten:

Teppo-sama (Teppou-sama) = Jugan (Juugan) = Schießscharten für Gewehre, rund, dreieckig, viereckig, pentagonal oder hexagonal. Standardmaß ist 30,5 cm = 1 Shaku Seitenlänge oder Durchmesser.

Ozutsu zama = große Kanonenscharte

Einteilung nach Position:

Isama = Bogenschießscharte für sitzenden Bogenschützen

Tachisama = Bogenschießscharte für stehenden Bogenschützen

Ashishita sama = Schießscharte zu den Füßen

Yokosama = Schießscharte zur Seite

Kakushisama = Schießscharte mit verborgener Öffnung

Einteilung nach Material:

Tsuchisama = Schießscharte in einem Erdwall

Ishisama = Schießscharte in einem Steinwall


Türme, ihre Arten, Gefüge und Details:

Tenshu = Hauptturm, entspricht unserem europäischen Donjon oder Keep, befindet sich stets im Honmaru. Letzte und stärkste Verteidigungseinheit, zugleich mächtigste und höchste Struktur einer Burg. Er kann drei, vier oder fünf Dachebenen und 3-6 Geschosse haben. Synonym: Tenshu-kaku (eigentlich Basis für den Tenshu), Tenshu-yagura.

Man unterscheidet zwei Grundstile:

Borogata Tenshu (Bourougata Tenshu) = 1. Stil eines Tenshu in Form eines Wachturmes, der auf das Dach einer Residenz gesetzt wurde und in erster Linie als Symbol der Macht diente. Es gibt einen Absatz zwischen Unterbau und Aufsatz. Kata = Stil, Boro = Ausguck, Wachposten.

Sotogata Tenshu (Soutougata Tenshu) = 2. Stil eines Tenshu in Form eines großen, vielstöckigen Turmes. Der gesamte Turm ist einheitlich komponiert und verjüngt sich kontinuierlich von Geschoß zu Geschoß.

Man unterscheidet vier verschiedene Burgtypen je nach Kontext des Tenshu:

Dokuritsu Tenshu = Dai-Tenshu = 1. Burgentyp: großer Tenshu als einzeln stehender Solitär oder der größte, höchste und wichtigste Turm im Kontext mit kleineren Türmen.

Sho-Tenshu = Fuku-Tenshu = großer, mehrstöckiger Yagura oder kleiner Tenshu, größenmäßig zwischen Tenshu und Yagura. Wenn noch größer -> Chu-Tenshu = mittlerer Tenshu. Wenn es mehrere davon gibt, werden sie analog zu den Yagura mit den Himmelsrichtungen bezeichnet.

Ko-Tenshu = ergänzender Tenshu. Wenn eine Burg mehrere Tenshu besitzt, ist der größte der Dai-Tenshu, und die anderen sind die Ko-Tenshu. Beispiel: Himeji besitzt 1 Dai-Tenshu und 3 Ko-Tenshu.

Fukugo-Tenshu (Fukugou-Tenshu) = Fukugoshiki-Tenshu (Fukugoushiki-Tenshu) = 2. Burgentyp: Komplex aus einem Dai-Tenshu und anderen, direkt angebauten Komponenten. Das kann ein Ko-Tenshu sein, also ein kleiner Tenshu, oder ein Genkan = Eingangshalle oder ein Tamon = schmale Galerie. Es gibt dazwischen keine verbindende Galerie (Watari-yagura); die Komponenten sind direkt aneinandergebaut. Beispiel: Burg Matsue, wo an einen Dai-Tensho ein Tsuke-yagura angebaut ist..

Renketsu-Tenshu = Renketsugata-Tenshu = 3. Burgentyp: Gruppe aus zwei auf etwas Abstand miteinander verbundenen Türmen, davon einer ein Dai-Tenshu, der andere kleiner und ein Ko-Tenshu, beide mit einem brückenartigen Wehrgang oder einer ggf. überdachten Galerie (Watari-yagura, Hashidai) verbunden, in der unten der Eingang positioniert wurde. Beispiel: Burg Nagoya, Burg Kumamoto.

Renritsu-Tenshu = Renritsushiki-Tenshu = "verbundene Türme" = 4. Burgentyp: Turmgruppe aus großem Tenshu und zwei oder drei Nebentürmen, die mit Wehrgängen verbunden sind und einen kleinen Innenhof einschließen; der Eingang liegt in einer der Verbindungswehrmauern. Beispiel: Burg Himeji. Und diese Merkmale können natürlich auch zu Mischformen hybridisieren: Ein Fukugu-Renketsu-Tenshu beschreibt sowohl die Verbindung der Komponenten als auch die relative Größe der Einzelkomponenten: 2 Türme, verbunden mit kleiner gedeckter Galerie, davon der eine ein großer ausgewachsener Tenshu, der andere etwa halb so groß, und daran noch eine Halle unmittelbar angebaut. Beispiel: Burg Matsumoto.

Details eines Tenshu:

Tenshu-dai = eigene Plattform bzw. das erhöhte Podest eines Tenshu, unabhängig von den restlichen Wallanlagen, meist von quadratischem Grundriß. Ursprünglich nur aus Erde, seit spätestens der Edo-Zeit mit gemauerten Außenflächen (Ishigaki). Die Neigung hängt vom Untergrund ab, je fester dieser war, desto steiler konnte man bauen. Meistens waren die Außenwände konkav gekrümmt. Der Sockel eines Tenshu kann auch für einen Kellerraum ausgehöhlt werden und ist nicht notwendigerweise massiv bis zum Anfang der Holzkonstruktion.

Tenshu shinbashida = große Holzsäulen, einzeln oder in doppelter Anordnung, die durch die ganze Vertikale eines Tenshu gehen und die Hauptstützbalken sind. Ihre Entsprechung haben sie in den Zentralsäulen einer Pagode.

Ju = Su = außen sichtbare Ebenen eines Tenshu

Kai = Geschoßebenen im Innern eines Tenshu


Trockenmauerwerk

Ishigaki = Wallmauern mit sichtbaren Natursteinen außen und Schüttung innen. Große Natursteine werden in Trockenbauweise ohne Mörtel gestapelt; die Zwischenräume werden mit kleineren Steinen so lückenlos wie möglich aufgefüllt. Durch die irreguläre Schichtung kann die Kraft von oben über unzählige Drucklinien verteilt werden. Außerdem hat dieses Mauerwerk eine gute Drainagefähigkeit.

Ogi-no-kobai (Ougi-no-koubai) = die Kurvenlinie einer Ishigaki, meist konkave Krümmung der steinernen Außenmauern der Wälle und Plattformen. Die Steinsockel beginnen mit bis zu 45° Neigung und werden nach oben hin immer steiler.

Ishigaki-no-kobai (Ishigaki-no-koubai) = Böschungswinkel einer Ishigaki

Narashi = Böschungswinkel von 45° einer Ishigaki, nur die oberste Steinreihe ist senkrecht.

Sumi-ishi = Ecksteine, wo besonders große und ideale Steine gesetzt wurden, die am besten 2-3 x so lang wie breit waren und alternierend längs und quer gesetzt wurden, um maximale Verzahnung zu erreichen.

Hira-ishi = große, wandbildende Steine der Fläche

Kai-ishi = unregelmäßige kleine Füllsteine, die sorgfältig zwischen die großen Natursteinblöcke einer Ishigaki gesetzt werden, um einen druckfesten Verbund zu erzeugen.

Meji = Fuge zwischen den Steinen

Es gibt drei Methoden, Ishigaki zu mauern. Je stärker der Bearbeitungsgrad ist, desto steiler kann man mauern und desto geringer ist die notwendige Krümmung.

Nozurazumi = 1. Methode der Steinschichtung für Ishigaki: Stirnseiten = rohe, völlig naturbelassene Steine, viele mittlere und kleinere Füllsteine, völlig unregelmäßige Linienführung. Meist 45° Böschungswinkel. Beispiele: Tenshu-dai der Burg Kofu, Tenshu-dai der Burg Matsumoto. Weitere Bezeichnung: Nozurahagi.

Uchikomihagi = 2. Methode der Steinschichtung für Ishigaki: teilweise zurechtgehauene Steine, etliche kleinere Füllsteine, Tendenz zu mehr oder weniger horizontalen Linien im Verbund. Böschungswinkel meist ca. 50°, das oberste Fünftel senkrecht. Beispiel: Tenshu-dai der Burg Himeji, Wälle der Burg Nijo.

Kirikomihagi = 3. Methode der Steinschichtung für Ishigaki: gut geschnittene Steine in relativ geordneter, zyklopisch wirkender Reihen-Schichtung mit gar keinen kleinen Füllsteinen, größtenteils geordnete Horizontallinien, maximaler seitlicher Kontakt der Steinblöcke. Böschungswinkel meist ca. 80° oder noch steiler. Beispiel: Tenshu-dai der Burg Edo.


Gräben und Wälle, Brustwehren:

Kirigishi = Graben mit steilen künstlichen Böschungen

Karabori = Trockengraben

Hori = Wassergraben rings um eine Burg

Unejo tatebori = mehrere parallele Gräben am Berghang

Doi = Dorui = Erdwall

Tsujibei = roher Erdwall

Dobei = verputzter Erdwall, ca. 2 m hoch, mit kleinem Dach aus Ziegeln, auf Steinwällen und mit Schießscharten und/oder flachen Wurferkern versehen

Taikobei = wörtlich Trommelwall = ein Typ Wehrmauer, bestehend aus einer beiderseitigen Holzverschalung, die mit Steinen und Schutt aufgefüllt und außen mit Putz verkleidet wird

Saku = Palisaden, lückenlose Stellungen aus in den Boden gerammten und querverbundenen Holzpfählen, Bambus oder Brettern

Hei = Kaki = Zaun, Brustwehr, Itabei = Brustwehr aus Brettern, Ishibei = Brustwehr aus Steinplatten, Kawarabei = Brustwehr aus Erde mit Ziegelverkleidung, Kushigatabei = Brustwehr mit kammartigen Einsätzen, Sukashibei = Brustwehr mit gitterartigen Einsätzen zum Durchschauen etc.


Tore und Toranlagen

Koguchi = wörtlich: Tigerrachen = Eingang einer Burg

Mon = Tor, Torhaus

Ote-mon (Oote-mon) = Haupttor einer Burg, primärer Zu- und Ausgang

Karamete-mon = rückwärtiges Tor einer Burg

Masugata-mon = Torkonstruktion mit Barbekane, besteht aus einem kleinen Hof mit einem Korai-Mon, einem kleinen Hof dahinter und einem Yagura-mon, 90° zum Korai-mon gestellt

Masugata-koguchi = wörtlich quadratischer Eingang = Zugangsweg mit Barbekane, geschützt von einem Masugata-mon

Korai-mon (Kourai-mon) = "koreanisches Tor" = Tor aus Pfosten und Balken, Hauptdach quer und zwei kleine Nebendächer im rechten Winkel dazu nach innen gehend (decken die geöffneten Torflügel ab), evtl. noch weitere Dächer

Yagura-mon = zweistöckiger Torturm, beschützt ein Masugata-mon, unten das Tor, oben ein Wachraum mit Schießscharten

Watari-yagura-mon = Verbindungstor, ein Tor zwischen zwei Gebäuden, bestehend aus einem zweistöckigen Bau, der unten das Tor und oben einem Verbindungsgang hat, also ein Yagura-mon, das im Obergeschoß rechts und links an das Yagura-dai der Wälle angebunden ist

Sode-masugata = Außenzwinger, rechteckig aus dem Wall einer Burg vorspringender Zwinger, der seitlich einen Eingang bzw. ein Tor flankiert.

Ryosode-masugata (Ryousode-masugata) = doppelter Außenzwinger, zwei rechteckig aus dem Wall einer Burg vorspringende Zwinger, die beidseitig einen Eingang bzw. ein Tor flankieren = doppelte Sode-masugata.

Han-masugata = Mittelzwinger, rechteckiger Zwinger, der seitlich einen Eingang bzw. ein Tor flankiert, wobei die Hälfte nach außen vorspringt und die andere Hälfte des Zwingers im Innern der Burg liegt

Uchi-masugata = Innenzwinger, rechteckiger Zwinger, der einen Eingang bzw. ein Tor flankiert, aber komplett im Innern der Burg liegt. Das größere, stabilere Tor liegt auf der Außenseite des Zwingers, der hier mit der Außenmauer der Burg zusammenfällt. Rechtwinklig zum ersten positioniert ist innen das zweite, leichtere Tor zu finden.

Umadashi = befestigter Ausgang, der außen durch eine vorgelagerte, z. B. hufeisenförmige Mauer geschützt wird, so daß kein direkter Angriff möglich ist. Ebenfalls hierunter fällt ein befestigter Brückenkopf gegenüber dem Tor auf der anderen Seite des Wallgrabens.


Sonstiges

Tamon-yagura = eine gedeckte Verbindungsgalerie auf dem Wall zwischen zwei Wachtürmchen an den Ecken, 1-3 Stockwerke hoch, außen verputzt und mit Schießscharten versehen

Nagaya = langgestrecktes Gebäude mit mehreren Räumen oder Wohneinheiten unter einem durchgehenden Dach

Nagaya-mon = eine Nagaya, bei dem eine Einheit als Tor dient

Tamon-nagaya = eine Nagaya, die als Galerie auf dem Wall einer Burg steht und wehrhaft befestigt ist

Watari-yagura = Verbindungsturm, der zwischen zwei Gebäuden auf dem Wall steht

Genkan = Eingangshalle, Vorraum am Eingang, baulich abgesetzt und dem Hauptbau mit eigenem Dach vorgebaut.

Kugikakushi = Benagelung, dekorative Beschlagnägel für Burgtore in Form einer Rose, einer Raute oder eines Knaufes

Kura = Speichergebäude für Lebensmittel oder Waffen

Sakamogi = Verhau aus dornigen Ästen, wie ein Zaun auf einem Erdwall als Verteidigungseinrichtung befestigt

Goten = Palastbauten, wohnliche Residenzen, meist außerhalb der innersten Verteidigungseinheit erbaut auf dem Ninomaru-Bereich.

Shoro = Glockenturm

Sakamogi = temporär angebrachte Dornenzweige oder Stacheln, die ein Hochklettern verhindern sollen

Shinobi-gaeshi = dauerhaft angebrachte metallene Stacheln an der Unterkante der Türme, die ein Hochklettern vom Steinsockel auf die hölzernen Strukturen verhindern sollen. Angreifer wiederum lernten, die Stacheln mit einem Seil zu überwinden und herunterzureißen.


Literatur, Links und Quellen
Jennifer Mitchelhill, David Green: Castles of the Samurai - Power and Beauty, 112 S., Verlag: Kodansha International 2013, ISBN-10: 1568365128, ISBN-13: 978-1568365121
Stephen Turnbull, Peter Dennis: Japanese Castles AD 250-1540, Osprey Publishing 2008, ASIN: B0092GHIK8
Stephen Turnbull, Peter E. Davies: Japanese Castles AD 1540-1640, Osprey Publishing 2003, ASIN: B00QNZV75S
Michio Fujioka, John Brentnall: Japanese Castles Taschenbuch, 127 S., 1968, ASIN: B002N5H5P8
Fachbegriffe auf Wikipedia:
https://en.wikipedia.org/wiki/Kuruwa - https://en.wikipedia.org/wiki/Tenshu - https://en.wikipedia.org/wiki/Category:Japanese_architectural_features
Architektur japanischer Burgen:
http://japancastlebyzavrasminascannonsphs.weebly.com/architecture.html
Japanische Burgen, Übersichtsartikel:
https://doyouknowjapan.com/castles/
Jaanus- Dictionary of Japanese Architectural and Art Historical Terminology compiled by Dr. Mary Neighbour Parent:
http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/, insbesondere: http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/t/tenshu.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/r/renritsutenshu.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/r/renketsutenshu.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/f/fukugoutenshu.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/k/kotenshu.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/t/tenshudai.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/i/ishigaki.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/o/ouginokoubai.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/n/nozurazumi.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/u/uchikomihagi.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/k/kirikomihagi.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/t/tenshushinbashira.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/i/ishiotoshi.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/t/teppousama.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/y/yazama.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/s/sama.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/n/negoya.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/j/joukamachi.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/h/hirajiro.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/h/hirayamajiro.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/y/yamajiro.htm . http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/t/tsumenoshiro.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/h/honjou.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/s/shijou.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/d/doi.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/s/saku.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/h/hei.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/k/koguchi2.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/m/masugata.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/y/yaguramon.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/s/sodemasugata.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/y/yokoyamasugata.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/u/uchimasugata.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/h/hanmasugata.htm - http://www.aisf.or.jp/%7Ejaanus/deta/u/umadashi.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/n/nagaya.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/t/tamon.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/i/ishiotoshi.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/g/genkan.htm - http://www.aisf.or.jp/~jaanus/deta/k/katoumado.htm
Begriffe der Architektur:
https://en.wikipedia.org/wiki/Category:Japanese_architectural_features
Antony Cummins: Samurai and Ninja: The real story behind the Japanese warrior myth that shatters the Bushido mystique, Tuttle Publishing 2015, ISBN-10: 978-4-8053-1334-3, ISBN ebook: 978-1-4629-1506-4
https://books.google.de/books?id=P75GCgAAQBAJ
Miura Masayuki, Chris Glenn: Samurai Castles, Bilingual Guide to Japan, Uchida Kazuhiro/Shogakukan, 2017, ISBN 978-4-09-388543-0


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