Bernhard Peter
Kishiwada, Burg Kishiwada-jo


Lage und Erreichbarkeit
Die Burg von Kishiwada (Kishiwada-jo) liegt ca. 980 m von der Meeresküste der Bucht von Osaka entfernt inmitten moderner Bebauung (Adresse: 9-1 Kishiki-cho, Kishiwada-shi, Präfektur Osaka-fu). Es gibt zwei prinzipielle Anreisemöglichkeiten mit der Eisenbahn: Der nähere (1 km zu Fuß) Bahnhof ist die Station Kishiwada der Nankai Main Line. Noch näher (350 m zu Fuß) liegt der Bahnhof Takojizo, aber dieser kleine Bahnhof wird nicht von allen Zügen zum Stop benutzt. Wenn man aus Richtung Kyoto oder Osaka anreist, fährt man entweder mit der Loop Line in Richtung Tennoji und steigt in Shin-Imamiya aus oder mit dem JR Kansai Airport Rapid Service nach Shin-Imamiya, wo man den Ltd. Express Southern nach Kishiwada besteigt. Wenn man von Shin-Osaka kommt, nimmt man den Haruka Express nach Tennoji, dann die JR Yamatoji Line Local nach Shin-Imamiya. Umständlich, dafür ist die Strecke zu Fuß geringer. Den Bahnhof Nankai Kishiwada verläßt man auf der Nordseite, geht scharf links und geht ca. 620 m an den Gleisen entlang nach Südwesten. Nach einem hoch mit Maschendraht gesicherten Gelände geht es an einem grauen Betonkoloß schräg rechts. Diese Abzweigung kann man nicht verfehlen, weil es einfach nicht mehr geradeaus weitergeht. Wenn an einer Kreuzung jenseits sauber geschnittene Hecken auftauchen, kann man rechterhand schon einen ersten Blick auf die Burg werfen. Egal ob man rechts herum oder links herum geht, da der Eingang auf der Nordwestseite liegt, kann man erst den beeindruckenden Graben mit den Wällen abschreiten.

Wenn man dagegen ganz mit JR anreist (zudem billiger als ggf. Railpass-Besitzer), kommt man zum Bahnhof JR Higashi Kishiwada, von dort sind es 2,3 km oder eine halbe Stunde zu Fuß bis zur Burg. Von Kyoto oder Shin-Osaka aus nimmt man den Haruka Express bis Tennoji, von Osaka aus die Loop Line bis Tennoji, und dort steigt man in den JR Kansai Airport Rapid Service nach Wakayama oder nach KIX. Auch der JR Hanwa Line Rapid Service nach Hineno geht. Der Haruka Express selbst hält nicht in der Stadt. Vom JR Bahnhof Higashi Kishiwada, den man via Südostausgang verläßt, geht es erst rechts bis zur ersten Möglichkeit, unter den Schienen hindurchzukommen, dort biegt man noch einmal rechts ab und läuft dann in nordwestlicher Richtung immer der Straße folgend, insgesamt 1,4 km, unter der Schnellstraße hindurch, am Imaike-Park vorbei, schließlich unter der nächsten Eisenbahnlinie hindurch, dann gleich hinter den Gleisen schräglinks halten, am besten 300 m nach links (Westen) jenseits der Gleise gehen, denn die nächstgrößere Straße schrägrechts abbiegen, an der Kishiwada High School vorbei; nach 130 m steht man am Wassergraben, am Südosteck der Anlage. Der Eingang liegt auf der gegenüberliegenden Seite. Alternativ nimmt man vor dem JR Bahnhof Higashi Kishiwada an der gleichnamigen Bushaltestelle den Bus Nr. 54 und steigt an dem anderen Bahnhof Kishiwada aus (11 min., 2 Haltestellen), von dort wie im ersten Abschnitt weiter zu Fuß. Das ist bequemer, aber nicht wirklich zeitsparend.

Die Burg liegt abseits der Touristenwege. Auch wenn die Burg praktisch an der Linie des Flughafenexpresses liegt, steigt hier so gut wie niemand zur Besichtigung aus. Die Bausubstanz ist einerseits oberhalb der Wälle neu; die Burg ist in ihren gesamten oberen Teilen wiederaufgebaut. Auf der anderen Seite ist der Wiederaufbau gut gelungen, so daß die Anlage in der Lage ist, einen authentischen Eindruck zu vermitteln. Gartenfreunde werden auch auf ihre Kosten kommen, weil der Garten im Honmaru von Mirei Shigemori gestaltet wurde. Seit 2016 gilt der Garten als nationale Stätte landschaftlicher Schönheit.


Geschichte und Bedeutung
Heute gehört Kishiwada zur Präfektur Osaka, früher zur Provinz Izumi. Eine erste Burg in Kishiwada wurde 1334 (Genko 4) von Takaie Nigita (Takaie Wada) erbaut, der ein Neffe und Vasall von Kusunoki Masashige war. Bis dahin hieß der Ort einfach Kishi = Ufer, daraus wurde "Wadas Ufer" = Kishi-no-wada, verkürzt zu Kishiwada. Die Stelle war schon immer strategisch wichtig. Diese alte Burg (Ko-jo) lag im Noda-cho, ca. 500 m im Osten der jetzigen Burg, nahe Mt. Teruhi. Deren Ruinen sind von der modernen Stadt überdeckt. Später wurde sie verlegt an den heutigen Standort. Die Burg bestand aus zwei Verteidigungsringen, Honmaru und Ninomaru, und sie bekam den Spitznamen Chikiri-jo, weil die Form der Anlage an einen Chikiri erinnerte, einen Kettbaum eines Webstuhls.

Dann wurde die Burg 1585 (Tensho 13) gänzlich umgestaltet von Koide Hidemasa (1540-1604), einem Schwager des zweiten Reichseinigers Toyotomi Hideyoshi (1536-1598) und einer seiner engsten Vertrauten unter seinen Militärführern. Koide Hidemasa hatte die Schwester von Toyotomi Hideyoshi geheiratet. Er hatte die Burg anläßlich der Belagerung des befestigten und von Sohei (Mönchskriegern) verteidigten Tempels Negoro-ji (Iwade) durch seinen Schwager und dessen Einnahme im Jahr 1585 übernommen. Die Anlage wurde komplett geändert und vergrößert, als er das Lehen als Daimyo übernahm, und der neue, bis 1597 fertiggestellte Hauptturm wurde fünfstöckig, wie man auf alten Darstellungen sehen kann. Ziel der neuen Burg war die Verteidigung und Kontrolle in Richtung Wakayama. Koide Hidemasa ist damit der Erbauer der heutigen Anlage. Das Lehen Kishiwada war 30000 Koku wert. Die Familie Koide behielt die Burg über drei Generationen, nach Hidemasa kam sein Sohn, Yoshimasa (1565-1613), dann sein Enkel, Yoshihisa (1586-1643). Die Familie hielt in den folgenden Auseinandersetzungen zu Toyotomi Hideyori. Hidemasa war schon sein Erzieher gewesen. Yoshimasa kämpfte bei Sekigahara auf der Seite von Ishida Mitsunari. Mit dem Sieg der Gegenseite war der Stern der Familie am Sinken.

Ab 1619 (Genna 5) war die Burg in Besitz der Familie Matsudaira (Matsui-Zweig), genauer von Matsudaira Yasushige (1568-1640). Die Matsudaira hatten ein Einkommen von 60000 Koku. Ihr Wappen zeigt ein Sekishu-Efeublatt. Die zum Buke (Schwertadel) gerechnete Familie, die sich von den Minamoto ableitet, wird zu den Fudai-Daimyo gerechnet, also zu denen, die bereits vor Sekigahara Vasallen der Tokugawa waren. Mit der Etablierung des Tokugawa-Shogunats wurden vertrauenswürdige Familien in die vom Gegner übernommenen Lehen eingesetzt. Auch wurden solche Familien erprobten Vertrauens in strategisch wichtigen Lehen positioniert, und das war genau hier der Fall. Nach dem Tod von Yasushige residierte Matsudaira Yasuteru (1615-1675) in Yamasaki (Harima) und ab 1649 auf der Burg Hamada (Iwami).

1640 (Kannei 17) übernahm die Familie Okabe die Burg und das Lehen. Diese Familie stammte von den Fujiwara ab, und auch sie waren Fudai-Daimyo. Der erste Besitzer aus dieser Familie, Okabe Nobukatsu (1597-1668), Sohn von Okabe Nagamori (1568-1632), hatte zuvor ab 1632 in Tatsuno (Harima) und ab 1635 in Takatsuki (Settsu) residiert, ehe er das Lehen Kishiwada bekam. Er nahm einige Veränderungen und Modernisierungen an der Burg vor. Insbesondere verstärkte er die Außenbefestigungen und legte weitere Gräben und Außenwälle an. Die Burg war wichtig, um die Kishu-Tokugawa auf Burg Wakayama in Schach zu halten, auf der zu jener Zeit Tokugawa Yorinobu (1602-1671) herrschte. Die Familie Okabe, die ein Einkommen von zuletzt 53000 Koku hatte, behielt die Burg über 13 Generationen bis zu den Meiji-Reformen. Ihr Wappen ist kreisförmig und besteht aus einem Dreipaß von kommaartigen Formen, deren Kreisformen 1:2 stehen und deren spitze Fortsätze sich im Gegenuhrzeigersinn außen herumlegen.

Die Burg wurde 1827 (Bunsei 10) Opfer eines Blitzschlages, der den Hauptturm traf, welcher abbrannte. Als die Burgen während der Meiji-Reformen für überflüssig erklärt wurden, riß der damalige Besitzer selber die verbliebenen Wachtürme und Tore ein. Die Burg wurde 1871 aufgegeben. Die übrigbleibende Ruine schenkte der er Stadt. Nur der Wassergraben und die Steinwälle blieben zurück, alle Aufbauten waren verschwunden. Im Frühjahr 1953 hatte Fukumoto Taro, der Bürgermeister von Kishiwada, die Idee, einen Garten auf der Fläche anzulegen. Im Juni beauftragte er Mirei Shigemori mit einem Entwurf, und im Oktober des gleichen Jahres wurde schon mit den Arbeiten begonnen. Am 20. Dezember des Jahres war der Garten fertig. Im darauf folgenden Jahr, 1954 (Showa 29), baute man den einst fünfstöckigen Tenshu, der innendrin auch fünf Etagen hatte, nur dreistöckig mit drei Ebenen wieder auf, vereinfacht nicht nur in seiner Größe, sondern auch in seiner inneren Struktur, denn man baute ihn 1954 auf einem Betonkern auf. Er sieht hübsch aus, ist aber bei näherem Hinsehen Phantasie und kleiner als das Original. Weitere Gebäude wie Türme und Dobei folgten 1969. 1992 wurde die ganze Anlage repariert und restauriert, dabei wurde auch der Bewuchs an den Ishigaki-Wällen entfernt.


Rundgang und Beschreibung
Die Burg ist eine Niederungsburg (Hira-jiro) und ist klar gegliedert in zwei Bereiche, den inneren Bering (Honmaru) und den zweiten Bering (Ninomaru). Beide sind nebeneinander gesetzt (Nawabari vom Typ Renkaku-shiki). Die gesamte Anlage mißt 275 m in der Länge und 170 m an der größten Breite, mit äußerem Wassergraben gemessen. Die "Insel" des Honmaru mißt 125 m in der Länge und maximal 80 m in der Breite. Der Ninomaru ist 109 m breit und 80 m tief. Der 20 m bis 38 m breite Wassergraben (Hori) umschließt den Honmaru vollständig bis auf den Nordostzugang, dessen Rampe auf einem Damm verläuft. Der Ninomaru wird auf drei Seiten vom Wassergraben umschlossen, der zwischen 18 und 30 m breit ist und ein zum Honmaru hin offenes Hufeisen bildet, das an der Ostseite etwas übersteht. Die Zwischenstücke zwischen den Gräben des zweiten und des ersten Berings waren früher mit Toranlagen versehen. Wer in die Burg hinein wollte, mußte also zunächst durch eines dieser beiden Tore in den zweiten Bereich, um dort zu dem gesicherten Brückenkopf zu gelangen, der über den Graben des Honmaru zum dortigen Tor führt. An der Stelle des nordöstlichen Tores ist ein Ninomaru Yagura als Eckgebäude wieder hergestellt worden, da sind heute sanitäre Anlagen innen. An der Stelle des westlichen Tores sieht man seitlich des heute durchgehenden Weges Reste des inneren Walles, in den das Tor einst eingepaßt war. Der Ninomaru besaß früher noch zwei Ecktürme (Yagura) an den dem Honmaru abgewandten Ecken im Westen und im Norden (nicht mehr vorhanden). Die Nordecke des Ninomaru ist die Stelle, wo ein aus der abgebrochenen Burg Fushimi stammender Wachturm aufgebaut wurde (Kishiwada-jo Fushimi yagura ato, ato = Fundament, Ruine). Dieses Aussehen mit Türmen und Toren vermittelt eine zeitgenössische Zeichnung von Burg und Burgstadt, die auch in der Burg gezeigt wird. Die ehemalige Residenz (Ninomaru Goten) befand sich im zweiten Bereich; davon ist nichts erhalten. Im Stadtbild sind noch Reste weiterer Wassergräben vorhanden, die die Burgstadt schützen, das waren früher insgesamt drei Gräben.

Das Mittelstück des Ninomaru-Grabens, also die Nordwestseite, endete früher nicht an den beiden Seitenstücken, sondern setzte sich diesseits und jenseits fort und hatte Anschluß an die weiter außen liegenden Wassergräben. Diese Struktur erkennt man gut an den Befestigungen außerhalb des Ninomaru: Im Nordosten des Ninomaru-Wassergrabens befindet sich hinter der Feuerwehr und vor dem Rathaus noch eine rechteckige Verteidigungseinheit, heute ein erhöht gelegener kleiner Park. Die ganze Feuerwehr war also früher noch Wassergraben. Auf der anderen Seite, im Westen des Ninomaru-Wassergrabens, sieht man ebenfalls noch einen stumpf endenden Wall in den Parkplatz vorstoßen, und der Geländeversatz zeigt deutlich, daß die Häuser dahinter auf befestigtem Gebiet standen, der Parkplatz nahe der Hauptverkehrsstraße aber früher auch noch Wassergraben war.

Der ca. 1650 m2 große Honmaru besitzt zwei Zugänge. Der Hauptzugang ist der zuvor beschriebene durch das wiederhergestellte Ote-mon (Haupttor) vom Typ eines Yagura-mon (Ote yagura-mon). Es ist in die Lücke des Steinwalls eingepaßt mit eisenbeschlagenen Hölzern im unteren Geschoß und einem breiten, gestäbten Fenster im Obergeschoß, das beiderseits an die Dobei anschließt. Auch seitlich an den Schmalseiten sind im Rücken der Dobei die durch vertikale Stäbe gegen Hineinklettern gesicherten Fenster zu sehen. Auf der entgegengesetzten Seite des Honmaru im Rücken des Hauptturmes (Tenshu) ist aber ein weiterer Zugang zu sehen: Vom Ufer führt ein gewinkelter Zugang über zwei gegeneinander versetzte steile Treppen hoch direkt ins südliche Eck des Honmaru. Der Anschlag einer leicht abzubauenden hölzernen Brücke ist am Ufer zu erkennen. Dieser direkte Zugang war schwer gesichert, zum einen durch den nahen Eckturm, zum andern durch einen zusätzlichen, nach außen vorspringenden Wall, so daß Ankömmlinge von zwei befestigten Wänden beiderseits der Treppe unter Beschuß genommen werden konnten. Alle Ishigaki-Wälle stammen noch aus der Momoyama-Zeit.

Der Hauptturm (Tenshu-kaku) steht an der Südostseite. Seitlich angesetzt ist ein kleinerer Turm (Ko-tenshu-kaku), über den der Zugang erfolgt. Beide sind baulich getrennt und mit einer kleinen Galerie verbunden (ähnlich wie beim Typus Renketsugata-Tenshu). Der heutige dreistöckige Hauptturm ist ca. 22 m hoch. Da der ursprüngliche, echte Turm fünfstöckig war, darf anhand der Proportionen des Tenshudai auf eine ursprüngliche Höhe von 32,40 m rückgeschlossen werden; der originale Turm war also rund 10 m höher. Der Tenshu ist im ersten Obergeschoß mit den typischen Dreiecksgiebeln ausgestattet (Chidori-hafu), an zwei Seiten jeweils ein großer, dessen Giebel in das darüber liegende Dach einschneidet, und an den anderen beiden Seiten zwei kleine nebeneinander, die unter dem darüber liegenden Dach enden (zwei nebeneinander heißen Hiyoku Chidori-hafu). Daneben gibt es am gegenwärtigen Tenshu geschwungene Giebelformen (Karahafu), jeweils über den doppelten Chidori-hafu und an den langen Seiten des obersten Daches im Irimoya-Stil. Alte Darstellungen des Tenshu zeigen jedoch nur Chidori-hafu, keine Karahafu, und eine Rekonstruktion des Ursprungszustandes müßte sich daher auf diese dreieckigen Giebelformen auf den drei mittleren Ebenen der insgesamt fünf beschränken. Der Tenshu enthält innen ein Museum zur Lokalgeschichte; dort sind Dokumente zum früheren Aussehen der Anlage und ein Modell zu sehen.

Früher besaß der Honmaru an jeder Ecke einen Wachturm über dem Wall (Sumi yagura) und noch einmal je einen in der vorderen Mitte der langen Seite (wo der Umriß am breitesten ist), also sechs Stück. 1969 wurde einer dieser zweistöckigen Ecktürme (Niju yagura) an der Westecke wiederaufgebaut (Honmaru sumi yagura). Zwischen den Ecken gab es überbaute Mauern mit Räumen für die Besatzung (Tamon yagura). Auch davon ist eines wiederhergestellt worden zwischen dem Tor auf der Nordwestseite und dem Eckturm sowie ein weiteres ums Eck.


Gartenanlagen
Der größte Teil der Freifläche des Honmaru wird von einer kunstvollen Gartenanlage ausgefüllt. Dieses Zentrum bildet ein 1953 angelegter Trockengarten (Karesansui-Garten) aus geometrisch zugeschnittenen Feldern und Kiesflächen mit konplexen, ineinandergestaffelten Umrißlinien, ein Werk des Gartenarchitekten Mirei Shigemori (Kishiwada-jo teien). Der Bezugspunkt sind die Fenster des Hauptturmes, von dort hat man den besten Überblick über die Linien und gebildeten Formen. Noch besser ist natürlich der Blick aus der Luft, und das war die revolutionäre Idee des Gestalters, einen Garten zu schaffen, dessen volle Schönheit man erst senkrecht von oben wahrnimmt. Zur Bauzeit konnte der Künstler das noch nicht wissen oder ahnen, aber es ist wie eine nachträgliche Bestätigung dieser Idee, daß 40 Jahre später ganz in der Nähe der Flughafen Kansai International in die Bucht von Osaka gebaut wurde, so daß man tatsächlich die Möglichkeit hat, ihn regelmäßig von oben zu sehen: Ironie der Geschichte.

Die ineinander geschachtelten Umrisse erinnern in freier Interpretation an konzentrische Befestigungen wie bei der ursprünglichen Anlage der Burg, und die gebrochenen Formen der Umrißlinien erinnern an die dynamisch gestuften Ishigaki-Wälle eines Grundrisses von Befestigungswerken. Stein herrscht vor, so wie eine Burg scheint auch der Garten für die Ewigkeit gebaut, und der Stein ist in vielen unterschiedlichen Formen doch das hauptsächliche Gestaltungselement. Die Steingruppen erinnern an strategisch aufgestellte Menschengruppen, die ihre Beziehung zum Zentrum suchen. Der Garten heißt Hachi-jin no niwa (acht-Positionen-Bezugspartikel-Garten), weil seine acht Felsengruppen die Kampfaufstellung der 8 Positionen darstellen. Die Fläche in der Mitte mit der neunten Steingruppe stellt den Bezugspunkt der Anordnungen dar. Grundlage dieser Idee ist ein Kampf aus der chinesischen Mythologie; der Anführer war General Zhuge Liang, ein Held aus der Zeit der "drei Königreiche" (San-guo-zhi), der auch unter den Namen Shokatsu Komei (jap.) oder Chuko Kung-ming bekannt ist, ein chinesischer General und Premierminister aus dem 3. Jh.

Jede dieser Felsengruppen stellt eine dieser Kampfaufstellungen dar, Himmel (ten), Erde oder Land (chi), Vogel oder Phönix (tori), Drachen (tatsu), Wolke (kumo), Schlange (hebi), Tiger (tora) und Wind (kaze) genannt. Die Mitte ist der General (Taisho-jin) selber. Nicht nur in den konzentrischen Formen gibt es eine Hierarchie von innen nach außen, sondern auch in der Höhe, denn jede Ebene innerhalb einer geschlossenen Umrißlinie ist gegenüber der vorherigen geringfügig um 30 cm erhöht. Die mittlere Steingruppe steht am höchsten Punkt des Gartens. Tiger und Wind bilden die nächste Ebene darunter, und dann kommen die anderen weiter außen und tiefer. So dient ein legendäres Kampfgeschehen der gärtnerischen Inspiration im Hof der Burg. Die acht Steingruppen umfassen zwei bis neun Felsen; die zwei sehr langen liegenden Steine stehen für die Schlange. Die Gruppe mit lauter vertikalen Steinen steht hingegen für den Himmel. Typisch für den Gartenkünstler Mirei Shigemori sind Merkmale wie die allgemeine Dominanz der aufrecht stehenden Steine in den Gruppen, die Arbeit mit Linien und Geometrie, der spannungsgeladene Gegensatz zwischen großen und kleinen Steinen, von flachen und steil emporragenden. Besonders gerne setzt er als Material einen Chloritschiefer von graugrüner Farbe ein, ao-ishi genannt, blaugrüner Stein. Dieser Stein stammt von der Insel Okino-shima in der Nähe von Shikoku. Nur eine Sache ist heute anders als vom Künstler gedacht: Er hatte die Idee, daß die Besucher das Kunstwerk betreten, auf den Linien entlang gehen, bis sie auf eine Ebene weiter innen wechseln können und sich so dem Zentrum nähern können. Auch sollte die Fläche für Veranstaltungen oder als Außen-Lesefläche einer im Hauptturm angedachten Bibliothek dienen. Davon ist nichts geblieben, die Kiesflächen sind sorgfältig geharkt, und eine Absperrung hält das Publikum außerhalb.


Literatur, Links und Quellen
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@34.4592513,135.3702871,18.25z - https://www.google.de/maps/@34.4592513,135.3702871,326m/data=!3m1!1e3
Jennifer Mitchelhill, David Green: Castles of the Samurai - Power and Beauty, 112 S., Verlag: Kodansha International 2013, ISBN-10: 1568365128, ISBN-13: 978-1568365121, S. 93
Toshitaka Morita, Takahiro Miyamoto: Castles in Japan (Landscapes of the Japanese Heart), 304 S., Verlag: Mitsumura Suiko Shoin, 2018, ISBN-10: 4838105606, ISBN-13: 978-4838105601, S. 198-199
Burg Kochi auf Japanese Castle Explorer von Daniel O'Grady:
http://www.japanese-castle-explorer.com/castle_profile.html?name=Kishiwada
Webseite der Stadt über die Burg: http://www.city.kishiwada.osaka.jp/soshiki/36/kishiwadajyo.html - http://www.city.kishiwada.osaka.jp/site/userguide/foreign-language.html
Burg Kishiwada auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Kishiwada - https://en.wikipedia.org/wiki/Kishiwada_Castle
Auf Japan Hoppers: https://www.japanhoppers.com/en/kansai/senshu/kanko/264/
Stephen Mansfield: A radical in the stones - From the ashes of Kishiwada's ancient castle, a most remarkable garden has been grown, Artikel in der Japan Times vom 23.5.2010 https://www.japantimes.co.jp/life/2010/05/23/travel/a-radical-in-the-stones/
Garten auf JGarden: http://www.jgarden.org/gardens.asp?ID=341
Burg Kishiwada auf den Seiten von Osaka: https://osaka-info.jp/en/page/kishiwada-castle
früheres Aussehen der Burganlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Kishiwada#/media/Datei:Kishiwadaj24.jpg
Was es sonst noch in Kishiwada zu sehen gibt: Danjiri Matsuri: https://www.jnto.go.jp/ph/spot-activity/kansai/osaka/kishiwada-danjiri-matsuri/
Christian Tschumi: Mirei Shigemori - Rebel in the Garden: Modern Japanese Landscape Architecture, 203 S., Verlag: Birkhäuser, 1. Auflage 2007, ISBN-10: 9783764377489, ISBN-13: 978-3764377489, S. 91-95
Zhuge Liang:
https://de.wikipedia.org/wiki/Zhuge_Liang
Burg Kishiwada:
http://kishiwada-saiken.jp/index(E).html - Geschichte: http://kishiwada-saiken.jp/1_1_castle(E).html - Rekonstruktion des ursprünglichen Tenshu: http://kishiwada-saiken.jp/2_2_comparison(E).html
Burg Kishiwada:
http://rekishiwadanjiri.com/
Grundriß der Wälle und Gräben:
https://www.patternz.jp/wp-content/uploads/2017/01/Nawabaru-of-Kishiwada-Castle-in-Osaka.jpg - https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2a/Kishiwadaj19.jpg
Lage der früheren Gräben im heutigen Stadtbild:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c0/Kishiwadaj20.jpg
Modell von Burg und Stadt:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f1/Kishiwadaj11.jpg
Burg Kishiwada auf den JNTO-Seiten:
https://www.japan.travel/en/spot/1084/
Burg Kishiwada bei JCastle:
http://www.jcastle.info/view/Kishiwada_Castle
Burg Kishiwada auf Japanese Castle Explorer:
http://www.japanese-castle-explorer.com/castle_profile.html?name=Kishiwada
auf Japan Travel:
https://www.japan.travel/en/spot/1084/
Familie Koide:
https://de.wikipedia.org/wiki/Koide_(Klan)
Familie Matsudaira:
https://de.wikipedia.org/wiki/Matsui_(Klan)
Familie Okabe:
https://de.wikipedia.org/wiki/Okabe_(Klan)
Kisho-Tokugawa:
https://de.wikipedia.org/wiki/Tokugawa_(Kish%C5%AB)


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